LUXEMBURG
LJ
Die voraussichtliche Aufteilung

583 Betten insgesamt

583 Betten wird das „Südspidol“ voraussichtlich insgesamt zählen. Davon gehören 270 zu den akuten Normalpflegestationen, 78 zur Geriatrie, 60 zur Reha, jeweils 49 zur Onkologie (inklusive Radiotherapie) sowie zur Psychia-trie, 36 zur Intensivpflege, 22 zur Geburtshilfe und 14 zur Palliativpflege. Fünf Betten sind für die sogenannte „Gefängnisstation“ reserviert.
Etappen der Entwicklung

Vom „Hôpital d’Esch“ zum „Südspidol“

1924 Vertrag zwischen Stadt Esch und Arbed/“Métallurgie des Terres Rouges“ zum Bau eines Spitals in der Minettemetropole, das Mitte März 1930 eröffnet
2004 Fusion mit dem Düdelinger Spital, das seit 1901 besteht. Das „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM) ist geboren
2008 Fusion des CHEM mit dem „Hôpital Princesse Marie-Astrid“ in Differdingen, das 1981 als Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden Differdingen, Petingen und Bascharage eröffnet wurde. Heute zählt das CHEM 1.834 Mitarbeiter, davon 265 Ärzte, verfügt über ein Jahresbudget von rund 217 Millionen Euro und pflegt rund 141.000 Patienten jährlich. Der Standort Esch zählt 360 Betten, der Standort Niederkorn 202, während in Düdelingen 50 Betten für die Geriatrie reserviert sind
Ende 2011 Die Regierung gibt grünes Licht für den Bau eines neuen großen Spitals im Süden des Landes. Ende 2012 erteilt das Gesundheitsministerium sein prinzipielles OK für das Projekt, das am Standort „Elsebrich“ in Esch-Raemerich entstehen soll
2014 Europäischer Architekturwettbewerb für das neue „Südspidol“: Im Oktober 2015 geht der Auftrag an das österreichische Büro Albert Wimmer ZT-GmbH
2017 Im Juli erhält das Projekt „Südspidol“ den „International Design and Health Award“ in Wien
2018 Die Detailarbeiten am Projekt sind abgeschlossen. Nun geht es an die Umsetzung. Der Gesetzentwurf zur Finanzierung des „Südspidol“ geht auf den Instanzenweg
2023 Voraussichtliche Eröffnung des „Südspidol“

Voraussichtlich im Jahr 2023 wird das am Kreisverkehr Raemerich gelegene „Südspidol“ den Betrieb aufnehmen und dann die drei aktuellen Standorte des „Centre Hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM) in Esch/Alzette, Düdelingen und Niederkorn ersetzen. Den Vorentwurf des Finanzierungsgesetzes zum Bau des neuen Krankenhauses hat Gesundheitsministerin Lydia Mutsch gestern im parlamentarischen Gesundheitsausschuss vorgestellt. Über den „Fonds hospitalier“ wird sich der Staat zu 80 Prozent mit einem Betrag in Höhe von 433,5 Millionen Euro am Bauprojekt beteiligen. Darin enthalten ist eine Reserve in Höhe von zehn Prozent für Unvorhersehbarkeiten. Die verbleibenden 20 Prozent der förderbaren Gesamtkosten wird die Gesundheitskasse (CNS) übernehmen. Das ergibt zusammen eine Summe von rund 542 Millionen Euro. Das CHEM wird indes für zusätzliche, auf rund 28 Millionen Euro geschätzte Investitionen geradestehen müssen, etwa für den Bau eines Ärztehauses und eines Parkhauses.

Einsparung von 15 Prozent der Betriebskosten

Die ehemalige Escher Bürgermeisterin und ehemalige Verwaltungsratspräsidentin des CHEM sprach gestern von einem sehr positiven Feedback der Abgeordneten, die allerdings auch mit jeder Menge Detailfragen aufwarteten. Es bestehe ein Konsens darüber, dass es sich um wichtiges Projekt für die Südregion wie auch für das ganze Land handele. Insgesamt sprach Mutsch von einem „Krankenhaus der neuen Generation“, das auf kurze Wege und eine multidisziplinäre Zusammenarbeit setze. Durch seine unmittelbare Nähe zum Universitätscampus und den auf Belval angesiedelten Forschungszentren erhofft sich die Gesundheitsministerin auch Synergien. Durch die Bündelung der Aktivitäten des Krankenhauses auf einem Standort seien zudem jährliche Einsparungen in Höhe von 15 Prozent der derzeitigen Betriebskosten möglich.

