PASCAL STEINWACHS

Dass Premier Bettel in seiner Eigenschaft als Kultusminister gerade erst in der vergangenen Woche die Gesetzentwürfe zur angeblichen Trennung von Kirchen und Staat im Parlament deponiert hat, in denen das Verhältnis zwischen der Regierung und den sechs konventionierten Glaubensgemeinschaften neu geregelt wird, scheint im Vatikan keinen großartig aufzuregen, wurden, beziehungsweise werden in diesen Tagen doch gleich drei Luxemburger vom Papst in Audienz empfangen.

Den Anfang machte am Mittwoch Umweltministerin Carole Dieschbourg, die dem Pontifex als aktuelle Ratsvorsitzende der EU-Umweltminister die Nachhaltigkeits- und Klimapolitik erläutern durfte, gefolgt von Staatsminister Xavier Bettel, der dem Papst gestern sogar ein Gastgeschenk aus Luxemburg mitbrachte, nämlich das Buch des früheren Generalvikars Erny Gillen, „Wie ein Papst Kurien-Krankheiten heilen kann“, ehe seine Heiligkeit am heutigen Freitag - alle guten Dinge sind drei - dann auch noch Anne Brasseur, die Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, eine Audienz gewähren wird.

Fehlt eigentlich nur noch ein Vertreter der LSAP, aber so tollkühn wird der Heilige Vater dann wohl doch nicht sein. Dabei hätten die Sozialisten den päpstlichen Beistand unter den drei Koalitionsparteien momentan wahrscheinlich am dringendsten nötig. Nachdem sich vor einigen Wochen wieder mal eine Reihe von unzufriedenen Genossen mit einem geharnischten Schreiben an die Parteileitung gerichtet hatten, um die angeblich immer wirtschaftsliberaler werdende Ausrichtung der aktuellen Parteilinie anzuprangern, sollen sich beide Seiten bei einem dieswöchigen Treffen scheinbar angenähert haben, wie Parteichef Haagen und Generalsekretär Cruchten nach außen hin verlauten lassen.

Die parteiinternen Querelen um die programmatische Ausrichtung der Partei dürfte bei der morgigen „Summerakademie“ der LSAP dann aber trotzdem im Mittelpunkt stehen, die - hoffentlich kein schlechtes Omen - auch in diesem Jahr wieder mitten im scheußlichen Herbst stattfindet. Was LSAP-Fraktionschef Alex Bodry von der ganzen Chose hält, schrieb er seinen Parteikollegen dieser Tage noch einmal ins Stammbuch. Auch in der LSAP, so zeigt sich Bodry überzeugt, bestehe „eine nicht zu leugnende Sehnsucht nach der Opposition, dem Betonen von Grundwerten und Prinzipien“, aber auf Dauer könne man nur aus der Mehrheit heraus die Politik entscheidend mitgestalten, auch wenn dies den Abschluss von Kompromissen bedeute.

Der Realismus könne das Ideal nicht ersetzen; nur zu selten werde hinter den politischen Entscheidungen die grundlegende Absicht klar, gibt der langjährige Parteipräsident zu bedenken, der seine Parteikollegen davor warnt, sich in gute und schlechte Sozialisten aufspalten zu lassen. In der Partei gebe es nämlich Platz für viele Meinungen und Raum für offene Diskussion.

Die wird es auf dem morgigen Brainstorming mit Sicherheit geben, auch wenn die Ergebnisse dieser herbstlichen Sommerakademie erst im Winter vorliegen dürften - so geschehen im vergangenen Jahr...