ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN SPIELMANN

Das neue Programm des Escher Theaters und Konservatoriums

Charles Muller ist noch für ein paar Tage der Direktor des Escher Theaters. Dann wird er nach 14 Jahren in den verdienten Ruhestand gehen und Carole Lorang die Leitung übernehmen. Muller wird aber mit Rat und Tat zur Seite stehen, sollte es einmal Probleme geben. Das versprach er bei der Vorstellung des Programms der Saison 2018-19 am Mittwochmorgen. Dieses hat Muller mehr oder weniger noch selbst aufgestellt, betonte aber, dass ihm seine Nachfolgerin behilflich war. Der neue Escher Bürgermeister Georges Mischo sah das Programm als eine Transition an, zwischen dem alten Direktor und der neuen Direktorin. Auch der Kulturschöffe der Stadt Esch ist neu: Pim Knaff. Er hoffte auf eine gute Zusammenarbeit, und das auch im Hinblick auf das Kulturjahr 2022.

Die Klarinette als Instrument der Saison

Der Direktor des Escher Konservatoriums Marc Treinen stellte das Programm seines Hauses für die kommende Saison vor, bei dem die Klarinette in einigen Veranstaltungen im Mittelpunkt stehen wird, wie bei den „Clarinet Days“. Wiederum kann man sich Konzerte mit den Schülern oder dem Lehrpersonal anhören. Höhepunkte sind für den Direktor das Amstel Quartet, Alexej Gorlatch am Piano oder die „Salaputia Brass“. Auch für Kinder und Jugendliche bietet das Konservatorium etwas, wie „Dem Laura säi Stär“ oder „De Pierchen an de Wollef“.

Regiewechsel

Charles Muller erklärte, dass bis jetzt 24.470 Zuschauer die 62 Spektakel der Saison 2017-18 gesehen haben. Er bedauerte, dass drei Vorstellungen ausfielen, und freute sich erneut, als er „Szenen einer Ehe“ ankündigte, einer dieser drei Ausfälle, die aber im rumänischen Sibiu aufgeführt wurden. Wichtig für ihn ist auch die Produktion des Escher Theaters „Tanz um die Zeit“, die er wiederum inszenieren wird und zu der Gast Waltzing die Musik komponierte. Und Waltzing wird auch das Neujahrskonzert 2019 dirigieren.

Schließlich überließ er Carole Lorang den Regiestuhl. Sie präsentierte unter anderem das Theaterstück „7 Minuten. Betriebsrat“ von Stefano Massini, das sie selbst inszenierte und das im Oktober 2017 im Kapuzinertheater uraufgeführt wurde. „Intranquilités - Suite pour âmes perdues“ ist eine Kreation des Escher Theaters nach Texten von Fernando Pessoa. Ihr liegen auch Stücke für die Jugend am Herzen, wie „Roulez jeunesse!“. Auch „Disko Dementia“ von Larisa Faber über das Altwerden mit seinen bösen Krankheiten strich sie hervor.

Wiederum werden einige französische Komödien zu sehen sein, wie „Les grandes chaleurs“, „Face à face“ mit Martin Lamotte und Véronique Genest, „Les frangines“ von Bruno Druart, „Libres ou presque“ oder „Quelle famille!“. Interessante deutsche Produktionen sind unter anderem „Heilig Abend“, „Tod eines Handlungsreisenden“ oder „Wunschkinder“. In Reprise läuft Mullers Inszenierung von „Anne Frank: Das Tagebuch“ und „Rumpelstilzchen“ von Ian de Toffoli.

Ganz am Ende hielt Charles Muller eine Abschiedsrede, in der er allen Danke sagte, und obwohl er keine Geheimnisse verraten wollte, merkte man ihm seinen Missmut über verschiedene Entscheidungen aus der Vergangenheit an, aber auch seine Freude, 14 Jahre lang die Fäden im Escher Theater ziehen zu dürfen.

KURZ NACHGEFRAGT

Carole Lorang übernimmt

Auf den Höhepunkt der kommenden Saison angesprochen, sagt Carole Lorang: „Sicher wird das unsere Kreation ‚Intranquilités‘ sein, weil sie sich an die Leute wendet, die nicht in Luxemburg zur Welt gekommen sind oder sich nicht mit ihrer Herkunft beschäftigt haben. Das finde ich interessant, genau wie alle Projekte, die sich mit gesellschaftspolitischen Themen beschäftigen, wie ‚7 Minuten‘ oder das ‚Queer Little Lies - Festival‘ oder ‚Dementia‘, das sind wichtige Projekte.“
Was ist denn nun das Lieblingsgenre der neuen Direktorin? „Schauspiel“, antwortet sie spontan. Und Musiktheater? „Ich will sicher das Musiktheater in all seinen Formen weiter zeigen,“ meint sie. „Aber für Oper haben wir nicht genügend Geld. Wir haben ein kleines Budget. In Luxemburg-Stadt haben sie ein größeres Budget. Wir können allenfalls mal eine Kinderoper zeigen.“ Und schließlich will Lorang mit den Theatern aus der Großregion zusammenarbeiten: „Das ist schon ein Thema. Ich werde das langsam angehen, ab nächster Saison, und ich bin dabei, Kontakte zu knüpfen“.  CH.S.