LUXEMBURG
VYTENIS ANDRIUKAITIS UND KATSUNOBU KATO

Diese Woche war Weltantibiotikawoche. Eine Gelegenheit, auch vor dem übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin zu warnen, denn diese beschleunigt die Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen. Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und Katsunobu Kat, japanischer Gesundheitsminister beziehen Stellung zum Thema.

„‚Was ist schlimm an einer Erkältung?‘, denken Sie vielleicht — ‚kleine Bakterien bringen uns schließlich nicht um‘. Dabei übersehen Sie unter Umständen, dass sich einige dieser Bakterien bereits zu Superbakterien gemausert haben: Immer mehr unserer Antibiotika verlieren ihre Wirkung, weil es immer mehr antibiotikaresistente Bakterien, sogenannte Superbakterien, gibt.

Weltweit stehen jährlich 700.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Infektionen aufgrund von Antibiotikaresistenzen. Das sind ebenso viele wie aufgrund anderer Infektionskrankheiten, die uns weltweit bedrohen. Häufig trifft es dabei die Schwächsten am härtesten: Neugeborene, kleine Kinder und ältere Menschen. Gesellschaften wie die EU und Japan, die sich mit Stolz für das Wohl der Schwächeren einsetzen, können das Problem der Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe nicht einfach so hinnehmen. Es ist höchste Zeit zum Handeln.

Den Verpflichtungen, die wir beim Treffen der G20-Gesundheitsminister in Okayama eingegangen sind, müssen wir unbedingt nachkommen. Die Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe ist ein vielschichtiges Problem. Deshalb werden die Gesundheitsminister allein das Problem niemals lösen können. Vielmehr ist ein ganzheitliches Konzept (‚Eine Gesundheit‘), das heißt ein Zusammenspiel der Bereiche Gesundheit von Mensch und Tier sowie Umwelt, erforderlich.

In Japan wurde 2016 ein nationaler Aktionsplan auf den Weg gebracht, dessen sektorübergreifender Ansatz sehr positive Auswirkungen zeigt. Gegenüber 2013 hat Japan den Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe 2018 um rund 11 Prozent senken können. Voraussetzung hierfür waren unter anderem die Veröffentlichung von Leitlinien für eine umsichtige Verwendung sowie Anreize für Kinderärzte, auf die Verschreibung unnötiger Antibiotika zu verzichten. Darüber hinaus wurde in mehreren asiatischen Ländern ein Überwachungssystem eingeführt, das der Früherkennung von im Krankenhaus erworbenen Infektionen aufgrund von Antibiotikaresistenzen dient.

Auf EU-Ebene bietet unser vielversprechender ‚Eine Gesundheit‘-Aktionsplan zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen einen Rahmen für Maßnahmen, um die Entstehung und Ausbreitung solcher Resistenzen einzudämmen. Darüber hinaus sorgen neue EU-Rechtsvorschriften über Tierarzneimittel und Arzneifuttermittel diesbezüglich für strengere Maßnahmen.

Wenn wir die Resistenz gegen antimikrobielle Wirkstoffe bekämpfen wollen, dürfen wir Antibiotika nur dann verwenden, wenn es unbedingt notwendig ist. Impfungen, eine bessere Diagnostik oder alternative Therapien können hier hilfreich sein. Durch Impfungen mindern wir das Risiko, Infektionen zu bekommen, die uns zu Antibiotika greifen lassen. Wenn wir in diesem Bereich nicht handeln, kann das weltweit verheerende Folgen haben: 10 Millionen Tote jährlich und 100 Billionen Euro Verlust für die Weltwirtschaft bis 2050. Daher werden globale Partnerschaften wie die zwischen Japan und der EU immer wichtiger, um unsere Zukunft zu sichern.“