LUXEMBURG
JEFF KARIER

Im Rahmen ihrer Kunstaktion „Slow Teleport“ leben und arbeiten vier Künstler während rund zehn Tagen auf ihrer Konstruktion

Die Möglichkeit, Dinge zu teleportieren, kennt man aus der Science-Fiction. In der Realität sind wir jedoch noch weit von dieser Technologie entfernt. Mit der Kunstaktion „Slow Teleport“ setzten die zwei New Yorker Künstler Alex Schweder (1970) und Ward Shelley (1950) sowie ihre beiden Kollegen Matthew Brown und Clemens Klein auf eine low-tech-Lösung, um eine von ihnen gebaute Konstruktion zu teleportieren.

Das Objekt, wie sie ihre Konstruktion bezeichnen, erinnert an so etwas wie das trojanische Pferd, nur bunter. Allerdings steht dieses seit Ende letzter Woche auf Kirchberg neben dem Labyrinth des Parks und soll in einigen Tagen auf der anderen Seite des Labyrinths wieder auftauchen. „Wir bauen dazu eine Brücke, befolgen also nicht die Regeln des Labyrinths“, erklärt Schweder.

Viel Improvisation

Die Brücke wird zum Teil aus Holzplatten und Latten, die in der Konstruktion lagern, gebaut. „Wir werden aber auch das Objekt Stück für Stück abbauen und als Teil der Brücke nutzen“, führt Schweder weiter aus, während er schwitzend und mit einem Akkuschrauber in der Hand auf einem Teil der Brücke steht. Wie er erklärt, gehört zum Bau der Brücke sehr viel Improvisation. Am Ende werden sie die Brücke wieder ab- und ihr Objekt aufbauen, eben so, als ob es teleportiert wurde. Wie Schweder erklärt, seien sie sich jedoch nicht sicher, ob es am Ende wie bei einer William Shatner-Teleportation genauso aussieht wie am Anfang, oder eher wie bei Jeff Goldblum etwas schiefgeht. „Vielleicht verlieren wir unterwegs einige Teile.“

Das Besondere bei dieser Kunstaktion ist, dass er, Shelley und ihre beiden Kollegen während der Dauer der Aktion auf ihrem Werk leben und arbeiten. Sie bauen also nicht nur die Brücke, ohne auch nur einen Schritt auf den Boden zu setzen. Sie kochen, essen und schlafen auch während rund zehn Tagen auf ihrer Konstruktion. Im Labyrinth haben die Künstler zehn Wegpunkte aufgestellt, die nicht nur zur Orientierung helfen. In ihnen ist auch Essen und Trinken gelagert. „Wenn wir also essen wollen, müssen wir diese erreichen. Es ist eine Motivation, wie eine Karotte an der Angel“, meint Shelley.

Architektur und der Mensch

Die Künstler interessiert bei ihrem Projekt unter anderem die Wirkung der Architektur auf uns Menschen, im Besonderen auf unser soziales Verhalten und wie sie uns verändert. Sie bezeichnen ihre Kunst daher als „performance architecture“. Dabei ist auch der Austausch mit den Menschen, die an der Installation vorbeikommen, ein zentrales Element. „Die Leute sollen uns einfach ansprechen. Auch da es schnell mal langweilig werden kann“, erklärt Shelley.

Mit Blick auf die Hitze, die diese Woche in Luxemburg herrscht, meint Shelley, dass sie gut vorbereitet seien. „Wir haben jede Menge Wasser und auch Sonnencreme.“ Außerdem würden sie darauf achten, es nicht zu übertreiben. Auf Plattformen mit Sonnenschutz können die vier sich ausruhen und nachts schlafen „Hier oben weht eine leichte Brise, die die Temperaturen erträglicher macht“, meint Shelley mit einem zuversichtlichen Lächeln. Bisher seien sie gut vorangekommen und sogar weiter als geplant.

Für Schweder und Shelley ist es nicht das erste Mal, dass sie eine solche Kunstaktion gemeinsam planen und durchführen. Ihre Zusammenarbeit hat 2007 bei dem Projekt „Flatland“ begonnen. Danach folgten viele weitere. Die Kunstaktion wird in Film und Bild festgehalten und anschließend unter anderem auf einem Bildschirm am Labyrinth bis zum 29. September zu sehen sein.

Durchgeführt wird die Kunstaktion im Rahmen des Projekts „1+1“, das alle zwei Jahre vom Casino Luxembourg und dem Fonds Kirchberg organisiert wird. Ziel ist es, durch Kunst das Kirchberg-Viertel etwa mit mehr Leben zu füllen.