LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das „Chocolate House“ eröffnet im Herbst in Kuwait - Nach Shanghai und Riad dehnt Gründerin Nathalie Bonn mit ihrem Geschäftspartner Mohammad Salman ihr Franchise-Netz aus

Es riecht nach Schokolade, in der Vitrine locken mächtige Kuchen und Torten im venezianischen und alt-englischen Stil mit phantasievollen Verzierungen, und in den Augen der Kunden spiegelt sich eine fast kindliche Freude bei der Betrachtung von Pralinen und Schoko-Löffeln. Im „Chocolate House“ in Luxemburg-Stadt ist Schokolade die Nahrung fürs Volk und Gründerin Nathalie Bonn Königin. Nun dehnt sie ihr duftendes Reich aus.

Zur Zeit ist Bonn in Kuwait, um dort die Eröffnung eines neuen „Chocolate House“ vorzubereiten, das im Oktober eröffnen soll. Die süße Expansion ist geplant, seit die Gründerin auf Franchise setzt. Dafür hat sie einen Partner: Mohammad Salman. Gemeinsam haben sie bereits Ableger in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, im vergangenen Sommer und in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai in diesem Herbst eröffnet. Nun also Kuwait.

Salman erinnert sich noch genau, wie er die Schokoladenfrau aus Luxemburg seinen Geschäftspartnern in Kuwait präsentieren wollte. „Sie kam in ihrer befleckten Passier-Jacke zum Termin. Das geht dort gar nicht, überaus korrekte Kleidung ist das mindeste“, erinnert sich der im Libanon aufgewachsene Mann, der seit 15 Jahren in Kuwait lebt.

Aus dem ersten Deal wurde nichts. Aber Salman, der mehr als 20 Jahre Erfahrung im Franchise-Geschäft hat, kam nach Luxemburg, sah den Laden gegenüber dem großherzoglichen Palais und begriff sofort das Potenzial. „Hier steckt so viel Liebe zum Detail drin. Und schließlich ist es schwierig, einer luxemburgischen Frau nein zu sagen“; kokettiert er mit schmunzelndem Blick auf seine Marken-Botschafterin. Seither sind Bonn und Salman Partner beim Thema Franchising. „Das Ziel ist nicht, viel Geld zu scheffeln, sondern einen Laden aufzumachen und zu sehen, dass er läuft“, erklärt die resolute Firmengründerin. „Dann sehen wir weiter.“

Bescheidener Beginn

Sie erinnert sich noch gut an die Anfänge 2008, als sie Passanten auf der Straße Pralinen anbot, um sie für ihr „Chocolate House“ zu begeistern, immer voller Sorge, ob das Projekt auch tragen würde. Damals hatte sie zwar die Hotelschule in Diekirch besucht, aber auch eine lange Auszeit von 16 Jahren für die Erziehung ihrer beiden Kinder genommen, die mittlerweile längst erwachsen sind. Nun ist die 47-Jährige stolze Großmutter und geschäftlich sehr aktiv. „Mein Lehrer an der Hotelschule hat mir früher immer geraten, nichts zu machen, was ich nicht auch selbst essen möchte“, erklärt sie. Und daran hat sie sich gehalten.

So wurde das „Chocolate House“ in der Stadt ein Erfolg. 2016 folgte eines in Mersch, im Oktober 2017 dann eins in Echternach. „Aber der Markt hier ist klein und es gibt sehr gute Patissiers in Luxemburg. Deshalb wollte ich in andere Länder“, erläutert die Geschäftsführerin. Die Idee mit der Franchise kam auf. Als Bonn Salman in Kuwait traf, nahm sie Formen an. Bonn, mittlerweile auch schon „Unternehmerin des Jahres“, hatte Erfahrung und Ideen.

Luxemburg spielt für Kuwait eine wichtige Rolle. „Ich will dort die gleiche Qualität bieten. Deshalb nehmen wir nur Zutaten von hier. Milch, Butter und andere Basisprodukte kommen aus Luxemburg“, erklärt Bonn. In gekühlten, ständig überprüfbaren Kisten bringt Cargolux ihr die Ware nach Kuwait, wo es im Sommer schon mal fünfzig Grad heiß wird. Aber das ist nicht der einzige Unterschied.

