LUXEMBURGINGO ZWANK

Er gehört zu den Besten der Szene:Der Luxemburger Klippenspringer Alain Kohl

Es sind 27 bis 28 Meter zwischen Absprung und Eintauchen, und das mit bis zu 100 km/h Fallgeschwindigkeit: Das sind die Eckdaten der Red Bull Cliff Diving World Series - gewissermaßen Extremsport in seiner ursprünglichsten Form.

27 Meter Höhenunterschied, freier, rasanter Fall und eine perfekte Symbiose aus Athletik und Ästhetik. Der Luxemburger Alain Kohl (Jahrgang 1982) zählt seit einigen Jahren zu den Top-Springern und untermauert seine Form stets mit Platzierungen unter den TopTen der Welt.

Was brachte Dich zum Klippenspringen?

Alain Kohl Ich war normaler Turmspringer, spezialisiert auf das Ein- und Drei-Meter-Brett. Bereits mit sieben Jahren, etwa 1989/1990, habe ich mit dem Springen angefangen. Dann habe ich aber gemerkt, dass es irgendwie nicht mehr in der Karriere so weitergeht, wie ich mir das vorgestellt habe. Durch Zufall habe ich dann das Klippenspringen gesehen und wusste genau: Das willst Du jetzt machen…

Dann ging es etwas höher hinauf…

Kohl Oh ja, wenn man vom Brett springt, dann bist du kurz schwerelos. Wenn man aber von einer Klippe springt, dann ist das der freie Fall. Ich musste lernen, meine Technik anzupassen.

Von welcher Höhe sprechen wir hier?

Kohl Unsere Wettbewerbe springen wir aus einer Höhe von 27/28 Metern.
Bist Du schon einmal aus einer größeren Höhe gesprungen?

Kohl Ja, einmal aus 29 Metern, aber da habe ich gemerkt, das ist genug. Das Eintauchen wird immer härter und hier ist das Limit dann erreicht.

Dann lieber einmal ein Tanker, von dem Du runter springst...

Kohl Ja, das war einmal aus 25 Metern von einem israelischen Tanker (schmunzelt).

Schaut man denn eigentlich vor einem Sprung noch mal nach unten in die Tiefe, Höhenangst scheinst Du ja keine zu haben?

Kohl Ja, das muss man, auch wenn man voll konzentriert vor dem Sprung ist. Ich mache es vor jedem Sprung. Jedes Mal fragt man sich dann: ‚Oh, Merde! Was machst Du hier eigentlich…?‘ Aber man ist so konzentriert, Du hörst noch nicht einmal die Zuschauer, wenn sie Dich anfeuern. Wenn man dann aus dem Wasser auftauchst und die Menge tobt, denkst Du: ‚Ach, da sind ja auch noch andere gewesen…!‘

Du wohnst in Telfs bei Innsbruck. Wie sieht die Vorbereitung / das Training bei Dir aus?

Kohl Ich muss betonen, dass wir keine ‚Verrückten‘ sind, die irgendwo nur mal runterspringen, wie manche glauben. Ich trainiere in der Woche rund 30 Stunden, im Winter bin ich im Schwimmbad und springe aus zehn Metern. Im Sommer habe ich das Glück, dass ich in nur 20 Minuten Fahrzeit den einzigen 27 Meter-Sprungturm („Area47“ in der Nähe von Innsbruck) erreiche, so dass ich sehr gut trainieren kann.

Was waren Deine bisher größten Erfolge?

Kohl Ich habe beim Red Bull Cliff Diving La Rochelle 2011 den dritten Platz belegt. Vierter wurde ich beim Red Bull Cliff Diving Portugal 2012. Aber meine insgesamt beste Saison mit auch den besten und kontinuierlich guten Sprüngen hatte ich ohne Zweifel 2011, als ich auch Sechster im Gesamtranking wurde.

Bisher läuft es aber auch nicht schlecht für Dich. Erst am letzten Wochenende bist Du gesprungen...

Kohl Ja, wir waren in Ponta Delgada auf den Azoren in Portugal im Rahmen der Red Bull Cliff Diving World Series 2014. Und es wurde ein guter siebter Platz. Ich bin sehr zufrieden. Der Wettkampf war sehr hart. Das Eintauchen war auch sehr schwer, da wir teilweise in der ersten Runde 2,5 Meter hohe Wellen hatten. Am Samstag war es dann ein bisschen ruhiger aber immer noch schwer - aber ich bin ganz zufrieden. Es war definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Das heißt? Welche weiteren Ziele hast Du Dir für 2014 gesteckt?

Kohl Ich möchte, da ich zurzeit auch noch etwas angeschlagen bin, wieder an meine Leistungen anknüpfen können und zu meiner alten Qualität zurückkommen. Aktuell bin ich schon in Irland gesprungen (ein zehnter Platz), in Italien habe ich den sechsten Platz belegt.
Folgen Sie Alain Kohl auf Twitter: @alain_kohl oder Instagram: @alainkohl; weitere Infos www.alain-kohl.com