LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Gespräch mit dem Regisseur und Produzenten Aurelio Agliata

Im Jahr 2017 reichte Aurelio Agliata, genannt Toni, das Drehbuch zum Kurzfilm „Moondancer“ beim luxemburgischen Film Fund ein. Doch das Komitee lehnte es ab, weil es für ihre Begriffe ein zu heikles Thema behandelt. Das Drehbuch war jedoch an der Universität in Belval eine Diskussionsrunde unter Literaturstudenten wert, die im Rahmen des Referats „Wissenschaftliches versus kreatives Schreiben“ abgehalten wurde. Der „Lëtzebuerger Journal“-Filmkritiker nahm am Kursus teil und unterhielt sich mit dem Drehbuchschreiber, dessen Eltern aus Sizilien stammen und mittlerweile seit 20 Jahren in Luxemburg leben.

Aurelio Agliata wurde in Wadern (D) geboren und studierte in Deutschland Management. Von Kind an
war er jedoch kinobegeistert und hatte seinen Stammplatz im Kino in Hermeskeil, wo die Familie später wohnte. Er drehte mit der 8mm-Kamera seines Vaters Filme und später VHS-Filme. In Spanien besuchte er 2006 eine Filmschule. In Berlin gründete er eine Filmproduktionsfirma und drehte 2011 seinen ersten Spielfilm „Lady Europa“.

Ein Kind mit Down-Syndrom

„Moondancer“ handelt von einem jungen Paar, das erfährt, dass ihr ungeborenes Kind das Down-Syndrom hat. Der Vater will das Kind abtreiben, die Mutter dagegen nicht. Sie trennen sich, und erst Jahre später erfährt der Mann, dass seine Frau das Kind auf die Welt setzte und seitdem mit dem Jungen ein glückliches Leben führt. „Der Film Fund fand die Geschichte zu anstößig“, erklärte Agliata, „auch wenn sie ganz positiv endet.“

Seit ein paar Jahren wohnt er in Remich und hat auch eine Produktionsfirma im Großherzogtum gegründet, „Super Leone Films“. Nur wurden alle bisherigen Filme in Zusammenarbeit mit ausländischen Produktionenfirmen realisiert. Ein weiterer Kurzfilm „Maximum Man“ wurde ebenfalls vom Film Fund abgelehnt. „Ich bin noch nicht bekannt in Luxemburg“, sagte Agliata. „Ich hatte gehofft, mit den Kurzfilmen Fuß zu fassen. Aber ich gebe nicht auf, weder die Figuren, noch das Thema, und überarbeite das Drehbuch zu einem Spielfilm, der einstweilen ‚Wallenstein‘ heißt.“

Agliata ist alles andere als unerfahren. Er hat zehn Kurzfilme gedreht und drei Langfilme „Lady Europa“, „C.L.E.A.N.“ mit Tom Sizemore, der momentan in Postproduktion ist und dessen Premiere im April geplant ist, und „Someone Dies Tonight“ mit Eric Roberts, zu dem die Dreharbeiten von den Produzenten gestoppt wurden. Seine Filme drehte er hauptsächlich mit Geldern, die durch Crowd-Funding zusammenkamen. Dies sieht er als Alternative zu den konventionellen Produktionsmethoden.

Wichtige Begegnungen

Toni Agliata ist voller Tatendrang, stets auf der Suche nach neuen und mutigen Ideen. So lernte er durch Eric Roberts wichtige Leute kennen, wie zwei Hollywood-Drehbuchautoren, mit denen er momentan an einem modernen Western, „Miller’s Gang“, schreibt. Er glaubt ebenfalls an sein Drehbuch „Out of Limbus“, ein Fantasy-Film, der jedoch ein größeres Budget benötigt. „Ich warte, bis ich den richtigen Produzenten gefunden habe“, verriet er. „Auch in Luxemburg könnte sich so ein Produzent finden. Nur muss er genau denselben Zugang zum Film haben wie ich.“

Die Uni-Studenten fanden das Drehbuch „Moondancer“ übrigens interessant und alles andere als anstößig oder unmoralisch. Jedenfalls will Agliata das Drehbuch nicht umschreiben und es dem Film Fund noch einmal unterbreiten. „Ich weiß, dass die Unterstützung vom Film Fund wichtig ist“, sagte er abschließend. „Mit welcher Geschichte ich es nochmal versuchen werde, weiß ich jetzt nicht. Doch hoffe ich, dann Gehör zu finden.“

An Ideen mangelt es Agliata nicht. Er lässt sie in seine Drehbücher einfließen, die somit interessante und originelle Geschichten erzählen. Und dem Kino fehlt es momentan an Originalität, sonst würden nicht so viele Fortsetzungen und Remakes gedreht.