STEINBRÜCKEN
CORDELIA CHATON

Guy Stamet spricht über Schwindel in AAA-Häusern mit Aufzügen und andere Probleme

Guy Stamet hat selbst lange bei einem Aufzughersteller gearbeitet. Ihm fiel auf, wie viel Energie durch die Entlüftung und Entrauchung der Aufzüge verpulvert wurde - und wie leicht das mit einer innovativen Technologie einzudämmen ist. 2006 gründete er mit Carlo und Mike Hein das Unternehmen AirFlowControl, heute BlueKit Factory, mit Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Belgien und Frankreich. Hier erklärt er, warum Aufzüge in Luxemburg so sicher sind und dennoch Ersticken in ihnen drohen kann und warum in Sachen AAA viel CO2 und Geld in die Luft gejagt wird.

Warum sind Aufzüge Ihrer Meinung nach Energieschleudern?

Guy Stamet Vor allem unzählige Aufzüge, welche vor 2012 installiert wurden, sind leider noch immer unvorstellbare Energieschleudern. Denn in Aufzugsschächten und Maschinenräumen gibt es versteckte permanent geöffnete Fenster. Insbesondere in Immobilien mit schwacher Energieklasse entsteht in den kälteren Jahreszeiten in Aufzugsschächten ein Kamineffekt, durch welchen beheizte Luft in die Atmosphäre verschleudert wird. So können je nach Lage und Anzahl der Stockwerke der Immobilie bis über 3.500 Euro Heizenergie pro Jahr verpulvert werden! Dabei gibt es Systeme, welche die sonst permanent geöffneten Lüftungsöffnungen schließen und nur in Abhängigkeit von der Lufttemperatur, der Luftqualität, der Aufzugsnutzung oder eines Feueralarms öffnen. Die Nachrüstung mit BlueKit-Systemen spart bares Geld. Die Kosten sind niedrig, die Heizkosten fallen und die Umwelt wird geschont.

Bei den neuen AAA-Immobilien sind solche Vorrichtungen aber gar nicht nötig.

Stamet Irrtum. Zur Ermittlung der Energieklasse müssen die Häuser durch den so genannten Blower-Door-Test auf Luftdichte geprüft werden. Schließlich will der Staat nur energiesparende Häuser subventionieren. Aber hierbei wird oft gemogelt. Das geht so: Statt die permanenten Lüftungsöffnungen im Aufzugsschacht beispielsweise mit einer gesteuerten Klappe zu versehen, werden diese Fenster während des Blower-Door-Tests lediglich verklebt. Wenn die gute Energieklasse feststeht und die entsprechende staatliche Subvention kassiert werden kann, wird die Verklebung wieder entfernt - fertig. Das teure Energiekonzept war für die Katz und die Immobilie ist eine subventionierte CO2-Schleuder! Seit Januar 2017 dürfen in Luxemburg nur noch AAA-Immobilien gebaut werden, solche Immobilien würden mit offenem Schacht im Betrieb nicht mal die Klasse D erreichen.

Was passiert denn im Winter?

Stamet Das kann man sich wie eine Thermosflasche vorstellen, in die man heißes Wasser füllt und dann ohne Verschluss in den Garten stellt. Nach kurzer Zeit ist die Flasche trotz guter Isolierung innen so kalt wie außen. So läuft es auch mit den Aufzugschächten. Es gibt keinen Kamineffekt mehr. Die Kälte fällt über die Lüftungsöffnung in den Aufzugsschacht und kühlt die Immobilie von innen aus. Davon kann man sich leicht auch noch in der aktuellen Jahreszeit überzeugen, indem man morgens die Hand auf die Aufzugsschachttüren oder -verkleidung legt. Sie sind kalt! Denn trotz ausgestellter hervorragender Energieklasse sind diese Immobilien eine regelrechte vom Staat unwissentlich subventionierte Mogelpackungen und kosten Einwohner, Mieter und Umwelt jährlich Millionen von Euros und CO2-Tonnen! Das ist eine Schande - eine subventionierte Sauerei, welcher sich die Betreiber gar nicht bewusst sind.

