LUXEMBURG
DANIEL OLY

Blizzard will „League of Legends“ Konkurrenz machen

Irgendwie ironisch, dass ausgerechnet das große Entwicklerstudio Blizzard den Hype der vergangenen Jahre um das „Multiplayer online battle arena“ (MOBA)-Genre verschlafen hat, haben doch die Ursprünge der beliebten Heldenkloppereien ihre Wurzeln in Kartenmodifikationen der beliebten Blizzard-Spiele „Starcraft“ und „Warcraft: Reign of Chaos“. Dass aus den beliebten Mehrspielermods mit der Zeit ein eigenständiges Genre entstand, das mittlerweile beliebter denn je ausfällt und Tag um Tag mehr Spieler an den Rechner lockt, könnten die Designer beim kalifornischen Blizzard-Team einfach verpasst haben. Vielleicht gingen sie aber auch mit einer gewissen Vorsicht an das Genre heran, tasteten zögernd, wägten ab, bevor sie ihren Einstand wagten? Sollte das hauseigene „Heroes of the Storm“ vielleicht aus Fehlern der Konkurrenz lernen?

Traditionsbruch

Für „alte Hasen“ des Genres ist daher sofort auffallend, dass „Heroes of the Storm“ dann doch so Einiges anders macht: So hat Blizzard etwa das gesamte Itemsystem konsequent entfernt, das in Titeln wie „League of Legends“ zwar durch Kombinationsvielfalt für ein interessantes, abwechslungsreiches Gameplay, potenziell aber auch für ein schwerer balancierbares Spielgeschehen sorgt, weil manche Kombinationen leicht übermächtig werden könnten. Ausgleichen möchte Blizzard dies durch die Auswahl charakterspezifischer Talente, die es dem Spieler dennoch erlauben, seinen Helden nach seinen Wünschen zu gestalten. Außerdem neu: Jede Karte spielt sich anders, weil der Spieler sich nicht nur an die neue Umgebung anpassen, sondern außerdem auf jeder Karte eine Art „Nebenaufgabe“ erfüllen muss - mal müssen in einer Geistermine Knochen gesammelt, mal an einer mysteriösen Statue ein Drachengott beschworen werden. Das macht die Spiele und Kämpfe dynamischer, weil es verhindert, dass die Kämpfe genretypisch ausschließlich stur in einer Spur ablaufen.

Blizzard-typische Qualitätsware

Nach knapp zwei Wochen Einsicht in eine Alpha-Version ist damit bereits klar: „Heroes of the Storm“ ist ein typisches Blizzard-Spiel. Das heißt in erster Linie: Die Welt, das Szenario des Spiels ist gewohnt abgedreht, comichaft verzerrt. Hier schenken sich die größten Helden und Bösewichter aller drei Blizzard-Universen (Diablo, Star- und Warcraft) gegenseitig nichts und prügeln, ballern und spucken Gift, Galle und Feuer was das Zeug hält. Selbst wer die Heroen nicht kennt, braucht sich dabei nicht zu scheuen: Ein eingängiges Tutorial und klare Tooltips helfen beim Einstieg, Fähigkeiten sind dadurch schnell erklärt und erste Trainingsspiele fix absolviert. Ebenfalls typisch für Blizzard-Spiele: Spielqualität und -gefühl sind bereits jetzt auf einem hohen Niveau, die Lernkurve zwar straff, aber meisterbar, erleichtert durch die Option des Spiels gegen die (durchaus brauchbare) künstliche Intelligenz.

Spielen tut es sich also schon recht gut, auch wenn das Balancing dem frühen Stadium geschuldet noch hinten anstehen muss. Wann sich „Heroes of the Storm“ auch einem breiten Publikum öffnet, ist unklar. Kostenlos sein soll es aber auf jeden Fall.