LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Olivier Garofalo wirkt als Autor in Residenz am „Théâtre National du Luxembourg“

Vordergründig geht es um Wohnungssuchende, steigende Mieten und ein Wohnungslosenheim, das nicht fertig wird. „Aber darunter findet die Suche nach Heimat, nach einem sozialen Ort des Menschen und nach Beziehungen statt.“ So umreißt der luxemburgische Dramatiker Olivier Garofalo sein neues Theaterstück „Heimat ist kein Ort“, das am 18. März im „Théâtre National du Luxembourg“ (TNL) uraufgeführt wird.

Auch wenn das Stück an einem nicht genannten Ort spielt, lassen sich Bezüge zu Luxemburg herstellen. „Die Gentrifizierung der Hauptstadt, die enge Lage auf dem Wohnungsmarkt“, zählt Garofalo auf. „Es ist eine Reflexion über Heimat, als Luxemburger bin ich eben seit sieben Jahren in Deutschland und als Theaterschaffender ist man sowieso sehr viel unterwegs“, erklärt er. „Es geht um das Leben in einer Welt, wo man nicht mehr am gleichen Ort lebt und arbeitet.“ Das neue Theaterstück ist ein Auftragswerk des TNL, an dem Garofalo während dieser Spielzeit die regelmäßig stattfindende Autorenresidenz innehat.

„Autorenresidenz ist eine Institution“

Auf diese Autorenresidenz ist man beim TNL besonders stolz: „Die Autorenresidenz gibt es seit zwölf Jahren, es ist eine richtige Institution, viele bekannte luxemburgische Autoren haben diesen Weg beschritten“, erläutert Theaterdirektor Frank Hoffmann. Die Künstler werden vielfach unterstützt: Zum einem mit einem Honorar, zum anderem mit der Finanzierung des Stückes. Für die Inszenierung wird ein beträchtlicher Betrag aufgewendet, laut Hoffmann liegt dieser über 50.000 Euro. Da die Autorenresidenz komplett aus dem Budget des Theaters finanziert wird, hat man es sich zum Ziel gemacht, die entsprechenden Stücke auch außerhalb von Luxemburg auf die Bühnen zu bringen. „Das wurde aber nur selten richtig gut realisiert“, erklärt Hoffmann.

Bisher beinhaltete die Autorenresidenz neben der Inszenierung der Uraufführung eines Auftragswerkes auch eine szenische Lesung eines älteren Werkes des Autors. Seit diesem Jahr verfolgt das TNL eine engere Zusammenarbeit mit dem Nationalen Literaturarchiv, wo eine Poetikvorlesung oder ein Vortrag des Autors stattfinden soll. „Wir wollen uns kürzer, aber intensiver auf den Autor und auf das neue Stück konzentrieren“, kündigt Hoffmann an. Daher solle die Uraufführung auch von einigen, noch festzulegenden, Veranstaltungen im Theater begleitet werden.

Garofalos Autorenresidenz bei dem Theater ist im Sinne einer Hausautorenschaft zu verstehen. „Diese werden meistens persönlich angefragt“, erklärt er. Im Gegensatz dazu steht die klassische Residenz mit Stipendium, um das es einen Wettbewerb gibt, wie es etwa beim Casino Luxembourg für Künstler der Fall ist. Für „Heimat ist kein Ort“ hat das TNL Garofalo vor mehr als zwei Jahren angefragt. Die Bedingungen: Es sollte ein Stück sein, das in Luxemburg uraufgeführt wird, doch bei der Themenwahl war Garofalo völlig frei. Die Autorenresidenz im TNL läuft über die ganze Spielzeit, wobei Garofalo aber nicht permanent vor Ort sein muss. Dafür beinhaltet seine Residenzzeit den Vortrag am Nationalen Literaturarchiv in Mersch: Bei der Veranstaltung am 15. Februar, 19.30, wird der Theaterschaffende seine Auffassung von Dramatik und sein Verständnis des zeitgenössischen Theaters in Luxemburg darlegen.

Abstecher zum Ursprung

Für Garofalo ist die Autorenresidenz beim TNL auch eine Art Abstecher zum Ursprung: Der Luxemburger hatte im Jahr 2005 sein erstes abendfüllendes Theaterstück im TNL vorgestellt, inzwischen kann der 31-Jährige aber weitere Stationen vorweisen: Ab 2011 arbeitete er als Dramaturg und ab der Spielzeit 2013/2014 als Chefdramaturg an der Badischen Landesbühne, seit der Spielzeit 2015/2016 ist er Dramaturg am ETA Hoffmann Theater Bamberg, zudem hat er derzeit einen Lehrauftrag an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Angesichts dieser Kontakte Garofalos könnte es dieses Mal leichter werden, das Auftragswerk des TNL auch auf andere Bühnen zu bringen.


Uraufführung von „Heimat ist kein Ort“ am 18. März, weitere Aufführungen am 22., 24. und 26. März. Details unter www.tnl.lu