NEW YORK
CHRISTINA HORSTEN UND PHILIP DETHLEFS, DPA

Der kanadisch-britische „König der Rockballade“ tourt weiter durch die Welt

Mit Songs wie „Please Forgive Me“ und „All For Love“ hat sich Bryan Adams in den Olymp der Rockballaden geschnulzt - sein eigenes Liebesleben aber hält der Musiker stets bedeckt. „Das geht niemanden außer mir etwas an“, sagte Adams jüngst dem britischen „Telegraph“. „Im Leben geht es immer darum, wie du die Dinge aufsetzt. Wenn du mit einem ganzen Rudel Bodyguards durch den Hyde Park joggst, dann wirst du natürlich Aufmerksamkeit auf dich ziehen.“ Er mache so etwas nicht, sondern lebe „sehr bescheiden“.

Das ist die eine Seite von Adams - die andere ist der Superstar: Als Rocksänger und Gitarrist seit rund 40 Jahren erfolgreich, mehr als ein Dutzend Alben, zahlreiche Auszeichnungen, Dutzende zu Klassikern gewordene Superhits wie „Summer of ’69“ oder „(Everything I Do) I Do It For You“ - und auch als Fotograf ist er bestens im Geschäft.

Vor wenigen Monaten erst hat Adams, der morgen 60 Jahre alt wird, sein neuestes Album „Shine A Light“ veröffentlicht, das es wieder in den Charts zahlreicher Länder weit nach vorne schaffte. Zudem hat er an dem Musical „Pretty Woman“ mitgearbeitet, das derzeit unter anderem in Hamburg zu sehen ist.

Die nächste Welttournee steht an

„Ich arbeite immer an Songs und das ist es, was mich antreibt - nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft und was ich als nächstes kreieren kann. So denke ich darüber“, sagte Adams dem „Billboard“-Magazin. „Ich denke nicht darüber nach, was ich schon geschaffen habe, sondern was ich als nächstes tun werde.“ Und so steht auch direkt nach seinem Geburtstag schon wieder der nächste Teil einer Welttournee an: Ab 8. November stehen Konzerte unter anderem in Österreich, Serbien, der Türkei, Griechenland und Spanien an, bis April 2020 stehen auch noch Skandinavien und die USA auf dem Programm.

„Wenn ich laut singen kann, geht es mir am besten“, sagt Adams. „Singen hat etwas Erlösendes. Ich sehe das, was ich mache, nicht als Arbeit an, dazu ist es zu befriedigend.“ Außerdem liebe er den direkten Kontakt zu seinen Fans bei Konzerten. „Wenn die Menschen dir deine Songs zusingen, das ist die größte Belohnung für dich als Songschreiber.“

Geboren wurde Adams 1959 in der Stadt Kingston in der kanadischen Provinz Ontario. Seine Mutter war Lehrerin, sein Vater im militärischen Diplomatendienst, weswegen die Familie häufig umzog. Mitte der 1970er Jahre trennten sich die Eltern, Adams und sein Bruder blieben bei der Mutter in Kanada. Schon als Teenager begann Adams dort mit der Musik, spielte Gitarre, sang, schrieb Songs und bekam 1979 seinen ersten Plattenvertrag. Nach einigen weniger erfolgreichen Alben folgte 1983 der Durchbruch mit „Cuts Like a Knife“ - und von da an schien der Weg immer nur noch nach oben zu gehen. Es folgte Erfolgsalbum auf Erfolgsalbum, Superhit auf Superhit. Adams wurde zum „König der Rockballaden“, besonders in den 1990er Jahren lief keine Party ohne „Please Forgive Me“ oder „All For Love“ - und „Summer of ’69“ ist bis heute ein Party-Klassiker.

Kein typischer Rocker

Aber so sehr Adams auch mit seiner Musik - und spätestens seit den 2000er Jahren auch mit seinen fotografischen Arbeiten - in der Öffentlichkeit steht, so wenig schien er immer mit anderen Rockern gemein zu haben. Keine Skandal-Schlagzeilen und definitiv auch keine Drogen, wie er einmal dem „Telegraph“ sagte. „Ich bin der beste Freund, den man haben kann. Ich bin immer noch erstaunt, wie es sein kann, dass ich weiß, dass um mich herum überall Drogen sind, aber mir nie jemand welche angeboten hat. Es fühlt sich an, als wäre da noch etwas anderes, von dem ich kein Teil bin.“

Einige wenige Details aus Adams’ Privatleben haben es dann doch an die Öffentlichkeit geschafft: Er lebt seit 30 Jahren vegan. Seine Lebensgefährtin betreibt mit ihm eine gemeinnützige Stiftung, das Paar hat zwei Töchter und ein Haus in London, wo der Musiker jedoch zuletzt selten anzutreffen war. „Die letzten zwei Jahre habe ich in New York gelebt und dort mein Album aufgenommen“, erzählte Adams der Deutschen Presse-Agentur. Er hat die kanadische und die britische Staatsangehörigkeit, betrachtet Großbritannien aber eher nicht als sein Zuhause. „Ich glaube, hier ist es gerade nicht. Mal sehen.“ Auf Tournee sind seine Kinder so oft wie möglich dabei.

Eine Dokumentation oder Autobiografie über seine Arbeit und sein Leben sei definitiv nicht in Planung, betont Adams immer wieder. Aber wenn es denn einmal ein Musical über ihn geben sollte, fragte ihn jüngst die Deutsche Presse-Agentur, wie werde das heißen? „Es könnte heißen wie ein Song von mir ‚18 Til I Die - das Musical‘. Aber vielleicht veröffentlichen Sie es erst, wenn ich nicht mehr am Leben bin.“

Seine Geburtstagsparty hat Bryan Adams schon geplant. „Ich feiere immer ein bisschen, und meistens mache ich eine mexikanische Party“, verriet er. „Wir haben mexikanisches Essen, eine Mariachi-Band, wir tragen Sombreros. Und wer Margaritas will, der bekommt Margaritas. Das macht richtig Spaß. Ich finde, die Mexikaner haben besser als alle anderen raus, wie man richtig feiert.“