LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Verteidigung setzt auf Freispruch

Am 15. August 2017 sollen drei Männer eine Tankstelle in Frisingen überfallen haben - so lautet die Anklage. Die zwei Angeklagten Serge L. und Hakim H. bestreiten die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe weiter vehement, wie aus den Ausführungen der Plädoyers ihrer Verteidiger am Donnerstag hervorging. Der mutmaßliche Fahrer der Bande Yakoub T. legte ein Geständnis ab. Sein Verteidiger Me Philippe Stroesser hatte bereits am Mittwoch auf ein mildes Urteil für seinen Mandanten plädiert.

Freisprüche gefordert

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Tankstellenräuber haben die Verteidiger von Serge L. und Hakim H. am Donnerstag Freisprüche gefordert. In keinem der Anklagepunkte würden die Beweise für eine Verurteilung ausreichen, sagten sie. Dagegen ist für die Staatsanwaltschaft die Indizienlage erdrückend. Laut Staatsanwaltschaft soll Serge L. siebzehn Jahre, Hakim H. zehn Jahre und Yakoub T. neun Jahre hinter Gitter.

Am Donnerstag kreuzten die Vertreterin der Staatsanwaltschaft und die beiden Verteidiger Me Pim Knaff und Me Roby Schons vor Gericht die Klingen. Nach Me Knaff und Me Schons sollen ihre Mandanten aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Zu keinem der Anklagepunkte gäbe es eine geschlossene Beweiskette, erklärten sie in ihren Plädoyers.

Die beiden Verteidiger listeten auf, was es alles nicht an Beweisen gab: Fußspuren, Fingerabdrücke und DNA-Spuren der Angeklagten an Tatmitteln oder Auto. Die ermittelten DNA-Spuren seien unbrauchbar, da es sich um Mischspuren handle. Ein Abgleich eines genauen DNA-Profils war deshalb nicht möglich.

Als Beweismittel gelte ein Überwachungsvideo, das die beiden während der Tat zeigen soll. Durch die Maskierung war die Identifizierung allerdings nicht möglich. Keiner der Zeugen, die die Räuber bei der Tatbegehung beobachtet hatten, konnten eindeutig sagen, ob es sich um die Beschuldigten handelt. Keiner hatte die Täter erkannt und identifiziert. Als weiteres Beweismittel gilt eine Stimmanalyse. Eine hundertprozentige Identifizierung war allerdings nicht möglich. Me Schons sprach von einer „absence totale des preuves.“ Die Kriminalkammer könne deshalb nicht die für eine Verurteilung erforderliche Überzeugung gewinnen, dass die Angeklagten die Täter sind.

Die Vertreterin der Anklage verlangte für die Ko-Autoren Serge L. und Hakim H. wegen Diebstahls unter Anwendung von Gewalt sowie Geldwäsche eine Freiheitsstrafe von 17 und zehn Jahren. Yakoub T. soll neun Jahre in den Knast.

„Du bist ein toter Mann“

Am Donnerstag ging es dann noch in der Affäre konkret um eine mutmaßliche Bedrohung die Serge L. im Knast gemacht haben soll. Der Fahrer des Fluchtwagens Yakoub T. hatte seine beiden Kollegen Serge L. und Hakim H. verpfiffen.

In Folge seiner Aussage wurden Serge L. und Hakim H. schließlich festgenommen. Laut Gerichtsakte ruderte Yakoub T. allerdings mehrmals von seiner Aussage zurück und modifizierte sie dahingehend, dass Serge L. und Hakim H. nicht am Überfall beteiligt waren. Im Knast teilte Ende Dezember 2017 dann ein Mitgefangener dem Yakoub T. die Nachricht mit: „Ich Serge, weiß wo deine Eltern wohnen. Yakoub, du bist ein toter Mann.“

Me Philippe Stroesser, Verteidiger von Yakoub T. erstattete Strafanzeige gegen Serge L. - wegen Bedrohung und Einschüchterung. Die Staatsanwaltschaft leitete ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren ein. Am Donnerstag stand der Überbringer der Nachricht als Zeuge vor der 13. Strafkammer und bestätigte die Aussage. Serge L. bestritt und gab zu Protokoll „C’est la première fois que je vois cet homme.“ Yakoub T. ruderte mit seiner Aussage zurück und gab zu Protokoll, er könne sich nicht erinnern, dass ein Gefangener so etwas zu ihm gesagt habe. Er meinte „Er hat mich nicht bedroht. Serge war immer gut zu mir.“ Für die Bedrohung und Einschüchterung soll Serge L. zwölf Monate hinter Gitter.

Beide Urteile werden am 11. Dezember verkündet.