DÜDELINGENPATRICK VERSALL

Danielle Igniti über die dritte Auflage des „Like a Jazzmachine“

In diesem Büro regiert der Jazz eine knappe Woche vor dem ersten Konzert der dritten Auflage des „Like a Jazzmachine“-Festivals im Düdelinger Kulturzentrum opderschmelz. Auf dem aufgeräumten Schreibtisch der Direktorin Danielle Igniti türmen sich Jazzfachzeitschriften neben den Programmheften der dritten Ausgabe des Jazzfestivals.

Wie bereits anlässlich der beiden ersten Auflagen möchte das opderschmelz, das sich in der luxemburgischen Kulturszene als Heimat des Jazz etabliert hat, auf die Vielfalt eines ganzen Genres aufmerksam machen. Von diesem Konzept wird das Haus auch in diesem Jahr keinen Millimeter abweichen und stellt ab kommenden Donnerstag Künstler aus allen Ecken der Welt vor.

Aufklärungsarbeit

Die Macher des Events stellen fest, dass es sich beim Jazz um ein Genre handele, dem nach wie vor viele Musikhörer mit Skepsis begegnen würden. Viele würden halt noch die Meinung vertreten, Jazz sei intellektuell, eine Musik, die eine gewisse Vorkenntnis voraussetze, erklärt Danielle Igniti. „Jazz ist aber nicht gleich Jazz“. Das Genre ist äußerst facettenreich, in den Jazz-Genen lassen sich heute nicht selten Spuren von Electronica oder Rap nachweisen.

Die Macher des Düdelinger Festivals versuchen mit dem Festival ein breiteres Publikum für den Jazz zu sensibilisieren und vielleicht auch jene in die „Hütte“ locken, die nicht zum Stammpublikum der opderschmelz-Jazzkonzerte gehören. „Wir begrüßen jedes Jahr sehr viele Gäste aus dem Ausland in Düdelingen, da zahlreiche Fachmagazine über uns berichten“, so Igniti. Und von der, für die Großregion einmaligen Situation profitieren, die Crème de la Crème der Jazzszene an einem einzigen Ort aufgetischt zu bekommen.

Die einzelnen Ensembles und Künstler legen Auftritte von mindestens 50 Minuten hin, manchmal stehen sie sogar länger auf der Bühne. Bis zu fünf Konzerte am Tag bekommt der Festivalbesucher geboten.

Alle auf der Hauptbühne

Die Veranstalter legen Wert darauf, dass jeder - ob internationaler Topstar oder aufstrebender Nachwuchskünstler - die gleiche Behandlung erfährt. „Es ist bei uns nicht so, dass der Topact von den technischen Annehmlichkeiten einer großen Bühne im Hauptraum profitieren darf und das junge Jazztalent im Untergeschoss in einer kleinen Ecke auftreten muss“, unterstreicht Danielle Igniti. Neben Jazz-Koryphäen wie Joachim Kühn oder Billy Cobham zaubern die Organisatoren auch in regelmäßigen Abständen junge, vielversprechende Musiker aus dem Hut, die nach ihrem Abstecher nach Düdelingen die Weltspitze des Jazz erklimmen.

Eines der besten Beispiele ist Diana Krall: Ehe die Pianistin die Philharmonie mit ihrer Präsenz beehren konnte, stand sie in Düdelingen auf der Bühne. Allerdings steigen mit dem Bekanntheitsgrad auch die Gagen, so dass die Düdelinger sich irgendwann nicht mehr in der Lage sehen, um die absoluten „Big Names“ zu buhlen.

„Du hilfst mit, Stars auf zubauen, aber manchmal geht es einfach zu schnell. Du bekommst sie weggeschnappt und kannst an und für sich nicht mehr von der Arbeit, die du in sie gesteckt hast, profitieren“, bedauert Igniti und fügt hinzu, dass man die Spielregeln des Marktes akzeptieren müsse.

Martiny und Godard

Obwohl dem opderschmelz in den vergangenen Jahren einige Glücksgriffe bei der Auswahl der jungen Künstler gelang, ist man aber vor Fehleinschätzungen nicht gefeit. „Live und Aufnahme sind oft sehr unterschiedliche Welten“, bemerkt Igniti.

2014 finden sich auch einige vielversprechende luxemburgische Musikprojekte in der Programmbroschüre wieder: Schlagzeuger Benoît Martiny präsentiert „The Grand Cosmic Journey“ , ein musikalisches Projekt, für das er mit „Hardlinern der Jazzszene“ - O-Ton Igniti - zusammenarbeitet. „Wir haben Benoît bei der Ausarbeitung des Projektes unterstützt, er konnte es hier in Düdelingen im Haus entwickeln“, erklärt die Leiterin des Kulturhauses.

Als Vorpremiere stellt Stéphane Kerecki sein Projekt mit Filmmusik aus Godard-Filmen vor, Titel, die zweifelsohne einem breiten Publikum geläufig sind. „Ein weiteres Beispiel dafür, dass Jazz Musik für jedermann ist“, so Danielle Igniti.


www.jazzmachine.lu