LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Vorwurf: Ex-Freundin überfallen und vergewaltigt

Um Vergewaltigung wirkungsvoll zu bekämpfen, ist ein guter gesetzlicher Schutz wichtig. Die meisten sexuellen Handlungen spielen sich zwischen zwei Menschen ohne weitere Zeugen ab. Folglich steht bei einem sexuellen Übergriff oft Aussage gegen Aussage. Dann ist die Rechtsprechung schwierig.

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg hat gestern der Prozess gegen einen 52-jährigen Mann begonnen. Er soll seine frühere Freundin vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 2016 seine 58-jährige Ex-Freundin in ihrer Wohnung in Kehlen festgehalten, eingesperrt und mehrfach vergewaltigt zu haben. Der Angeklagte bestritt zu Prozessbeginn die Vorwürfe.

Aussage gegen Aussage

Das Gericht beschloss, die Ex-Freundin als Zeugin hinter verschlossenen Türen zu befragen. Die Zeugenaussage dauerte mehr als eine Stunde. Warum die Straftat vor dem Strafgericht und nicht vor der Kriminalkammer vorkam, ist nicht bekannt.

Laut Aussagen der Schwester des Opfers sei der mutmaßliche Vergewaltiger aggressiv gegenüber ihr gewesen. Der Mann hätte viel getrunken. Sie selbst sei Opfer seiner sexuellen Aggressionen geworden. So erzählte sie, dass er sie einmal am Oberarm gepackt und sie im Wohnzimmer an den Beinen gefasst, sich neben sie gesetzt und sie fixiert habe. Es galt, die Alarmsignale richtig zu deuten, sagte die Zeugin.

Bei jeder Begegnung sei ihre Schwester schlecht drauf gewesen - das Stimmungstief sei in Depressionen umgeschlagen. Sie hätte festgestellt, dass die zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer Schwester mit ihrem Gatten oft Grenzen überschritt. Das Problem soll eine Alkoholerkrankung gewesen sein. Das Opfer hätte aber nie über ihr Leid geklagt.

Ex-Frau beschreibt Alkoholabhängigkeit

Die Ex-Frau des mutmaßlichen Vergewaltigers gab zu Protokoll, dass ihr Mann immer schon getrunken habe. Alkohol sei keine Lösung, zumindest für die Liebe, sagte die Frau. Der Alkohol hätte in ihrer Ehe das sexuelle Leben blockiert. Ihr Ex-Mann hätte immer vor dem Sex zu alkoholischen Getränken gegriffen, das hätte sich „irritierend und gar nicht als fördernd erwiesen.“

Der Mann sei immer betrunken gewesen und habe dann seinen Rausch ausgeschlafen. Aggressiv sei er zwei Mal gewesen, dabei hätte er ein Mal eine Tür eingeschlagen. Sie habe es lange mit ihm ausgehalten, so die Ex-Frau, bis 2011 - dann seien sie im Einvernehmen geschieden worden.

Auch die Aussage der Haushälterin sollte erwähnt werden, die beim Opfer beschäftigt war. Sie habe bemerkt, dass die Frau immer traurig war. Die Haushälterin sei hin und hergerissen gewesen zwischen dem Wunsch, der Frau zu helfen und dem Bedürfnis, sie zu schützen.

Bruder will entlasten

Der Bruder des mutmaßlichen Vergewaltigers ließ unschwer erkennen, dass er in seinen Aussagen seinen Bruder entlasten will. „Er wollte weg von der Frau. Als er nach drei Jahren Beziehung ein Haus kaufen wollte, machte sie eine Anzeige wegen Vergewaltigung bei der Polizei. Ich glaube nicht, dass mein Bruder die Freundin vergewaltigt hat”, sagte der Zeuge.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.