BAD HERSFELD
CHRISTIAN SPIELMANN

Shakespeares „Der Sturm“ als Musical in Weltpremiere in Bad Hersfeld

The Tempest (Der Sturm) ist William Shakespeares letztes Theaterstück und wurde 1611 in London uraufgeführt. Für die Bad Hersfelder Festspiele in der Stiftsruine wurde das Stück vom Duo Wolfgang Schmidtke (Musik) und Gerold Theobalt (Texte und Buch) neu bearbeitet. So wurde aus dem Zauberer Prospero die Herzogin Prospera von Mailand und aus dessen Bruder Antonio, ihre Schwester Antonia. Weltpremiere war am 16. Juni unter der Regie von Janusz Kica.

O schöne Insel, mit solchen Leuten

Prospera (Maaike Schuurmans) wird von ihrer Schwester Antonia (Marie Therese Futterknecht) hintergangen. Sie flieht mit ihrer Tochter Miranda (Julia Hell) auf eine Insel. Hier besiegt sie die Hexe Sycorax und sichert sich deren Kräfte, wie auch die Hilfe des Luftgeistes Ariel (Patrizia Margagliotta). Weil Kaliban (Stephan Ulrich), der Sohn der Hexe, sich an Miranda herangemacht hat, versklavt Prospera ihn. Ein Schiff, auf dem u. a. der König von Neapel Alonso (Jörg Reimers), sein Sohn Ferdinand (Fabian Baumgarten), sein Bruder Sebastian (Lars Weström), sein Berater Gonzalo (Daniel Dimitrow) und Antonia reisen, gerät in einen von Prospera und Ariel erschaffenen Sturm. Der König und sein Gefolge können sich auf die Insel retten, aber Ferdinand bleibt verschwunden. Alonso glaubt, dass er ertrunken ist. Ferdinand begegnet Miranda, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Als Prospera erkennt, dass sich beide wirklich lieben, lässt sie von ihren Racheplänen ab.

Flotte Melodien und Top-Sänger/innen

Die Geschichte wurde auf ein für alle Zuschauer verständliches Niveau herabgeschraubt, weshalb es vom Festival als Familien-Musical vermarktet wird. Doch lediglich die Figuren vom Kellner Stephano (Livio Cecini) und dem dicken Bootsmann Trinculo (Thomas Bimbel) sorgen für etwas Klamauk à la Dick und Doof. Die Erwachsenen werden eher ihre Freude an den Anachronismen haben und an einigen flotten Melodien, wie z. B. „Mein Sturm“ von Ariel, die Schmusenummer zwischen Ferdinand und Miranda „Du und ich“ oder Prosperas „Gebet“. Maaike Schuurmans hat eine kraftvolle Stimme und gehört seit Jahren zum Ensemble. Überraschend gut ist Patrizia Margagliotta, mit ihrer schelmenhaften Manier und ihrer großartigen Stimme. Stephan Ulrich weiß ebenfalls schauspielerisch und stimmlich voll zu überzeugen.

Haupt-Musical: „Showboat“

Jerome Kern komponierte „Showboat“ 1927. In der Stiftsruine ist es Regisseurin Melissa King gelungen, ein großartiges Revival des Musical-Klassikers zu inszenieren. Die mit vielen Emotionen durchwachsene Geschichte von Käpt’n Andy, seiner Familie, seinem Theater-Schiff und seiner Truppe wird Dank einer erstklassigen Truppe erzählt. Jan Amman singt mit seiner dunklen Stimme in schon fast klassischer Manier den Ravenal, Michael Schanze kehrt als Andy Hawks nach Bad Hersfeld zurück, wo er letztes Jahr als Tevje überzeugte, genau wie Milica Jovanovic, die erneut seine Tochter spielt, Magnolia, genannt Nola. Walter Reynolds singt den Joe und erzeugt mit dem Evergreen „Ol‘ Man River“ viel Gänsehaut. Siggy Davis spielt seine Frau Queenie und Sophie Berner die Sängerin Julie. Eigentlich stechen alle Melodien ins Ohr, wie u. a. noch „Make Believe“ oder „Life Upon the Wicked Stage“, allerdings auf Deutsch gesungen. Der Weg in die Kurstadt Bad Hersfeld lohnt sich.
Alle Informationen findet man auf der Internetseite www.bad-hersfelder-festspiele.de.