DUBROVNIK
INGO ZWANK

Die „Perle der Adria“, Dubrovnik, ächzt und stöhnt unter der Touristenflut

Der Toreingang mit schwerer Holzbrücke ist beeindruckend und etwas einschüchternd. Kanonen blicken einem aus den Schächten der imposanten Festung entgegen. Malerisch präsentiert sich morgens um 8.00 in den ersten Sonnenstrahlen die Stadtmauer von Dubrovnik, die - wie ich offiziell bei meinem Besuch gelernt habe - zu einer der besterhaltenen defensiven mittelalterlichen Befestigungssysteme in Europa zählt. Etwa zwei Kilometer lang, umrundet die Anlage die Altstadt von Dubrovnik von allen Seiten und ist zum Wahrzeichen nicht nur der Altstadt geworden, die seit 1979 zum UNESCO-Welterbe in Kroatien gehört.

Wenn die Königin Buße tut

Ein Touristenmagnet ist Dubrovnik schon lange. Doch seit der Serie „Game of Thrones“, die teilweise in den Mauern hier gedreht wurde, laufen die Fans der alten Festungsstadt - neben den unzähligen Kreuzfahrern - die Tore ein. Die Fans wollen die Schauplätze sehen - wie die „Staircase of Shame“, die die Königinmutter Cersei Lannister hinabsteigen musste, um in den Gassen von King’s Landing Buße zu tun. Das habe ich in Vorbereitung unserer Kreuzfahrt gelesen - volle Gassen also? Wir beschließen demnach, recht früh gen Altstadt aufzubrechen. Wie uns der Kapitän unseres Schiffes mitgeteilt hatte, sind wir an diesem Tag das einzige Schiff in Hafen. Die Chancen auf einen etwas unbeschwerten Besuch stehen also recht gut.

Gespannt schreiten wir über die Torbrücken und rechnen eigentlich mit dem Schlimmsten: Touristen en masse, kein Durchkommen, Schulter an Schulter durch die Gassen geschleust zu werden! Denn hinter dem Pile-Tor beginnt die Stradun, auch Placa genannt, die große Hauptstraße der Altstadt, die nach dem Erdbeben von 1667 nach Plänen und auf Anordnung des Senats der Republik neu aufgebaut wurde. Doch vollkommen leer liegt die Altstadtpromenade an diesem Morgen uns zu Füßen. Vereinzelt sieht man ein paar Touristen mit teils schwerer Kameraausrüstung oder auch nur dem leichten Selfiestick samt Handy bewaffnet über das etwas rutschige Pflaster flanieren. Super, da zücke natürlich auch ich die Kamera für Touristen-freie Bilder. Gut zwei Stunden besuchen wir sakrale Bauten wie die Kirche des Patrons und Schutzheiligen von Dubrovnik, die Kirche des Heiligen Blasius, oder auch die Jesuitenkirche des Heiligen Ignatius, übrigens 1725 vollendet, werfen den ein und anderen Blick in schmucke Paläste, einige Museen und andere prunkvoll-historische Bauten. Doch plötzlich ist es von jetzt auf gleich mit den tollen Fotos und vor allem auch der Ruhe und dem Unbeschwertsein der Solo-Touristen vorbei. Auch wir müssen erkennen: „Ja, Dubrovnik hat ein Overtourism-Problem - und ja, auch wir sind sicherlich ein Teil davon.“ Fast zwei Dutzend Busse haben vor der Stadtmauer Position bezogen und entlassen ihre Fracht in die Altstadt. Dutzende Stadtführer haben sich hinter dem Tor eingefunden, um die Besucher durch die Stadt und auch über die Stadtmauer zu lotsen.

Auf der Jesuitentreppe herrscht da schnell Hochbetrieb. Ein Englisch sprechendes junges Paar um die 30 steht hilflos auf den Stufen und versucht noch, ein - wie sich herausstellt - imposantes GoT-Drehortfoto zu schießen, doch außer Touristenrücken erkennt man fast gar nichts mehr vom Drehort der Serie.

Die Stadt versucht schon länger, diesen Tourismus in gewisser Form zu regulieren, ihm Herr zu werden. Wie wir erfahren, war der Kommentar des Kapitäns am Morgen durchaus aufklärend: Denn pro Tag sind nur noch maximal zwei Kreuzfahrtschiffe in Dubrovnik erlaubt - und das, obwohl man drei Jahre im Voraus entsprechende Slots für den Hafen anfragen muss.

800.000 Schiffs- und 600.000 Bus-Gäste

Da versteht man auch die immensen Zahlen und die Anzahl an Touristen, die die Stadt bewältigen muss: Auf die 42.000 Einwohner in Dubrovnik kommen im Jahr rund 800.000 Schiffs- und 600.000 Bus-Gäste, im August bewegen sich nach offiziellen Angaben 27.000 Besucher pro Tag durch die Gassen. Insgesamt legten 538 Schiffe im Jahr 2017 im Hafen hier an, wie „Travel Weekly“ berichtet.

Dubrovniks Bürgermeister Mato Frankovic zog daher die Reißleine. Bis 2020 will er es erreichen, dass sich maximal 4.000 Schiffspassagiere gleichzeitig in der Stadt aufhalten, nicht mehr. Das wäre nach Frankovic „die perfekte Lösung für die Stadt“, die aufgrund des (Massen-)Problems extrem klagt. Doch es ist - wie so oft - ein zweischneidiges Schwert. Denn die Touristen bringen Euros in die Stadtmauern - und das ist durchaus willkommen, wie eine Reiseführerin bei unserem Besuch ausführt. So wird auch schon in mancher Kirche Eintritt genommen, um das Besucherproblem etwas finanziell abzumildern. „Was aber auch wieder Arbeitsplätze sichert“, erzählt eine andere Reiseführerin - sicher nicht ganz uneigennützig. Die Lagunenstadt Venedig hatte übrigens ein ähnliches Problem und traf ebenfalls Maßnahmen, um teils Touristen und Kreuzfahrtschiffe besser in den Griff zu bekommen.

Festhalten muss man auf jeden Fall, dass die Altstadt eine Reise wert ist, auch wenn eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Hausberg Brdo Srd für uns leider ins Wasser fiel, da aufgrund eines Streits um nicht bezahlte Rechnungen der Betrieb lahmgelegt war.