CORDELIA CHATON

Frauen durchbrechen die Grenze, um endlich einkaufen zu können, Menschen essen aus lauter Hunger heraus Schuhsohlen, Bürger verlassen zu zehntausenden ihre Heimat und verkaufen ihr Haar, um den Weg - meist zu Fuß - finanzieren zu können. Venezuela ist kein Ort, an dem es sich gut lebt. Dabei gehört es dank seiner Ölvorkommens eigentlich zu den reichsten Ländern der Welt.

Das liegt vor allem an der Misswirtschaft von Präsident Nicolás Maduro, der meinte: „Alles hängt vom Grad der Verrücktheit und der Aggressivität des Imperiums des Nordens (USA) und seiner westlichen Verbündeten ab.“ Doch auch der Grad der Verrücktheit seiner Verbündeten - allen voran China, Russland und die Türkei - dürfte eine Rolle spielen. So droht ein Stellvertreterkrieg und die Frage ist, wer wie weit geht. Übrigens sind Maduros weitere Freunde Kuba, Bolivien, Nicaragua und der Iran. Eine wahrlich feine Gesellschaft der Antidemokraten.

Europa selbst hat leider keine besonders gute Figur bei der einheitlichen Unterstützung des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó gemacht. Das liegt an Italien. Rom wollte sich schon nicht dem Ultimatum anschließen, das viele EU-Länder Maduro gestellt hatte, um ihn zu Neuwahlen zu bewegen. Populisten scheinen Diktatoren zu mögen. Doch dreizehn EU-Länder erkannten nach Ablauf des Ultimatums den jungen Abgeordneten als rechtmäßigen Übergangsstaatschef des südamerikanischen Krisenlandes an. Dazu gehören Luxemburg, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Österreich, die Niederlande, Schweden, Dänemark, Portugal, Tschechien, Polen, Finnland und Deutschland.

Während Deutschland und Japan Welthandel und Multilateralismus beschwören, setzt Maduro auf das Militär. Gegen ihn liegt in 13 Staaten des amerikanischen Kontinents ein Einreiseverbot vor. Kein Wunder, dass er nicht kampflos gehen wird. Engster Verbündeter in unmittelbarer Nähe ist Kuba. Dorthin könnte Maduro flüchten. Doch er wird den langen Arm der USA fürchten. Die würden nur zu gern sein Regime gemeinsam mit jenem Kubas ersetzen.

Wer sich den Syrien-Krieg ansieht, der ahnt, wie übel die Rolle Russlands in der Affäre noch werden kann. Die Begründung für die Unterstützung Maduros war die altgewohnte Leier von der angeblich von Putin gewünschten Demokratie, um eigene Machtinteressen zu wahren. „Das ist kein Dialog. Hier zwingen Washington und Europa dem Land ihren Willen auf“, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Würde er auch Geld liefern?

So könnte Maduro sich noch ein Weilchen halten. Noch gibt es keinen Bürgerkrieg, doch der droht durch seine Bündnispartner. Erst kürzlich drohte China Taiwan unverhohlen mit Krieg, wolle es nicht heim ins Reich der Mitte. Und in diesem Reich ist nun eine Überwachung möglich, die selbst Medien in China zu öffentlicher Kritik verleitet.

Die größte Hoffnung im Land ist nun auf der einen Seite die Bevölkerung, die unendlich leidet und eine Veränderung will. Auf der anderen Seite steht das Militär, von dem man nicht reicht weiß, für wen es ist. Helfen würde dem jungen, selbst ernannten Präsidenten sicherlich, wenn er humanitäre Hilfe von außen erhalten würde. Das wäre schon ein wichtiges Zeichen in diesen verrückten Tagen.