RENE MENEGHETTI
DIPLOMPSYCHOLOGE UND PROJEKTLEITER VON „SERVICE IMPULS“

Der „Service Impuls“ von „Solidarité Jeunes a.s.b.l.“ leistet Unterstützung und psychosoziale Behandlung für junge Drogenabhängige, deren Familien und betroffene Institutionen. Projektleiter René Meneghetti erklärt, warum es keinen Sinn macht gegen Drogen zu kämpfen und wie „Service Impuls“ Jugendlichen hilft.

„Unser Angebot ist breit aufgestellt, um der Komplexität des Problems gerecht zu werden. Wir arbeiten als Systemiker mit anderen Institutionen, Polizei und Gericht zusammen. Zudem haben wir einen Maßnahmenplan, der Anleitung zum Umgang mit wegen Drogenkonsums auffälligen Jugendlichen gibt. Die Programme Choice, Echo und Prost sollen den Betroffenen helfen, keine Sucht zu entwickeln. Ein Viertel unserer therapeutischen Arbeit widmen wir Drogenabhängigkeiten, den Rest den Ursachen, denn Drogenkonsum ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Hauptursachen sind Traumatisierungen und dysfunktionale Familiendynamiken, mit jugendlicher Neugier, Peergruppe und Lust auf starke Gefühle kommen weitere Faktoren hinzu.

Nach einer Evaluierung der Uni Luxemburg ist unsere Erfolgsquote gut. 75 Prozent der Jugendlichen schaffen es mit unseren Programmen in die Abstinenzphase, 12 Prozent bleiben stabil, 12 Prozent konsumieren weiter. Meist reichen sechs Sitzungen. Allerdings zeichnet sich seit drei bis vier Jahren ein Trend ab, nach dem mehr Sitzungen benötigt werden. Das hängt mit zunehmend komplexeren Familienstrukturen zusammen: Meist sind es Alleinerziehende, deren Söhne unter Drogen und später unter Abstinenz weniger Frustrationspotenzial aufweisen und bedrohlich werden. Unser Einsatz in der Deeskalation und den entsprechenden Schulungen nimmt daher zu.

Damit in Luxemburg weniger Jugendliche zu Drogen greifen, müsste sich das Bewusstsein dahingehend ändern, dass man das Problem nur als Gesellschaft lösen kann. Drogenpolitik darf nicht nur in Ministerien stattfinden, sondern auch auf kommunaler Ebene, in Schulen, in (Sport-)Vereinen und Familien. Wichtig ist zudem, dass Kinder in sozialen Kompetenzen und Selbstbewusstsein mehr gestärkt werden. Die beste Prävention ist, nicht gegen Drogen zu kämpfen, denn den Kampf gegen Drogen haben wir verloren, stattdessen ist das Wohlergehen der Jugendlichen unser Ziel: Wir müssen sie schon als Kinder stärken und ihnen zeigen, wie sie – anders als über Drogenkonsum – sich wohl fühlen können oder ausdrücken, wenn es ihnen schlecht geht.

Wir wollen keine abstinente Gesellschaft, aber Erwachsene sollten zudem ihre Botschaften überdenken, etwa zu Alkoholkonsum. Dazu gehört, dass Freibier-Aktionen für Jugendliche keine Genehmigung mehr bekommen sollten. Und damit drogenkonsumierende Jugendliche am Ende nicht ohne Schulabschluss dastehen, fordern wir eine Schulpflicht bis 18 Jahre. Denn vor allem mit 15 Jahren, wenn sie in der rebellischen Phase sind und nur noch ein Jahr Schule ansteht, brechen manche Betroffene die Schule ab. Damit fällt eine wichtige Struktur weg.“

Weitere Informationen und Kontakt unter www.im-puls.lu