Wie sieht es im Fall von Aufzugsstörungen aus?

Stamet In Aufzugsschächten neuer Immobilien mit hoher Energieeffizienz gibt es ähnlich wie in einer leeren Flasche keinen Luftstrom. Im Normalbetrieb entspricht die Luftqualität durch das ständige Öffnen der Türen in der Aufzugskabine und im Aufzugsschacht der Luftqualität auf den Aufzugsebenen. Doch im Falle einer Aufzugsstörung ist ein Luftstrom im Schacht längs der Kabine lebenswichtig. Messungen von Dekra und TÜV beweisen, dass die Kabinenluft bei einer Aufzugsstörung mit Personeneinschluss in den heutigen luftdichten AAA-Immobilien sogar bei nur halber Besetzung innerhalb von fünf Minuten zu einer ernsthaften gesundheitlichen Bedrohung werden kann. CO2 steigt schnell weit über 4.500 ppm und der Sauerstoffgehalt in der Luft kann weit unter 20 Prozent fallen. Es braucht nicht einmal zusätzlich flüchtige organische Stoffe, damit in der Kabine sehr schnell eine lebensbedrohliche Situation entsteht.

Was wird dagegen unternommen?

Stamet Diese neue ernsthafte Gefährdung ist einleuchtend doch sie ist noch längst nicht jedem Aufzugsplaner oder -betreiber bewusst. Es gibt aber klare Vorschriften. Das europäische Normungsgremium CEN hat diese neuen Gefährdungen durch fehlende Lüftung 2010 bereits erkannt und in den geltenden Aufzugsnormen auf über drei Seiten offen gelegt. Daher existieren bereits heute Systeme zur mechanischen Belüftung von Aufzugsschächten und -kabinen. Darüber hinaus müssen Betreiber und Installateure von Aufzügen nachweisen, dass sie sich vor dem Inverkehrbringen der Aufzugsanlage über alle Gefährdungsparameter ausgetauscht haben und ein sicherer Betrieb gewährleistet ist. Aber die Gefahr liegt nicht nur da.

Welche Probleme sehen Sie noch?

Stamet Immer mehr Altenheime werden zu Pflegeheimen und Wohn-Mietimmobilien werden zu Altenheimen. Aus Platzmangel leben mehr und mehr ältere und gehbehinderte Personen in Miethäusern. Das stellt die Rettungsdienste bei einem Notfall vor unvorhersehbare Probleme. Denken Sie nur an einen Brand: Die Feuerwehr kann eine immer größer werdende Anzahl solcher Einwohner nicht schnell genug über die Leiter oder die üblichen Fluchtwege in Sicherheit bringen. Viele sitzen im Rollstuhl oder brauchen einen Rollator. Statt wie allgemein bekannt Aufzüge im Brandfall nicht mehr zu nutzen, drängt sich hier die Nutzung eines entsprechend sicherheitstechnisch ergänzenden Evakuierungsaufzuges auf, ohne dass die bereits sehr hohen Wohnungsbaukosten noch zusätzlich erhöht werden.

Wie soll das konkret aussehen?

Stamet Ich arbeite im Augenblick als nationaler Experte in einem Arbeitskreis des „Centre Européen de Normalisation“ an einer Europäischen Norm für Evakuierungsaufzüge und setze mich dafür ein, dass die Norm sich nicht nur auf Hochhäuser bezieht, sondern insbesondere auch den beschriebenen Trend im Wohnungsbau berücksichtigt. Hierbei geht es mir vor allem darum, dass wir im Bedarfsfall eine möglichst große Sicherheit und Funktionsdauer des Aufzuges zur Evakuierung der Einwohner gewähren können.


www.bluekit.eu