LUXEMBURG
JEAN-NICO PIERRE

Morgen ist der „Internationale Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr“. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich rund 450.000 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass mehr als 60 Prozent der Drogentoten nicht an Überdosen, sondern an den indirekten Folgen, also Hepatitis C und HIV sterben. Auch in Luxemburg gibt es Drogenabhängige, die aber von mehreren Seiten Hilfe bekommen wieder clean zu werden und auf die Beine zu kommen. Hierzu Jean-Nico Pierre, Direktor der Stiftung „Jugend- an Drogenhëllef“.

„Laut dem aktuellen National Drug Report gibt es in Luxemburg rund 2.500 bis 3000 problematische Drogenabhängige. Diese findet man zu großen Teilen vor und um das Drogenhilfezentrum ‚Abrigado‘ des ‚Comité national de défense sociale’ etwa im Drogenkonsumraum sowie beim Spritzentausch. Dass sich diese Personen hier konzentrieren liegt auch daran, dass die Polizei die Stadt Stück für Stück ‚geputzt‘ hat. Zwar sind nun mehr Stadtteile ‚sauber‘, das Problem der Drogenabhängigen ist jedoch nun an einem Ort stärker konzentriert. Das bringt auch Probleme mit sich. So wird die Drogensozialarbeit der Menschen im Drogenkonsumraum und dem restlichen Zentrum durch die Menschen, die sich um das ‚Abrigado’ aufhalten, beeinträchtigt.

Das zeigt, dass wir in Luxemburg mehr Drogenkonsumräume bräuchten. Wir, die Experten in der Drogensozialarbeit, schätzen, dass drei oder vier benötigt würden. Einen in Esch/Alzette werden wir als ‚Jugend- an Drogenhëllef‘ nun im Sommer eröffnen. Allerdings ist mindestens noch eine solche Struktur im Süden sowie eine im Norden notwendig, um den Bedarf abzudecken und den betroffenen Personen zu helfen.

Darüber hinaus bieten wir in der Jugend- an Drogenhëllef jedoch noch eine ganze Reihe an weiteren Diensten und Hilfen an. Wir haben einen ‚service Parentalité‘, bei dem Eltern mit einer Drogenvergangenheit oder einem ausgeglichenen Konsum geholfen wird. Absolutes Ziel muss es sein, dass die Suchtweitergabe über Generationen unterbunden wird. In dem Zusammenhang werden wir auch ein Mutter-Kind-Haus in der Hauptstadt eröffnen.

Auch einen Beratungsdienst als Anlaufstelle und Hilfsangebot für aktuelle und ehemalige Drogenkonsumenten sowie deren Umfeld wie Eltern oder Lehrer bieten wir an. Bei unserem Substitutionsprogramm wird eine Suchtbehandlung durchgeführt, bei der Methadon oder auch medikalisiertes Heroin verwendet werden. Hinzu kommt unter anderem noch betreutes Wohnen für aktuelle oder ehemalige Drogenkonsumenten. Das komplette Angebot findet sich unter www.jdh.lu.
Mit Blick auf die Bekämpfung von Sucht sind wir der Ansicht, dass in Zukunft viel stärker die Gemeinden mit eingebunden werden müssen, dass diese kommunale Suchtaktionspläne ausarbeiten müssen, damit die verschiedenen Maßnahmen auch greifen. Auch die Präventivmaßnahmen gegen Cannabis und andere Suchtmittel müssen bereits viel früher beginnen, so dass wir Kinder stärken Nein zu sagen. Neben stoffgebundenen Süchten müssen auch nicht-stoffgebundene Süchte, wie Videospiele oder auch Smartphones und andere Geräte, in die Prävention eingebunden werden. Wenn wir das erst mit Jugendlichen von 15, 16 Jahren machen, ist es bereits meistens zu spät.“