ESCH/ALZETTE
MARA KROTH

In seinem Buch „Disciplined Entrepreneurship“ beschreibt Bill Aulet Schritt für Schritt, wie man sein eigenes Unternehmen aufbaut

Bill Aulet ist Bestseller Autor von „Disciplined Entrepreneurship (zu deutsch „Startup mit System- in 24 Schritten zum erfolgreichen Entrepreneur“). Der in Amerika geborene Ingenieur war 25 Jahre bei IBM tätig und hat mehrere erfolgreiche Start-ups gegründet, für diese konnte er insgesamt über 100 Millionen Dollar sammeln. Seit 2009 lehrt er am renommierten „Martin Trust Center for Entrepreneurship“ in Boston. Ursprünglich für seine Studenten schrieb er „Disciplined Entrepreneurship“. Das Buch erklärt dem Leser in 24 Schritten, wie man ein erfolgreiches Start-up hochzieht. Indes wurde es in über 20 Sprachen übersetzt und ist in mehreren Ländern ein Bestseller. Aulet, der am Wochenende in Luxemburg einen Workshop leitet, erzählt uns das Wichtigste.

Bill, wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Bill Aulet Ich bin eine normale Person, die in den 1950er Jahren in den Vereinigten Staaten geboren wurde. Ich führte ein normales Leben, bis ich in den 1970er in Unternehmertum verwickelt wurde. Das war während den Zeiten von Bill Gates und Steve Jobs und so wurde ich selbst Unternehmer. Ich lernte, wie man ein erfolgreicher Unternehmer wird und ich fand heraus, wie man es der nächsten Generation beibringen kann, so dass sie ebenfalls erfolgreich werden.

Was bedeutet der Buchtitel „Diszipliniertes Unternehmertum“ ?

Aulet Die meisten sehen Unternehmer als Menschen, die einen strukturlosen Weg einschlagen, Risiken eingehen und deswegen undiszipliniert sind. Mein Buch soll das Gegenteil beweisen, denn Unternehmer sind auf eine besondere Weise diszipliniert. Als ich ans „Martin Trust Center“ für „MIT Entrepreneurship“ berufen wurde, um zu unterrichten, war ich sehr frustriert darüber, dass Erfolg auf diesem Gebiet als eine Art „schwarze Magie“ betrachtet wurde. Ich wusste, dass das nicht stimmt, denn ich selbst war ein erfolgreicher Unternehmer. Als Ingenieur wollte ich die Thematik herunterbrechen und meinen Studenten zeigen, dass es eine systematische Herangehensweise gibt. Das ist kein Hokuspokus sondern recht logisch, wenn man beginnt es zu verstehen. Oftmals ist es nicht intuitiv sondern eher kontra- intuitiv, deswegen ist ein Handbuch sehr hilfreich und auch notwendig.

Für wen ist das Buch geschrieben?

Aulet Im Buch spreche ich unter anderem davon, dass ein Produkt immer für einen bestimmten Nutzer, eine „Persona“, designt wird. Das Buch habe ich für den Bill von vor über 20 Jahren geschrieben. Im Buch steht, was ich gerne damals gewusst hätte, bevor ich meine Reise im Entrepreneurship startete. Hätte mir damals jemand diese Dinge gesagt, hätte ich viel Zeit gespart und auch die ein oder anderen Dummheiten vermeiden können. Es ist also für diejenigen, die erfolgreiche Entrepreneure sein wollen, aber auch für diejenigen, die es schon sind und sich an den ein oder anderen Stellen verbessern wollen.

Was macht dein Buch so besonders und anders im Vergleich zu anderen Büchern über Unternehmertum?

Aulet Ich bezeichne es ungerne als besonders, ich habe tatsächlich nicht versucht, etwas Exklusives zu erschaffen. Im Buch versuche ich einfach nur sehr systematisch vorzugehen. Ich erfinde nichts Neues, sondern verwende bereits existierende Herangehensweisen, Technologien oder Konzepte, die sich als hilfreich herausgestellt haben. In „Disziplinierter Entrepreneurship“ stelle ich einen Kasten mit nützlichen Werkzeugen zusammen, die funktionieren, und eine Anleitung, wie man was und zu welchem Zeitpunkt am besten verwenden sollte. Das Buch war eigentlich für meine Studenten vorgesehen und ich hatte nicht erwartet, dass es ein so großer Erfolg wird, um ehrlich zu sein. Es sollte eine praktische und präzise Anleitung zu gleich sein. Ich hatte nie vorgesehen, ein eigenes Buch zu schreiben. Auf meiner Suche nach einem geeigneten Buch für den Unterricht konnte ich jedoch kein passendes finden, also schrieb ich selbst eines.

Luxembourg hat eine wachsende Start-up Szene und versucht stetig, für Start-ups attraktiver zu werden. Welches Potenzial siehst Du für Luxemburg als „Start-up Nation“?

Aulet Ich freue mich wirklich sehr darauf, nach Luxemburg zu kommen. Bei näherer Betrachtung fasziniert es mich schon zu sehen, dass das Land eine Art „free zone“ ist. Viele Menschen kommen und gehen hier, das ist perfekt für das Unternehmertum. Dadurch entsteht eine geniales Klima, denn die Menschen haben die unterschiedlichsten Mindsets und es gibt keine starren Hierarchien, da alle aus anderen umliegenden Ländern kommen. Das ist etwas sehr Positives.

Luxemburg war vorher ein Finanzstandort, das muss nicht zwingend gut sein, bedeutet aber auch nichts Schlechtes. So sind bereits Strukturen geschaffen worden, um Start-ups potenziell finanziell zu unterstützen. Ich sehe außerdem einen Übergang vom Finanz- zum Innovationszentrum. Das hat auch mit der Universität zu tun, denn diese ist noch relativ jung und daher nicht an irgendwelche Traditionen gebunden, was etwas sehr Gutes ist. Die Herausforderung ist lediglich die Größe des Landes, denn die ist überschaubar. Luxemburg kann daher als Standort gesehen werden, von welchem aus man verschiedene Märkte testen kann, was sehr nützlich sein kann. Ähnlich verhält es sich mit Israel, wo man definitiv außerhalb des Landes aktiv sein muss, um erfolgreich zu sein. Auch sie haben eine sehr innovative und effiziente Start-up-Szene, obwohl das Land sehr klein ist.

Start-up-Standorten sollten aufhören zu versuchen, das „neue Silicon Valley“ zu sein. Sie sollten sich auf ihre eigene, individuelle Startup Umgebung konzentrieren, denn diese macht sie so besonders. Das ist auch der Fall in Luxemburg, hier befindet sich die Szene definitiv im Aufstieg.

Am 16. und 17. März findet die „1st Entrepreneurial Masterclass“ von Bill Aulet in Luxemburg statt. Während des zweitägigen Workshops lehrt er die 24 Schritte zum Start-up-Erfolg seines Buches und geht auf individuelle Fälle der Teilnehmer ein. Tickets unter tinyurl.com/aulet-workshop