CHRISTIAN BLOCK

Armut und Hunger beenden, Bildung für alle, Geschlechtergleichstellung, Wasser und Sanitärversorgung für alle, grüne Energie: Man muss schon ein unerschütterlicher Optimist sein (vielleicht bleibt einem am Ende aber auch gar nichts anderes übrig), wenn man glaubt, dass die Weltgemeinschaft in knapp elf Jahren die UN-Nachhaltigkeitsziele erfolgreich wird abhaken können. Die im September 2015 beschlossene Agenda 2030 - die auf die Millenniums-Entwicklungsziele mit einer stark durchwachsenen Bilanz aufbauten - verfolgt zwar in der Theorie einen durchaus sinnvollen holistischen Ansatz. Zudem gilt sie diesmal für alle Staaten und ist nicht mehr nur Hausaufgabe für Entwicklungsländer. Das macht Sinn, weil die Industriestaaten mit ihrem Ressourcenhunger anderen Staaten hohe ökologische und wirtschaftliche Kosten bereiten. Wenn etwa für Palmöl und Avocados Wälder abgeholzt werden.

Doch wenn es mit den 17 Zielen trotz ihrer Unverbindlichkeit ernst gemeint sein soll und sie nicht nur als Richtwerte zu verstehen sind, denen es sich bestmöglich anzunähern gilt, dann ist ein übrig bleibendes Jahrzehnt eine verdammt knappe Zeit. Insbesondere dann, wenn eine Abkehr eines auf „Immer mehr“ ausgerichteten Wirtschaftssystems nicht absehbar ist. Denn auch wenn Nachhaltigkeit für viele Menschen zu einem immer wichtigeren Konzept wird, reduziert sich tatsächliches nachhaltiges Handeln bislang, auch mangels Alternativen, in der Praxis auf einige wenige Bereiche.

Es kommt jedenfalls nicht von ungefähr, wenn UN-Generalsekretär António Guterres kürzlich noch einmal nachlegte und Industrie- und Schwellenländer dazu aufforderte, Gas zu geben in Sachen Nachhaltigkeit. „Was wir brauchen, sind schnellere Handlungen und keine weiteren Überlegungen“, schrieb Guterres den G20 ins Gewissen. Denn nur kurz zuvor war eine Studie zu einem ernüchternden Zwischenfazit gekommen: Vier Jahre nach Verabschiedung der Agenda 2030 sei kein Land der Erde auf dem Weg, alle 17 SDGs zu erfüllen. Platt ausgedrückt: Wenn es so weiter geht, könnt ihr die Nachhaltigkeitsziele abschreiben. Und selbst wenn es den Staaten gelingt, ihren ökologischen Fußabdruck maßgeblich zu verringern und Lebensbedingungen zu verbessern, könnten der Klimawandel und zunehmende soziale Ungleichheiten den Fortschritt wieder zunichte machen, sagt ein anderer Report.

Apropos Verantwortung der Industriestaaten: In genannter Studie kam Luxemburg bekanntlich nicht gut weg. Das Großherzogtum gilt darin als der drittgrößte Kostenverursacher (pro Kopf) für die Weltgemeinschaft in den Bereichen Umwelt, Sicherheit und Wirtschaft. Neben dem nationalen Klima- und Aktionsplan dürfte daher mit Spannung voraussichtlich noch in der zweiten Jahreshälfte der dritte Nationale Plan für eine Nachhaltige Entwicklung (PNDD) erwartet werden, der Luxemburg in den kommenden Jahren als Fahrplan zu mehr „Sustainability“ dienen soll - und so auch ein Stück weit helfen soll, zu verhindern, dass der ohnehin schon inflationär benutzte Begriff Nachhaltigkeit am Ende als Unwort des Jahrhunderts in die Geschichtsbücher eingeht.