LUXEMBURG
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5.000 Luxemburger leiden an schwerer Alkoholabhängigkeit: Neue Tagesklinik kann helfen

Die Alkoholkrankheit wird gerne umgangssprachlich als „Trinksucht“ bezeichnet. Doch sie zählt nach wie vor zu den größten Suchtproblemen weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind etwa ein bis drei Prozent der Bevölkerung in mitteleuropäischen Ländern alkoholabhängig. In Deutschland wird die Zahl der Alkoholsüchtigen auf mehr als zwei Millionen geschätzt, wobei doppelt so viele Männer wie Frauen betroffen sind. Die größte Gefährdung besteht nach offiziellen Angaben für Männer zwischen dem 21. und 24. Lebensjahr. Damit steht Deutschland im weltweiten Vergleich des Alkoholkonsums auf Rang fünf und bildet mit Luxemburg, Ungarn, Irland und Tschechien die Spitzengruppe. Die Luxemburger sind beim Alkoholkonsum in Europa Spitze. Durchschnittlich trinkt jeder Einwohner hierzulande pro Jahr 15,6 Liter reinen Alkohol, wie eine Studie aus dem Jahr 2010 anlässlich des Weltdrogentages ausführt. Auf Platz zwei und drei folgen Irland und Ungarn. Deutschland liegt mit einem Pro-Kopf-Konsum von zwölf Litern Reinalkohol auf Rang fünf.

Dr. Marc Graas, Generaldirektor des „Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique“ (CHNP), bestätigte bei der Präsentation am Mittwoch der neuen Tagesklinik ÄDDI*C in der Adolphe-Fischer-Straße in Luxemburg, dass Alkohol immer noch ein großes Problem darstelle.

30.000 haben Störung durch Alkohol

„Man kann sagen, dass in Luxemburg 30.000 Menschen eine Störung durch Alkohol haben, davon 4.000 bis 5.000 mit einer schweren Abhängigkeit.“ Hier ist das neue Zentrum ein guter Ansatzpunkt. Das Zentrum in der Hauptstadt richtet sich an Erwachsene mit riskantem Konsum oder einer Abhängigkeit von Alkohol oder Medikamenten, Personen, für die eine vollstationäre Therapie nicht indiziert ist oder Erwachsene, die ein Problem mit „Binge-drinking“ haben. Darunter versteht man ein Rauschtrinken, auch „Komasaufen“ genannt, wobei sehr viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird, um einen veränderten Bewusstseinszustand (Rausch) herbeizuführen.

Psychologin Dr. Claude Besenius, verantwortlich für das Zentrum, betonte, dass jede betroffene oder interessierte Person sich an die Mitarbeiter wenden kann. „Wenn man denkt, ein Alkoholproblem zu haben oder an einer anderen Suchtkrankheit zu leiden, wie beispielsweise Medikamentenabhängigkeit, dann sind wir für Sie da.“ Auch können sich Angehörige oder Familienmitglieder an das Zentrum wenden, um Informationen zu den Problematiken zu erhalten.

Besenius ist aber auch Direktionsbeauftragte für das Therapiezentrum in Useldingen, das auf die stationäre Behandlung von Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit spezialisiert ist. Besenius betonte, dass das Centre ÄDDI*C nicht die Eingangstür für eine Therapie in Useldingen sei. „Im Zentrum besteht unsere Arbeit darin, schwere Suchterkrankungen vorzubeugen, aber vor allem die Person in ihrem Umfeld zu halten.“ Ziel ist somit, eine stationäre Behandlung zu vermeiden. „So soll die betroffene Person weiter in ihrem Umfeld bleiben, ihrer Arbeit nachgehen und ihr soziales Netz weiterpflegen.“ Das Angebot des Zentrums besteht aus ambulanter Rehabilitations, Therapiekonzepten mit dem Ziel von verringertem Konsum oder Abstinenz, Psychotherapieangeboten, psychotherapeutischer Behandlung, individueller psychiatrischer und psychosozialer Begleitung, individuell angepassten Therapieplänen, Gruppenpsychotherapie sowie zusätzlicher Therapieangeboten (Ergotherapie, Psychomotorik). Eine Therapie soll so etwa drei Monaten dauern, aktuell werden rund 25 Personen betreut. 15 Sitzungen vormittags und 15 nachmittags kann das Personal aktuell bewältigen. Die Kosten werden übrigens von der Gesundheitskasse (CNS) getragen. Dass Alkohol in vielen Lebenslagen ein Problem in Luxemburg darstellt, wurde auch von der Regierung erkannt. Daher wurde ein entsprechender Aktionsplan in die Wege geleitet. Was diesen Aktionsplan anbelangt, so will die Regierung einen besseren Jugendschutz und des ungeborenen Lebens, eine Schadensminimierung durch Alkohol und auch weitere Prävention bezüglich Alkohol in Verkehr und des Verkaufs auf den Weg bringen. Studien bei Jugendlichen in Luxemburg sollen dazu beitragen, Kampagnen und Angebote besser auf die Zielgruppe abzustimmen, ist für das Gesundheitsministerium die Reduzierung von Alkoholmissbrauch doch eine Priorität.

Tagesklinische Alkoholtherapie (Hôpital de Jour Alcoologie), 73, Rue Adolphe Fischer, 1520 Luxembourg; Tel.: (+352) 26 82 77 01; Email: addic@chnp.lu - Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8.30 bis 17.00 (flexibles Angebot für Berufstätige); www.addic.lu