LUXEMBURG
SVEN WOHL

Nach Ermittlungserfolgen im Darknet: „Frënn vun der Ënn“ kritisieren Informationspolitik von Europol

Ob Drogen, Waffen oder Kinderpornographie - alles ist im Darknet zu kriegen. Diese anonymisierte und nicht mit handelsüblichen Mittel zu erreichende Schicht des Internets ist der Zufluchtsort von zahlreichen Cyberkriminellen. Doch Europol meldete zu Beginn der Woche einen überraschenden Erfolg: Über 400 Seiten sollen geschlossen worden sein, 17 Personen wurden verhaftet. Doch diese Zahl wurde mehrfach relativiert und heruntergeschraubt. Wir hakten bei Sam Grüneisen, Präsident der Vereinigung „Frënn vun der Ënn“, die Darknet-Server betreibt, nach.

Stark übertrieben

„Es handelt sich nicht mal um 400 verschiedene Dienste, sondern lediglich um 400 Webadressen, welche auf 27 Webservern verteilt waren. Das heißt, dass von der Schließung nur etwa acht bis neun verschiedene Plattformen betroffen sind“, erklärt Sam Grüneisen gleich zu Beginn. Nur wieso setzte man gegenüber der Presse zunächst auf eine so hohe Zahl? „In der Presse kommt eine große Zahl wie 400 halt besser an als acht oder neun“, meint er dazu. Tatsächlich bedeute diese Aktion nicht das Ende der Anonymität im Dark-net. Eine Tatsache, die EUROPOL indirekt bestätigt. Ende September dieses Jahres veröffentlichte die Organisation ein Dossier, in dem es hieß, dass sie über keinerlei technische Möglichkeiten verfüge, Kriminelle im Darknet zuverlässig zu orten. Was ist diesmal anders gelaufen? Die „Frënn vun der Ënn“ haben mehrere Theorien: „Zum einen gilt es mittlerweile schon fast als erwiesen, dass die Polizei V-Männer in solche illegale Foren geschleust hat. Dann kann es sein, dass diese Plattformen auch vom „normalen“ Internet aus erreichbar waren“, erläutert der Präsident der „Frënn vun der Ënn“. Hintertüren in der Foren-Software und eine mögliche Deanonymisierung der Bitcoins sind auch möglich. „Schlussendlich gibt es da noch den Faktor Mensch. Wer zu viel von sich preisgibt (...), dem kann keine Software der Welt helfen“, ergänzt Sam Grüneisen.

Tappen im Dunkeln

Auch weshalb EUROPOL auf diese Art und Weise informiert, ist für Sam Grüneisen klar: „Das ist ein Verhalten, das man bei vielen Institutionen sieht. Diese wollen die „bösen“ Menschen im Dunkeln tappen lassen. Damit will man halt ganz einfach Angst und Misstrauen schüren. Denn wenn man ein Medium nicht kontrollieren kann, dann kann man durch Desinformation Leute vom Darknet weglotsen in Bereiche, in denen die Polizei oder andere Drei-Buchstaben- Organisationen besser kontrollieren und unterwandern können.“ Dass dabei der Ruf des Darknets stark mitleidet, schmerzt die „Frënn vun der Ënn“: So werden im Darknet zahlreiche andere Dienste angeboten, die legal sind. Auch wird Menschen in repressiven Staaten die Möglichkeit gegeben, sich zu informieren und zu kommunizieren. Genau dies ist dann auch die Daseinsberechtigung des Darknets für Sam Grüneisen: „Solange es Geheimdienste, willkürliche Massenspionage und zensurgeile Staaten gibt, muss es auch einen abhörsicheren und Zensur resistenten Bereich geben, und zwar das Darknet.“


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