LUXEMBURG/BAD KREUZNACH
LJ/DPA

In vielen Weinregionen wird man den Eiswein 2018 vergeblich suchen

Nur wenige Winzer in Rheinland-Pfalz hatten in den vergangenen Wochen das Glück, einen Eiswein lesen zu können. Vereinzelt sei dies gelungen, sagte am Donnerstag eine Sprecherin der Landwirtschaftskammer in Bad Kreuznach. „Zwar haben viel mehr Winzer Flächen für Eiswein angemeldet als ein Jahr zuvor, aber bei den Temperaturen hat es nicht gestimmt.“ Eine endgültige Bilanz könne erst Mitte des Monats gezogen werden. Bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz gingen Eiswein-Anmeldungen von 628 Betrieben für eine Fläche von 532 Hektar ein. Im Vorjahr waren es nur 24 Betriebe mit zusammen 19 Hektar. Grund für die Steigerung waren die hohen Erträge in den Weinbergen und der gute Zustand der Trauben.

Es wird lieber Strohwein

Der klassische Eiswein kann erst bei Temperaturen von mindestens -7° Celsius gelesen werden. Die natürlich gefrorenen Trauben werden dann sofort gekeltert, was einen stark konzentrierten, süßen Most ergibt, der aber noch einen relativ hohen Säuregrad hat.

Wie unsere Zeitung bereits berichtet hat, haben die Mitglieder der Winzergenossenschaft „Domaines Vinsmoselle“ in diesem Jahr darauf verzichtet, Trauben für eine mögliche Eisweinlese am Stock hängen zu lassen. Denn die Zukunft, wie sich die Winzergenossenschaft ausdrückte, gehört, wenn es um edelsüße Weine geht, wohl eher dem Strohwein. Mit Blick auf die klimatische Entwicklung, die auch in diesem Jahr im Dezember (fast) keine Temperaturen von erforderlichen -7° Celsius für die Lese bot, wird sich hier anders aufgestellt.

Luftgetrocknet

Strohwein ist die Bezeichnung für einen speziellen Süßwein, der aus rosinierten Trauben gewonnen wird. Solche Weine wurden nach gesicherten Erkenntnissen bereits in der Antike produziert. Es gibt unterschiedliche Herstellungsarten - je nach Ländern.

Die spät gelesenen Weintrauben werden meist wochen-, wenn nicht sogar monatelang auf Strohmatten oder auf Holzgestellen luftgetrocknet. Durch den Wasserentzug werden so extrem hohe Zucker- und Gesamtextraktwerte erreicht, wie es von den Experten heißt. So wurden bei der Winzergenossenschaft bereits im September 1.904 Kilo Gewürztraminer mit einem Oechslewert von 95° und weitere 1.940 Kilo Auxerrois mit 90° Oechsle gelesen.

Nach der mehrwöchigen Lagerung präsentierte sich der Most der Gewürztraminer-Trauben mit einen Zuckergehalt von 188° Oechsle - ein wahrhaft süßer Tropfen, liegt doch das Mindestmostgewicht für Eiswein zwischen 110° und 120° Oechsle.

Keine Neuheit auf dem Luxemburger Markt

Luxemburger Winzer produzieren aber bereits seit vielen Jahren neben dem Eiswein und der klassischen Spätlese diesen speziellen Tropfen.

Sind Spätleseweine meist aus den Rebsorten Auxerrois, Riesling oder Gewürztraminer gewonnen und kommen auf mindestens 105° Oechsle, weist ein typischer luxemburgischer „Stréiwäin“ meist einen Alkoholspiegel von um die 18 Prozent bei mindestens 130° Oechsle auf.