Kiloweise Schokolade

„In arabischen Ländern werden Pralinen zu jeder Gelegenheit verschenkt. Doch mit einer Schachtel oder einem Tütchen macht man sich da lächerlich. Es müssen schon Platten so groß wie Tabletts sein, auf die drei bis vier Kilo passen“, erklärt Salman. Bonn nickt zustimmend: „Es ist eine richtige Kunst, die Pralinen darauf so anzurichten, dass sie nicht herunterfallen, fast wie bei einem Blumenbouquet. Ich musste erst einen Mitarbeiter dafür anlernen.“

Auch die Kaufgewohnheiten sind anders. Gekauft wird in luxuriösen Shopping Malls, die gekühlt sind. „Meist bestellen die Kunden telefonisch und schicken dann jemanden vorbei, der die Ware abholt“, berichtet Salman. „Der arabische Markt ist schwierig. Man muss sich dem Geschmack anpassen.“

Deshalb hat Bonn Pralinen mit Aromen wie Zimt, Kardamom, Kaffee und Rosenwasser kreiert. Alkohol dagegen ist tabu, dehalb kann sie dort ihre in Milch auflösbaren Schokolöffel nur in alkoholfreien Varianten anbieten. Auch bei der Inneneinrichtung macht Bonn keine genauen Vorgaben. Wie auch? „Der Großteil des Landes in Kuwait ist Wüste. Da wäre eine Einrichtung mit viel Holz wie hier gar nicht typisch“, resümiert Salman. Auch in Shanghai ist der Laden eher modern. Hauptsache der Chefin gefällt es, die Qualität stimmt und die Kunden fühlen sich zu Hause. Manchmal ruft sie Salman mitten in der Nacht an und sagt: „Ich habe nachgedacht“! Der Franchise-Experte lacht. „Dann habe ich meistens Angst.“ Zwischen den Scherzen und einer Tasse Schokolade ist klar: Die beiden verstehen sich.

Zurzeit verhandeln sie in Dubai, vielleicht der Beginn eines neuen „Chocolate House“. Das wäre nicht zuletzt wegen der Weltausstellung 2020 interessant. „Wir gehen einen Schritt nach dem anderen“, bremst Bonn. Ihr ist wichtig, dass der menschliche Aspekt stimmt. „Seit wir das machen, schreiben uns viele Leute, die eine Franchise wollen. Aber ich muss mich gut damit fühlen, die Person muss zu uns passen.“ Das war beispielsweise mit einer Französin aus Reims der Fall. Sie hat seit 2017 eine „Chocolate House“-Franchise - nach vielen Besuchen.

„Ich will keine Fabrik“, insistiert Bonn, „vielmehr ein Haus für alle.“ Deshalb gibt es auch Schokolade für Veganer, Vegetarier oder Menschen mit Glutenallergie. Wo enden die süßen Pläne? Salman lächelt: „Der Himmel ist die Grenze.“ Doch zunächst wollen die beiden das Geschäft in den arabischen Ländern ausbauen.

Dazu müssen sie hier Personal schulen. Und das ist gar nicht einfach. „Ein Touristenvisum reicht nicht“, hat Salman festgestellt. „Die Schulungen hier dauern länger.“ Doch allein auf eine Aufenthaltsgenehmigung wartet man vier Monate. Das bremst das Geschäft. „Luxemburg ist solche Projekte nicht gewöhnt, es gibt keinen Rechtsrahmen dafür“, seufzt Bonn. „Die Verwaltung hier will Papiere von mir, die ich im Leben nicht liefern kann. Es wäre gut, wenn wir etwas finden, um das zu lösen.“

Immerhin gibt sie dem Land auch etwas zurück. Seit Kunden in den arabischen Ländern „Chocolate House Luxembourg“ lesen, wollen sie wissen, wo das ist. „Hier gibt es jetzt mehr Touristen aus diesen Ländern, immerhin ist Riad eine der größten Städte des arabischen Raums mit über vier Millionen Einwohnern“, glaubt Salman. Und Kuwait sei ein bisschen wie Luxemburg, klein und fein. Das trifft auch auf Singapur zu. Noch so ein Land, wo bald der Duft von Schokolade durch eine Franchise ziehen könnte.