LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Zum „Internationalen“ Tag des Waldes“ stellen Experten aus Luxemburg den Bericht über den Zustand des heimischen Waldes vor - 1.200 Referenzbäume wurden untersucht

Der „Internationale Tag des Waldes“ war für Umweltministerin Carole Dieschbourg der Anlass, in den Wald von Mertzig einzuladen. Dort wurde zum einen der Waldbericht vorgestellt, zum anderen ein didaktischer Waldpfad eingeweiht. Immerhin sind 35 Prozent der Fläche Luxemburgs von Wald bedeckt; ganze 92.150 ha. Da der Wald heute zahlreiche Funktion erfüllt - als Wirtschaftswald, Naherholungsgebiet und Klimafaktor - haben auch viele ein Interesse daran.

Der Waldbericht, der seit 1984 erstellt wird, wird von vier Experten verfasst, die dafür 1.200 Referenzbäume an 50 verschiedenen Standorten in Luxemburg beobachten und die Ergebnisse auswerten. Insbesondere der Laubzustand, die Präsenz von Parasiten und Pilzen und die Baumkrone werden dabei untersucht. Die jetzt vorliegende Untersuchung geht auf den Sommer 2018 zurück.

Nicht bei allen Bäumen sind die Schäden gleich. So hat sich der Zustand der Buchen leicht verbessert, während es Eichen, Eichenniederwäldern und anderen Laubbäumen schlechter geht. Nadelhölzern hingegen geht es im allgemeinen besser.

Borkenkäfer lauern unter der Rinde

Die rund 50 verschiedenen Arten von Borkenkäfern, die es in Luxemburg gibt, machen den Bäumen weiter zu schaffen. Im vergangenen Jahr sorgten sie für große wirtschaftliche Schäden; nicht nur in Luxemburger Wäldern. Die anhaltende Trockenheit trug ebenfalls dazu bei, den bei einer solchen Wetterlage fühlen sich Borkenkäfer besonders wohl. Gleichzeitig können die Bäume, gestresst durch die Trockenheit, weniger schützendes Harz produzieren. Vor allem Fichten fielen den kleinen Schädlingen - hier vor allem Buchdruckern und Kupferstechern - zum Opfer. Teilweise gab es im Sommer 2018 bis zu vier Generationen von Borkenkäfern.

Damit aus dem Befall in diesem Sommer ein landesweites Problem wird, hat das Umweltministerium im Oktober vor allem Privatbesitzer aufgefordert, wachsam zu sein und Totholz aus dem Wald zu entfernen. Denn unter der Rinde sitzen häufig die Larven der nächsten Generation.

Der Frühjahrssturm vom 10. März mit Geschwindigkeiten von bis zu 110 km/h sorgte ebenfalls für Schäden. Allein in der Region Norden sind nach einer ersten Schätzung 5.000 bis 6.000 m³ Opfer des Sturms geworden. Vor allem vom Borkenkäfer oder Blitz geschwächte Bäume kippten um.

Das Umweltministerium reagierte darauf nach eigenen Angaben mit einer Reihe von Maßnahmen, wobei das oberste Ziel die Eindämmung der Luftverschmutzung sowie die Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Waldes sei. Daneben gibt es aber noch eine Reihe weiterer Maßnahmen.

Erstes Waldgesetz seit 1617

Die wichtigste ist sicher das neue Waldgesetz, für das im Februar vergangen Jahres ein Entwurf eingereicht wurde. Es ist der erste Versuch einer Neuordnung seit dem Jahr 1617. Das allein zeigt schon die Notwendigkeit. Allerdings gibt es ziemlich unterschiedliche Interessen. Denn 52 Prozent der Wälder befinden sich in Privatbesitz, weitere 34 Prozent gehören den Gemeinden und 13 Prozent dem Staat, der Rest öffentlichen Einrichtungen. Seit dem 17. Jahrhundert hat sich viel getan, auch im Hinblick darauf, was der Wald überhaupt ist und welche Pflichten Spaziergänger, Reiter oder Radfahrer haben.

Die Nutzung des Waldes hat sich sehr verändert. Während der industriellen Revolution wurde mehr Wald geschlagen, als nach wuchs. Doch die Zeit, in der Dampfmaschinen mit Holz befeuert wurden, ist vorbei. Heute gibt es einen Zuwachs von rund 60 Prozent beim Wald, der oft mit schädlichem Kahlschlag begegnet wird. Als Wirtschaftswald produziert Luxemburg zwei Drittel Laubbäume und ein Drittel Nadelhölzer. Häufig haben die verschiedenen Interessenten - Waldbesitzer, Gemeinden, Staat, Sportler oder das WoodCluster - keinen Kontakt.

Die Politik will Waldbesitzer und -verwalter in Richtung einer nachhaltigen Waldwirtschaft steuern. 2017 trat eine neu großherzogliche Bestimmung in Kraft, die Waldbesitzer dabei finanziell unterstützt und die Biodiversität fördert. Darüber hinaus wurden einige Wälder in Mischwälder verwandelt, Baum-Alterungsinseln und geschützte Zonen eingerichtet und ein Aufwertung des lokalen und regionalen Verwertung betrieben.

Ein kleiner Schritt zu mehr Wissen um den Wald war die Einweihung des didaktischen Lehrpfads. Mike Poiré, Bürgermeister von Mertzig, begrüßte dazu gestern die Gäste. Neben Umweltministerin Dieschbourg war auch Frank Wolter, Leiter der „Administration de la nature et des forêts“, sowie Patrick Losch, Präsident von „natur&ëmwelt Fondation Hëllef fir d‘Natur“, vor Ort. Sie diskutieren die Umwandlung von Fichten-Monokulturen in naturnahen Mischwald, bevor sie eine Erfrischung im Wald zu sich nahmen. Der neue Waldpfad steht jetzt allen offen. Er beginnt an der „Rue de Dellen“.