BERLIN
THOMAS BREMSER (DPA)

Dua Lipa und Mia schenken Fans Gute-Laune-Alben in Krise

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt in diesen Tagen: Während Pop-Superstars wie Alicia Keys oder Lady Gaga ihre Albumveröffentlichungen wegen der Corona-Pandemie verschieben, geht Dua Lipa einen anderen Weg. Die Musikerin aus London hat „Future Nostalgia“ um eine Woche vorgezogen und hat somit erst vor kurzem ihr neustes Album herausgebracht.

Für ihre Fans dürften die elf neuen Tracks eine willkommene Abwechslung in eher düsteren Zeiten sein. Denn die 24-Jährige, die durch Hits wie „New Rules“ und „One Kiss“ bekannt wurde, konzentriert sich auf tanzbare Uptempo-Nummern. Eine Liebesballade, die eigentlich auf keinem modernen Popalbum fehlen darf, gibt es ganz bewusst nicht.

„Irgendwie möchte jeder eine Ballade auf seinem Album, aber ich wollte keine. Ich habe mich einfach genauso gefühlt und wollte es genauso haben“, erzählt Lipa im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Ich wollte, dass die Leute Spaß haben. Es ist definitiv ein Spaßalbum.“

Und positive Stimmung kann die Welt in der Tat gut gebrauchen. Auch wenn die durchweg tanzbaren Nummern vorerst im eigenen Wohnzimmer für Bewegung sorgen dürften und nicht in den Clubs und auf Dancefloors. Die fürs Frühjahr geplante Tour musste die Sängerin wegen der Corona-Krise auf Anfang 2021 verschieben.

Disco-Gefühl garantiert

Ein Disco-Gefühl stellt sich aber mit „Future Nostalgia“ auf jeden Fall ein, das hatten die ersten Singles „Don’t Start Now“ und „Physical“ bereits angedeutet. Die britische Sängerin mit kosovarischen Wurzeln verbindet geschickt den Disco-Sound der 70er und 80er Jahre mit modernen Elektro-Beats, wie etwa auf der aktuellen Single „Break My Heart“ oder „Hallucinate“.

„Meine Eltern haben mich in der Kindheit musikalisch natürlich sehr geprägt. Neben Pop haben sie Prince, Blondie, Jamiroquai oder Moloko gehört. All diese Künstler haben mich auch bei diesem Album inspiriert“, erklärt die zweifache Grammy-Gewinnerin. Die musikalische Zeitreise zeigt sich vor allem auf dem Track „Love Again“, der zu den Highlights des Albums zählt. Das lange Intro wird vom Sampler des Songs „Your Woman“ von White Town (1997) unterlegt. Der wiederum basiert auf einem Trompeten-Solo des südafrikanischen Jazzmusikers Al Bowlly.

„Es ist ein Stück Nostalgie aus den 1930er Jahren in diesem modernen Song verpackt. Und es fühlt sich dennoch sehr organisch an. Das hat mich fasziniert“, sagt Dua Lipa. Textlich gehöre das Lied zu den persönlichsten des Albums. Es geht - wie bei vielen anderen Tracks - um einen Verflossenen.

Tanzmusik mit starker Message

Obwohl es vornehmlich um Party, Spaß und Liebe geht, zeigt die britische Musikerin Haltung. Sie will Frauen ermuntern, stark zu sein und sich nichts gefallen zu lassen. In „Future Nostalgia“ heißt es etwa: „Egal, was du machst. Ich kriege es ohne dich hin. Ich weiß, dass du einen weiblichen Alpha nicht gewohnt bist.“

Und im nachdenklichen Abschlusstrack „Boys Will Be Boys“, der zu den Ruhigeren gehört, geht es der Unicef-Botschafterin um die ständige Angst von Frauen, sexuell belästigt zu werden. „Es ist selbstverständliche Gewohnheit, vor dem Sonnenuntergang nach Hause zu gehen“, singt sie.

„Wir müssen die Plattformen, die uns zur Verfügung stehen, nutzen, um über Dinge zu reden, die uns wichtig sind“, sagt Dua Lipa selbstbewusst. Auch die Musikbranche sei noch zu männerdominiert, obwohl es sich langsam bessere. Mit „Future Nostalgia“ geht Lipa ebenfalls einen Schritt in die richtige Richtung.

Optimistisch durch die Krise

Auf einen ähnlichen Zug ist auch die deutsche Band Mia aufgesprungen, die ebenfalls Positivität in Krisenzeiten verbreiten möchte. „No Bad Days“ heißt ein Song auf dem neuen Album von Mia - und wird von der Band auch gleich als Muntermacher in ungewöhnlichen Zeiten an den Start gebracht: „Wir hoffen, dass das auch Eure Tage ein bisschen weniger bad macht“, ließen die Berliner um Frontfrau Mieze Katz jüngst ihre Fans auf Facebook wissen. Denn ihre siebte Platte „Limbo“ erschien mitten in der Coronavirus-Pandemie.

Auf „Limbo“ drehen Mia die Stellschraube um einige Umdrehungen Richtung Hoffnung. Für das Musikvideo des gleichnamigen Tracks schnappen sie sich „Tagesschau“-Sprecher Thorsten Schröder und lassen ihn in einer Hommage an Christopher Walken (in Fat Boy Slims „Weapon of Choice“) mit wackeligen Beinen durch die Szenerie tänzeln. Der Song sei eine „bewusste Haltung zum Leben in einer Zeit, in der man durchaus als mutig gelten kann, wenn man optimistisch ist“, sagt Frontfrau Mieze in einem Interview. Und das zieht sich durch die ganze Platte: Motivation, Zuversicht, Übermut. Musikalisch halten Mia an ihrem elektronisch unterlegten Pop fest. Und wie gewohnt wird auch wieder mit Wörtern und Fantastereien jongliert. Das kommt mal herrlich frisch daher wie in „Tortenguss“ („über uns tanzen die Kräne Schwanensee“), mal ziemlich bieder wie in „KopfÜber“ („Kribbeln auf der Haut, Autobahn im Bauch“).

Fast ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit sich die Berliner zusammenfanden. Mit Hits wie „Tanz der Moleküle“ und „Hungriges Herz“ surfen Mia in den Nullerjahren mit auf der „Neuen Deutschen Welle 2.0“. Drei Alben schaffen es in die Top Ten, doch die letzte Platte „Biste Mode“ (2015) kann an die Erfolge nicht anknüpfen.

Wenn der positive Funke - Mieze spricht einmal von „einer Art Trotz-Tick“ in pessimistischen Zeiten - überspringt, dann kann „Limbo“ ein wahres Gute-Laune-Album sein. Und wer sich mitreißen lässt, verkraftet dann auch manch Blumenpop-Lästigkeit.