LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Weltfrauentag am 8. März: Forderung nach einem frauengerechten öffentlichen Raum

Der Slogan „Tag und Nacht - her mit unseren Rechten!“ kennzeichnet die diesjährige Kampagne des Aktionsbündnisses zum Internationalen Frauentag in Luxemburg (Plattform JIF2015). 20 Organisationen und Vereine haben sich als Träger der Aktion 2015 zusammengeschlossen. „Der diesjährige Frauentag hat eine politische, eine militante und eine kulturelle Dimension. Wir wollen einerseits auf bestehenden Handlungsbedarf aufmerksam machen, uns andererseits aber auch feiern“, resümierte Christa Brömmel vom CID-Femmes. Ein besonderer Fokus wird diesmal auf die Situation der Frauen im öffentlichen Raum gerichtet.

Frauennachtmarsch und feministisches Kulturfest

Während eines Frauennachtmarschs - der erste seiner Art in Luxemburg - am Abend des 7. März macht die Plattform JIF2015 auf das Recht der Frauen aufmerksam, sich bei Tag und Nacht, überall und ohne Einschränkungen sowie ohne Übergriffe frei und sicher bewegen zu können. Der 8. März, folglich das eigentliche Datum des Internationalen Frauentags - steht unter dem Motto „Nach dem Marsch ein Fest“: In Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum neimënster wird im Stadtgrund von 11.00 bis 19.00 ein buntes, feministisches Kulturfest mit Musik, Theater, Tanz, Ausstellungen, Workshops und Informationsständen gefeiert.

Abbau von Stereotypen im öffentlichen Raum

„Der öffentliche Raum soll ein Raum für beide Geschlechter sein. Man könnte meinen, dass dies eine Selbstverständlichkeit wäre, in der Praxis ist das aber längst nicht immer der Fall“, bemerkte Anik Raskin, Vertreterin des „Conseil National des Femmes du Luxembourg“, gestern bei der Programmvorstellung. Der Forderungskatalog ist dementsprechend groß und umfasst sieben Bereiche (Stereotypen im öffentlichen Raum; formelle und informelle Bildung; Gesundheit und Pflege; soziale Dienstleistungen; Betreuung von Kindern und abhängigen Menschen; Kultur, Sport und Freizeit sowie Sicherheit). „In allen Bereichen besteht Handlungsbedarf“, unterstrich Raskin. Sexistische Werbung müsse endlich abgeschafft werden. An manchen stereotypischen Piktogrammen stört sich das Aktionsbündnis ebenfalls. Parkplätze für Familien seien etwa immer durch eine Frau mit Kind gekennzeichnet, womit die Männer ausgeschlossen würden. Im Bereich Kultur verlangt die Plattform mehr Sichtbarkeit und Anerkennung von feministischer und allgemein weiblicher Kunst. Sportinfrastrukturen würden den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen zu selten Rechnung tragen. In Jugendhäusern mangele es an einem für Mädchen anspruchsvollen Angebot.

Was die Sicherheit im öffentlichen Raum anbelange, so würde häufig von Frauen ein anderer Verhaltensmodus erwartet als von Männern. Die Sicherheitsbedürfnisse von Frauen müssten stärker berücksichtigt werden, sodass Menschen unabhängig ihres Geschlechts den öffentlichen Raum als sicher und angenehm empfinden könnten. Auf diesen letzten Punkt soll insbesondere auch während des Nachtmarschs aufmerksam gemacht werden, wie Enrica Pianaro erklärte: „Es geht natürlich nicht nur um den Spaßfaktor, nein, die Symbolik ist weit größer. Wir protestieren gegen jegliche Form von Gewalt - insbesondere sexualisierte Gewalt - gegen Frauen. Außerdem protestieren wir gegen subtilere Formen von Gewalt, wie etwa die Anmache von Frauen in den Straßen. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der Menschen nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden“. Start ist am 7. März um 22.00 am „Knuedler“. Am Ziel im Stadtgrund sind dann auch die Männer willkommen, die sich mit den feministischen Forderungen solidarisch zeigen wollen.
Weitere Infos und das genaue Programm unter

www.fraendag.lu und www.neimenster.lu