LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Der belgische Musiker und DJ Luc Van Acker lebt seit zwei Jahren in Luxemburg

Der inzwischen 52-jährige Experimentalmusiker, Produzent und Label-Manager Luc Van Acker hatte seine aktivste Zeit in den 80er und 90er Jahren. Er wuchs in dem kleinen belgischen Ort Tienen auf, interessierte sich aber schon in sehr jungen Jahren für Musik: „Meine erste LP muss ‚Electric Ladyland‘ der Jimi Hendrix Experience gewesen sein, die erste Single war ‚Popcorn‘ von Gershon Kingsley.“ Sein erstes eigenes Album nahm Luc Van Acker mit 19 Jahren in seinem Schlafzimmer auf. Um den Vertrieb von „Taking Snapshots“ kümmerte er sich selber und besuchte in ganz Europa größere und kleinere Plattenläden, um die Scheibe an den Mann zu bringen: „Die Besitzer halfen mir dabei weiter, da sie die Betreiber von Plattenläden in anderen Städten kannten. Sie gaben mir Tipps, wo ich in der nächsten Stadt mit meinen Platten hin konnte. Es kam dann auch mal vor, dass ich spontan eingeladen wurde, bei den Inhabern zu schlafen, weil ich kein Hotel reserviert hatte.“

Zeit der Begegnungen

In Deutschland lernte Luc Van Acker den Bassisten Holger Czukay von der Krautrocklegende Can sowie das Elektropunk und Neue Deutsche Welle-Duo Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) kennen. In Brüssel wagte er sich bei einem Konzert von Shriekback ganz unverfroren in den Backstage-Bereich und meinte ganz selbstbewusst: „Ich will bei euch spielen.“ Dies klappte auf Anhieb, der Belgier nahm in London ein Album mit Shriekback auf. Zurück in Belgien lernte er dann Front 242 kennen, auf einer Tour durch die USA entwickelte sich anschließend eine Zusammenarbeit mit Richard 23 von Front 242 und Al Jourgensen von Ministry: „Unter dem Namen Revolting Cocks haben wir erst eine Dance-Maxi und anschließend in Chicago ein Album aufgenommen. Ich bin ungefähr fünf Jahre lang mit Revolting Cocks und Ministry getourt. Dies waren bis heute die besten Jahre meines Lebens.“

Während dieser Zeit lernte er auch die kanadischen Industrial-Pioniere Skinny Puppy sowie Paul Raven von Killing Joke kennen. Bei Ministry stieg Luc Van Acker am Ende der 80er Jahre aus, da einige Bandmitglieder anfingen, Heroin zu nehmen: „Es wurde mir zu heftig und ich musste eine Wahl treffen zwischen meiner Familie oder Ministry. Außerdem hatte ich viele andere Projekte und wollte wieder meine eigene Musik machen.“ 1994 unterschrieb er einen Vertrag mit Capitol Records für Aufnahmen. Nach vier Jahren Arbeit am Album „Motorcycle Maniacs“ gab es einen Wechsel an der Spitze des Labels und die Platte wurde letzten Endes nie veröffentlicht.

Seit zwei Jahren lebt Luc Van Acker mit seiner Frau in Luxemburg, das Haus in Belgien haben sie verkauft: „Meine Frau unterrichtet an der Europaschule und hat dort einen Vertrag bis 2021. Ich bin selber seit sieben Jahren Professor an der Universität in Hasselt (B). Momentan arbeite ich an meinem neuen Album ‚Extreme Gentleman‘, welches ich in zwei Jahren herausbringen will. Außerdem will ich eine Art Biografie mit lustigen Anekdoten aus meinem Leben schreiben.“

Vorerst wird Luc Van Acker heute Abend von 18.00 bis 24.00 im Rocas in der Oberstadt auflegen: „Ich bin derzeit wenig aktiv, habe aber jährlich ein paar Auftritte mit meiner Band ArbeidAdelt in Belgien und bin auch ab und zu als DJ unterwegs.“