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MARCO MENG

CarPay Diem stellt zwischen Fahrer und Tankstelle die Direktverbindung her

Der belgische Ingenieur Frédéric Stiernon, der seine Berufskarriere in der Automobilbranche begann und dann im Bankensektor arbeitete, gründete letztes Jahr Kwalyo SA. Zweck der Gesellschaft ist der Vertrieb einer Dienstleistung, die Autofahrern und Tankstellen das Leben angenehmer machen soll.

Was ist CarPay Diem?

Frédéric Stiernon CarPay Diem ist eine Plattform, die es jeder App eines Smartphones wie auch einem „connected car“ erlaubt, mit der Tankstelle verbunden zu werden und die Bezahlung durchzuführen. Für den Nutzer ist das sehr einfach: Sobald er an der Tankstelle anlangt, „wacht“ sein Mobiltelefon auf. Er kann die entsprechende Säule auswählen, und hat er getankt, erhält er automatisch online die Rechnung. Je nach Kundenwunsch wird die Rechnung direkt online bezahlt, oder der Kunde betritt den Shop der Tankstelle. Über die App bekommt der Kunde nämlich spezielle Angebote, beispielsweise für eine Autowäsche. Das ist der Service, den CarPay Diem zur Verfügung stellt. Dabei ist CarPay Diem keine eigene App, sondern der Service kann in nahezu jede existierende mobile Applikation integriert werden, die dem Kunden einen Zugang zu unserer Dienstleistung erlaubt.

Kürzlich integrierte beispielsweise die französische Navigations-App GLOB unser System, womit mehr als drei Millionen Autofahrer, die die App haben, unseren Service nutzen können. Wenn ein GLOB-Nutzer also demnächst eine Tankstelle anfährt, die unseren Dienst nutzt, wird die App ihm die Möglichkeit geben, seine Bezahlung mobile über CarPay Diem durchzuführen.

Es funktioniert also nicht über das Auto, sondern die Smartphone-App?

Stiernon Ja und nein. Wir werden im Oktober ein Pilotprojekt mit einem Autobauer starten, der CarPay Diem direkt in das Auto integriert. Über das Display im Armaturenbrett kann dann der Fahrer unseren Dienst nutzen.

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Service?

Stiernon Bevor ich an CarPay Diem arbeitete, gründete ich vor etwa fünf Jahren mit einigen Partnern die mobile Bezahldienstleistung FlashIz. Während dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit, verschiedenste Geschäftsfelder kennenzulernen, von Restaurants bis Apotheken und Einzelhandelsgeschäften und Supermärkten. Auch einige Tankstellen waren dabei. Nachdem ich dann FlashIZ verkaufte, arbeitete ich noch einige Jahre mit dem neuen Eigentümer zusammen. Als der dann das Unternehmen einstellte, stand ich vor der Frage, ob ich mich nach einer Stelle umschaue oder ob ich meine eigene Geschäftsidee, die ich in den letzten Jahren gewonnen hatte, umsetze.

Diese neue Branche der Bezahldienstleistungen war sehr aktiv, und die Sache mit den Tankstellen reizte mich: Hier ist im Prinzip nicht viel geschehen, seit es in den 1980ern möglich wurde, am Terminal mit der Karte seine Tankrechnung zu bezahlen. Wie gesagt, schon seit FlashIz war mir das Potenzial, das hier drin steckt, bewusst. So habe ich mich mit Vertretern einiger Mineralölgesellschaften getroffen und ihnen meine Geschäftsidee vorgestellt, traf Betreiber von Tankstellen, Autoleasing-Gesellschaften, Herausgeber von Tankguthaben-Karten und so weiter - etwa sieben Monate dauerte die Vorbereitungszeit, bis ich ein funktionierendes Geschäftsmodell hatte, das ich dann vor etwa einem Jahr umzusetzen begann.

Wie war der Start?

Stiernon Gleich zu Beginn konnte ich eine halbe Million Euro von Investoren, Freunden und Familien, als Startkapital einsammeln und konnte mit der Entwicklung der Plattform loslegen. Die Entwicklungszeit dauerte etwa acht Monate; jetzt ist sie kompatibel mit 85.000 Tankstellen in ganz Europa, das auch unser Markt sein soll. Zuerst wollen wir nun in den kommenden fünf Jahren unseren Dienst in zwölf Ländern mit den besagten 85.000 Tankstellen anbieten. Heute werden dort jährlich 4,5 Milliarden Transaktionen durchgeführt - ein riesiger Markt also. Hier wollen wir die Verbindung herstellen zwischen Kunden, den Fahrern, und Tankstelle, indem wir beiden einen Mehrwert bieten. Tanken und Zahlen wird für den Fahrer einfacher und schneller, und er erhält Zusatzangebote, der Betreiber der App erhält mehr Visibilität, weil seine App nun Zusatzfunktionen anbietet, und die Tankstelle kann direkter mit dem Kunden kommunizieren, kann genauer seine Bedürfnisse erfahren und entsprechende Angebote machen. Natürlich wird CarPay Diem dem Tankstellenbetreiber nicht Name und Adresse oder persönliche Daten des Fahrers weiterleiten, aber er kann durch die App mehr über die Kaufgewohnheiten des Nutzers erfahren.
Wie funktioniert das technisch? Wie verdienen Sie Geld damit?

Stiernon Technisch funktioniert das so, dass unsere Plattform direkt mit der App des Autofahrers oder dem Auto selbst sowie mit dem Computer des Verkaufspunkts sowie den Sensoren der Tankstelle und ihrer Zapfsäulen verbunden wird. Unsere Plattform wurde entsprechend kreiert, denn die unterschiedlichen Tankstellenbetreiber benutzen auch unterschiedliche Software. Das ist der technische Aspekt. Der wirtschaftliche funktioniert so, dass wir eine Abogebühr von der Tankstelle verlangen sowie eine minimale Gebühr für die Nutzung unserer Plattform durch den Kunden. Wir haben jetzt mit Testpersonen und Tankstellen in Belgien angefangen, bis September werden es dort 115 Tankstellen landesweit sein, zudem arbeiten wir dort noch mit einem Partner zusammen, über den unser System bei etwa 1.500 Tankstellen verfügbar sein wird. Ähnliches streben wir für den britischen Markt an, wo wir einen Partner haben, der rund 2.500 Tankstellen hat, und mit verschiedenen App-Betreibern im Gespräch sind, eine davon hat 25 Millionen Nutzer. Bis Jahresende werden jedenfalls dort die ersten 50 Tankstellen unseren Dienst integriert haben. In Frankreich integriert wie gesagt ein Autobauer unser System. In Luxemburg sind zwei Tankstellenketten an unserem Dienst interessiert. Das Gute an unserem System ist, dass wir für niemanden ein Wettbewerber sind, sondern dass wir alle Beteiligte miteinander verbinden und ihnen einen Mehrwert bieten, und ehrlich gesagt geht die Entwicklung sogar etwas schneller als wir planten. Nun müssen wir - derzeit sind wir zu viert - weitere Mitarbeiter einstellen.

 

www.carpay-diem.com