MONT ST. MICHEL
HELMUT WYRWICH

Start-up Tochter von Paul Wurth geht in die industrielle Produktion

Flugzeuge werden mit umweltfreundlichem Kraftstoff vermutlich früher fliegen, als bisher geplant. Das Dresdener Start-up Sunfire, eine Tochtergesellschaft des luxemburgischen Anlagenbauers Paul Wurth, beginnt mit der industriellen Massenproduktion von synthetischen Kraftstoffen. Allerdings nicht in Luxemburg und nicht in Deutschland, sondern in Norwegen.

Der Bau der Anlage hat begonnen. Die Produktion soll im industriellen Maßstab soll 2023 starten und zwar mit zehn Millionen Litern. „Ab 2025 sind 120 Millionen Liter im Jahr geplant“, sagte Vorstandsvorsitzender Carl Berninghausen im Gespräch mit der deutschen Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“. „Wir müssen zeigen, dass es geht und auch wirtschaftlich ist“, sagte Berninghausen.

Wasserstoff als synthetischer Kraftstoff

Angewendet wird die so genannte „Power-to-X-Technologie. Über ein strombasiertes Elektrolyse-Verfahren werden Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser zu Wasserstoff verwandelt. Wasserstoff kann zu synthetischem Kraftstoff verwandelt werden. Dazu kann Erdgas verwendet werden, aber auch Ökostrom, der dann zu „grünem“ Wasserstoff wird. Sunfire ist nach Norwegen gegangen, weil nach Aussagen von Berninghausen in Deutschland nicht genügend erneuerbare Energien vorhanden seien, um den Kraftstoff frei von CO2 zu gestalten. Das sei in Norwegen aber der Fall.

Das Problem des umweltfreundlichen Kraftstoffes liegt im Preis. In der Anfangsphase werden die Sunfire-Partner in Norwegen 3,50 Euro pro Liter bezahlen. Ab einer Jahresmenge von 100 Millionen Litern wird der Preis auf etwa 1,50 Euro pro Liter sinken, langfristig auf 1,20 Euro. Dann würde der Preis sich auf einer ähnlichen Höhe wie Ethanol oder Biodiesel befinden.

Nachgefragt wird grüner Wasserstoff vor allem in der Stahl- und Chemie-Industrie. ThyssenKrupp hat mitgeteilt, dass das Unternehmen seine Forschung intensiviert. Der Essener Steag Konzern arbeitet in seinem Kraftwerk im Saarland. ArcelorMittal baut in Hamburg ein Versuchsstahlwerk. In Schiffen oder Lastwagen kann er über eine Brennstoffzelle eingesetzt werden, darüber hinaus als synthetischer Kraftstoff in Flugzeugen. Das Unternehmen geht davon aus, dass man bei Einsatz in der Luftfahrt 250.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen kann. Sunfire sei schon mit Kunden im Gespräch, erklärt Berninghausen. Vorwiegend mit solchen aus der Flug-Kraftstoffbranche.