HAMBURGPATRICK VERSALL

Nico Cham und Tim Hansen der Band Fuck Art, Let’s Dance! im „Journal“-Interview

Vier Jahre schon erlebt die Hamburger Band Fuck Art, Let’s Dance! (FALD) alle Tiefen und Höhen des Musikbusiness‘, wobei letztere zweifelsohne überwiegen, denn sonst hätten sich bei der mittlerweile zum Quartett angewachsenen Truppe bereits erste Auflösungserscheinungen bemerkbar gemacht. Vor solchen sind die vier Musiker gefeit und touren zurzeit mit ihren elektrisierten Gitarrensongs durch Europa, um das beim Label Audiolith erschienene Debütalbum „Atlas“ live vorzustellen.

Touren, touren, touren

Nach dem Melt-Festival an diesem Wochenende steht am kommenden Freitag das Food For Your Senses (FFYS) auf dem gut gefüllten Tourplan. Denn in mauen Zeiten, in denen sich mit Plattenverkäufen keine goldene Nase mehr verdienen lässt, müssen Bands viel touren, um Geld in die Kasse zu kriegen. FALD haben sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Liveact erspielt; die Band kann heute, dank des Albummaterials längere Konzerte spielen, was dann auch die Gagen etwas erhöht. Allerdings gehen die Bandmitglieder noch äußerst sparsam mit Geld um, wie Sänger Nico Cham und Schlagzeuger Tim Hansen im „Journal“-Interview erklären: „Wir sind auf einem guten Weg, allerdings können wir uns noch nicht jedes Equipment leisten, was wir gerne haben möchten. Wir handhaben es immer so, dass wir möglichst viel Geld sparen und anschließend gemeinsam kucken, was wir damit machen“, so Sänger Cham, der die Texte von allen 13 Songs der Platte geschrieben hat. Dass der Sänger alle Texte beisteuert, habe sich so ergeben, so die beiden Bandmitglieder. „Ich bin für die Basics unserer Songs verantwortlich. Ich schreibe ziemlich viel vor und parallel dazu baue ich die Texte ein. Diese sollen phonetisch zum Song klingen. Es ist nicht so, dass ich zuerst texte und dann den Song auf die Lyrics baue. Es ist auch noch nie vorgekommen, dass die anderen Jungs gesagt haben, dass ein Text wirklich derb schlecht sei“, erklärt Nico Cham seine Vorgehensweise.

Textliche Schnappschüsse

Cham bringt keine ellenlangen epischen Texte zu Papier: Bei den Lyrics handelt es sich mal um textliche Schnappschüsse - wie z.B. beim aktuellen „Those dancing Days“ - oder aber um Gedankenfetzen. „Those Dancing Days“ sei eine Art Schnappschuss, in dem die Leute auf einer Party beim Feiern beobachtet werden. Bei vielen Titeln handele es sich um „halbe Lovestorys“, so Nico Cham. In „Fake Love“ (vom aktuellen Album, die Redaktion) habe ich beispielsweise ziemlich viel von mir verarbeitet“, ergänzt Cham.

Die FALD-Texte sollen für alle Hörer, die sich mit den in den Liedern angesprochenen Themen identifizieren können, zugänglich sein.

In punkto musikalische Einflüsse sind die vier Musiker sehr offen: „Alle Bandmitglieder sind Fans der Red Hot Chili Peppers; Damian (Palm) und ich hören viel Hip-Hop und Funk, Romeo (Sfendules) ruhigere Folksachen“, erklärt Drummer Tim Hansen. Sänger Cham hörte früher viel IDM und Indie: „Heute geben wir uns gegenseitig Input“, so der Sänger.

Aufgenommen hat die Band alle Songs im Proberaum von Jakob Häglsperger, dem Produzenten von „Atlas“. Man sei mit mehr Material als nur den 13 Titeln in die Aufnahmen reingegangen, so die beiden Deutschen. Vielleicht habe man sich auch ein bisschen selbstüberschätzt bezüglich der Anzahl der Songs, die man habe fertigstellen können, so Nico Cham. Man habe sogar noch zwei weitere fertigstellen wollen.

Remixer und Sänger

Da die Band die Titel auch auf Vinyl veröffentlichen wollte, durfte sie sowieso nicht zu viel Material für das Album zurückbehalten. Auf der Vinylscheibe ist beispielsweise kein Platz mehr für den Bonustrack. Neben dem neuen Album hat das Quartett seine Hörerschaft auch mit einer immerhin zwölf Titel umfassenden Remix-EP der ersten Singleauskoppelung „We’re Manicals!“ überrascht. „Die Idee dazu kam zum Teil von unserem Label. Da Nico auch gerne Remixe anfertigt, wollten wir das durchzuziehen. Es ist interessant, was andere Künstler mit deinem Titel so anfangen“, erklärt Tim Hansen den Entschluss, die erste Single remixen zu lassen. „Außerdem kann man mit Remixen auch Sparten bedienen - House oder Techno - an die man sonst nicht rankommt“, fügt Nico Cham hinzu. Die Band hat kürzlich den Titel „Sense“ als zweite Single ausgekoppelt. Der Name der nächsten Single stehe allerdings noch nicht fest.


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