LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Heffingen: Ein 250 Jahre alter Baum hätte nie zerstört werden dürfen, monieren Denkmalschützer

Nach dem Abriss einer 250 Jahre alten Linde im Dorf Reuland, das zu Heffingen im Kanton Mersch gehört, fordert der Denkmalschutzverein „Sauvegarde du Patrimoine asbl“ strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Der Schöffenrat sei verantwortlich und für diesen Vorfall, nun müsse es eine Geldstrafe wegen Organisationsverschulden geben, meinen die Denkmalschützer in einer Mitteilung. Das Denkmalschutzgesetz stelle den Abriss von national geschützten Objekten unter Strafe. „Die Zerstörung der majestätischen Linde erfüllt uns mit Trauer und Entsetzen“, bedauert Jochen Zenthöfer, Vizepräsident der Vereinigung „Sauvegarde du Patrimoine“. Für ihn ist klar, dass das Kulturministerium in der Pflicht stehe, als Aufsichtsbehörde Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft in Gang zu setzen - schon allein, um einen Wiederholungsfall auszuschließen.

Kontaktiert vom „Journal“ betonte Zenthöfer, dass die Gemeinde gewusst haben müsse, dass der Baum geschützt sei. Denn es gäbe in der kleinen Gemeinde nur elf denkmalgeschützte Objekte, von denen fünf erst in diesem Jahr auf die Liste gekommen seien. „Für jedes geschützte Objekt erhält die Gemeinde einen Bescheid“, unterstreicht Zenthöfer. „Wir wollen eine abschreckende Wirkung“, sagt der Denkmalschützer. Wenn das Ministerium keine Anzeige erstatte, werde dies sein Verein tun. Die Linde, die in Reiland direkt neben der kleinen Kapelle stand, ist auch im 2002 erschienen Buch „Les arbres remarquables du Grand-Duché de Luxembourg“ erschienen. Dort heißt es, sie sei vermutlich 1760 von einer Braut gepflanzt worden, die im Bauernhof nebenan geheiratet habe. Sie habe Hungersnöte, Weltkriege, Zerstörung und Stürme überlebt - nicht aber den Schöffenrat von Heffingen, kritisiert Zenthöfer.

Der Bürgermeister von Heffingen, Jérôme Seiler, ist über die Entwicklung alles andere als glücklich. Der parteilose 28-Jährige, der seit einem Jahr dieses Amt ausübt, erklärte gegenüber dem „Journal“, dass schon 2016 eine „Baumdoktorin“ den Baum für tot erklärt habe. Anschließende Versuche mit Setzlingen aus den Ästen der Linde hätten nicht zum Erfolg geführt.

„Derzeit gibt es eine große Baustelle im Ort, Kanalanschlüsse und vieles mehr, auch die Straße wird neu gemacht. Da sind gut zwölf oder 13 Leute beschäftigt“, berichtet Seiler, der an besagtem Tag nicht im Ort war. „Es musste wegen der Baustelle eine schnelle Entscheidung getroffen werden, was mit der Linde passiert.“ Vor Ort sei der Förster gewesen, der die Entscheidung getroffen habe. „Wir wussten nicht, dass der Baum geschützt ist, auf den anderen Plattformen, die konsultiert wurden, war sie nicht aufgeführt“, bedauert Seiler. Es sei sicher ein Fehler gewesen, nicht bei der Denkmalschutzbehörde nachgefragt zu haben. Doch wegen des Gutachtens der „Baumdoktorin“ und der gebotenen Eile sei die Entscheidung dann so gefallen.

Nun will die Gemeinde an der gleichen Stelle der alten Linde zwei neue pflanzen und eine Gedenktafel für die gefällte Linde anbringen, um den Verlust zu kompensieren. Seiler moniert, dass zirkulierende Fotos den Baum vor 15 Jahren zeigten. Zenthöfer hält die Kritik für nicht gerechtfertigt: „Der Baum war gesund, es ist normal, dass der Stamm in diesem Alter so aussieht. Das ist ja der Grund, warum wir den Baum schützen müssen. Es gibt Baumpfleger in Luxemburg, die sich darum kümmern. Da muss man Fachleute einsetzen.“ Zenthöfer wundert sich über die Hinweise auf die „Baumdoktorin“: „Von dieser Baumdoktorin habe ich nie gehört und deren Gutachten nie gesehen. Das ändert aber nichts daran, dass es nicht in die Kompetenz eines Försters oder Schöffenrats fällt, über die Linde zu entscheiden. Das ist einzig und allein Sache des Denkmalschutzamtes!“