Dr. Hansjörg Reimer, Generaldirektor des CHEM, betonte gestern auf „Journal“-Nachfrage, dass es mit der Übersiedlung ins „Südspidol“ keinen Personalabbau geben werde. Allerdings werde es Änderungen auf Ebene der Arbeitszuweisungen geben. Konkret: Gut ausgebildete und gut bezahlte Krankenpfleger sollen sich vornehmlich um die Patienten kümmern und nicht Mahlzeiten verteilen. Reimer ließ ebenfalls durchblicken, dass sich das CHEM als Kompetenznetzwerk in der Onkologie etablieren will. Das zum 1. April in Kraft tretenden „Spitalsgesetz“ sieht die Schaffung solcher Kompetenznetzwerke vor, die die Akteure in einem Fachbereich zusammenbringen soll. Mit dem „Centre François Baclesse“, auch nationales Radiotherapiezentrum genannt, das ebenfalls ins „Südspidol“ umziehen wird, hat sich das CHEM bereits auf dem Gebiet der Onkologie etabliert. Was aus den drei bestehenden Krankenhausgebäuden wird, steht noch nicht fest. Das war gestern den Aussagen des CHEM-Verwaltungsratspräsidenten und Escher Bürgermeister Georges Mischo zu entnehmen. 

„Grüne“ Klinik der kurzen Wege: Das Konzept des „Südspidol“

Luxemburg Von oben sieht es aus, als ob drei UFOs in Esch-Raemerich gelandet wären: Das „Südspidol“, das 2023 hier seine Türen öffnen soll. „Das Konzept zum Neubau des Krankenhauses „Südspidol“ in Esch/Alzette in Luxemburg verfolgt konsequent den Campus-Gedanken und kombiniert die Vorteile der gegliederten Struktur in einem menschlichen Maßstab mit den Anforderungen der medizinischen Abläufe an eine Zentrumsbildung zur Steigerung der Effizienz und Minimierung der Wege. Vor dem Hintergrund der PatientInnenorientierung werden mit den Mitteln der Architektur die Ansprüche an maximales Tageslicht, optimale Orientierung, Ausblick ins Freie und Bezug zur Natur umgesetzt. So werden Räume geschaffen, die Sicherheit geben und Ruhe ausstrahlen, die das Bedürfnis nach weitest gehender Autonomie und Selbstbestimmung unterstützen, die Kontakt fördern und Kommunikation erleichtern und die Rückzugsmöglichkeiten bieten. Das Ziel des Entwurfs ist ein hocheffizientes, prozessorientiertes Krankenhaus, in dem der Mensch mit all seinen unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansprüchen im Mittelpunkt steht“, wird die Bauphilosophie auf der Webseite des Wiener Architektenbüros Albert Wimmer- ZT-GmbH, Architects Collective, die 2015 den europäischen Architekturwettbewerb für das neue Spital gewannen, das rund 50.000 m2 Nutzfläche bieten und die Dienste des bisherigen CHEM in Esch-Alzette, Düdelingen und Niederkorn zusammenfassen wird.

Flexible Strukturen

Es besteht im Grunde aus drei dreieckigen Gebäuden. Im ersten, das am nächsten zum „Rond Point Raemerich“ liegt - an dem auch ein Parkhaus mit rund 900 Plätzen entstehend soll - sind die Rezeption, das Akutkrankenhaus und die Chirurgie untergebracht. Onkologie (inklusive „Centre François Baclesse) und Innere Medizin werden das Gebäude in der Mitte beziehen, das auch die Verwaltung beherbergen soll. Der dritte Bau wird für die Geriatrie, die Rehabilitierung und die Psychiatrie genutzt. 81 Prozent der Betten werden in Einzelzimmern stehen. In den medizinisch-chirurgischen Stationen gibt es exklusiv Einzelbettzimmer. In Psychiatrie, Geriatrie und Rehabilitation gibt es Ein- und Zweitbettzimmer.

Die Konstruktionen sind so gestaltet, dass sie flexibel gehandhabt werden können, das heisst, dass bei Bedarf Betten einer Station problemlos von einer anderen belegt werden können. „Life-Cycle Hospital“ ist ein Ausdruck der gestern bei der Präsentation in diesem Sinne gebraucht wurde. Auch die Bezeichnung „Green Hospital“ fiel. Beim „Südspidol“ wurde nämlich auf einen geringen Energiebedarf geachtet, ebenso auf geringe CO2-Emissionen, nachhaltige Materialien und eine gute Anbindung an den öffentlichen Transport. Neben den Hauptgebäuden ist noch ein „Ärztehaus“ vorgesehen, das in der Form ähnlich gestaltet ist, aber höher.