LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Körperverletzung landet vor Gericht -Staatsanwaltschaft: zwölf Monate Haft

Im großen Sitzungssaal des Bezirksgerichts Luxemburg saßen am Freitagnachmittag zwei Chinesen auf der Anklagebank. Es geht um schwere Körperverletzung, Morddrohungen und Beleidigungen, um persönliche Tragödien und um eine maßlose Reaktion.

Was war geschehen? Am 12. Mai 2017 gegen 19.15 kommt es in Gasperich zwischen zwei chinesischen Besitzern eines „Sushi Restaurant“ zu einem lebhaften Wortgefecht und zu einem Handgemenge. Es wurde um die gemeinsamen Restaurantanteile gestritten. Dabei schlägt der Hauptangeklagte Jialin G. (54) seinem Geschäftspartner Chengshan D. (30) ein Glas ins Gesicht. Kurz nach der Tat liegt der verletzte Chengshan D. blutüberströmt vor dem Restaurant auf dem Bürgersteig. Polizei und Rettungswagen waren sofort vor Ort.

Das Opfer und der Tatverdächtige Jialin G. wurden durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht. Später wird der Tatverdächtige durch Polizeibeamten vorläufig festgenommen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Luxemburg wurde der 54-jährige Jialin G. schließlich einem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags gegen den Mann, setzte diesen in Vollzug und wies den Tatverdächtigen in die Justizvollzugsanstalt Schrassig ein, wo er vom 12. Mai bis Ende Oktober 2017 wegen versuchten Totschlags in Untersuchungshaft saß. Am 2. Mai 2018 wertet die Ratskammer schließlich die Tat nur als schwere Körperverletzung und nicht als versuchter Totschlag.

Opfer nie in Lebensgefahr

Laut Rechtsmediziner Dr. Andreas Schuff handelte es sich um Verletzungen, die zu keinem Zeitpunkt lebensbedrohlich waren. Das Opfer war nie in Lebensgefahr. Es kam zu vermeintlich kleineren Schnittverletzungen. Schnittwunden am rechten Auge und am rechten Arm wurden im Krankenhaus durch Wundnaht versorgt. Die Lippe war aufgeplatzt und blutete stark. Tiefere Strukturen waren nicht verletzt.

Der Gerichtspsychiater Dr. Roland Hirsch hat den 54-jährigen Hauptangeklagten Jialin G. „angesichts des tragischen Vorgangs“ bereits nach Artikel 71.1 des Strafgesetzbuches für nur begrenzt verantwortlich erklärt. Der Gutachter nennt bei ihm eine Ausnahmesituation, verminderte Schuldfähigkeit durch extreme emotionale Belastung.

„Aber nur weil Jialin G. zuvor von Chengshan D. massiv angegriffen und geschlagen wurde. Chengshan fing an, Jialin G. zu würgen. Er habe sich gewehrt, fiel aber zu Boden und zog sich eine Kopfverletzung zu. Dann brannten bei ihm alle Sicherungen durch. Er hatte Panik und wollte einfach nur raus aus der Situation. Sekunden später lagen beide mit zerrissenen Shirts und blutigen Nasen auf dem Boden“, sagte der Verteidiger. „Wenn sich die Tat so ereignet hat, wie der Angeklagte sie vor Gericht schilderte, dann sei es Notwehr gewesen“, meinte Me Scheerer. Die mutmaßliche Morddrohung „... ich werde dich umbringen“, streite Jialin G. ab.

Der Verteidiger beantragte in der Hauptsache mildernde Umstände oder eine Aussetzung des Urteils für den Angeklagten. Bei Bestrafung soll die U-Haft angerechnet werden. Die Haft sollte dann aber nicht höher als sechs Monate betragen und auf Bewährung ausgesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft lässt den Vorwurf des versuchten Totschlags fallen. Für die Morddrohung beantragte sie Freispruch. Für die Staatsanwaltschaft ist die Morddrohung rechtlich nicht haltbar. Hingegen spricht der Ankläger von einer „aggressiven und aufpeitschenden Handlung“ des Angeklagten Jialin G.. Der Vertreter der Anklage billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu und beantragte zwölf Monate Haft und eine Geldstrafe. Eine Möglichkeit des teilbedingten Vollzugs sei gegeben.


Das Urteil ist für den 25. Oktober vorgesehen