GREVENMACHER
CORDELIA CHATON

Euroline Werbetechnik aus Grevenmacher hat in der Coronakrise Schutzwände produziert – und wurde bekannt

Wenn Erwin Kellendonk durch sein Unternehmen geht, dann sieht er überall Acrylglas. „Seit März fertigen wir nur noch Infektionsschutzwände und Infektionsschutzkabinen“, sagt der Geschäftsführer von Euroline Werbetechnik. Die Kunden des 1985 gegründeten Unternehmens aus Grevenmacher kommen sowohl aus Luxemburg als auch aus dem Ausland. Von Krankenhäusern, über Banken, Supermärkte, Taxiunternehmen, Behörden und die Polizei- und Rettungsdienste, die Euroline schon lange beliefert, ist alles dabei. „Wir haben seit Ausbruch der Krise über 10.000 m2 verarbeitet“ berichtet Kellendonk. „Teilweise wussten wir nicht mehr, wohin damit.“ Euroline fertigt sowohl nach Maß als auch Standardangebote. „Am meisten gefragt sind Premiumprodukte, also Acrylglas mit 8 bis 10 mm und einem verklebten Boden. Die Luxemburger achten auf Qualität, sie bevorzugen die hochwertigeren Produktlinien“, sagt der Chef, während er an verschiedenen Modellen für Infektionsschutzwände vorbei führt.

Normalerweise stellt Euroline Werbeartikel wie Leuchtwerbung, Schriften und Stelen her. Auch die Vermietung von Baustellenschildern, Komplettfolierung von Fahrzeugen oder Videowände gehören zum Angebot. Doch seit Mitte Januar 2020 konzentrieren sich alle nur noch auf Schutzscheiben und -kabinen, die deswegen so gefragt sind, weil das Covid-19-Virus über Tröpfcheninfektion übertragen wird. Kellendonk war ein Risiko eingegangen, als er zu Beginn der Krise „alles Acrylglas gekauft hat“, was er finden konnte.

Er war sich damals sicher, dass es einen Bedarf an Schutzwänden geben würde. Denn der Deutsche hat vor vielen Jahren eine vierjährige Ausbildung zum Rettungssanitäter bei der Bundeswehr gemacht – im Bereich Seuchenprävention und chemische Angriffe. Daher wusste der Chef des Unternehmens mit 50 Mitarbeitern, was mit dem Coronavirus auf die Menschheit zukommen würde.

Exorbitanter Preisanstieg

Doch jetzt ist sein Lager fast leer. Und Nachschub ist nicht in Sicht. „Die Produktionskapazität aller europäischen Werke für Acrylglas ist bis Mitte 2020 ausverkauft. Wir haben es auch in China versucht“, berichtet er. So weiß er, dass eine gecharterte Boeing 420.000 Euro kostet. Aber die würde eine Strecke leer fliegen. Das macht das Material teuer. In China selbst ziehen die Preise aufgrund der Nachfrage ebenfalls an. „Die Preise sind extrem gestiegen; je nach Material je nach Produkt um 400 Prozent“, beobachtet Kellendonk, der so etwas in vier Jahrzehnten Berufstätigkeit noch nie erlebt hat. Teilweise kam es zum Verkauf an den Meistbietenden. „Man kommt nur noch mit Druckmitteln an Rohmaterial.“ Der Mangel an Plexiglas hat den Unternehmer schon einige große Aufträge gekostet.

Euroline beschäftigt acht Mitarbeiter im Außendienst. „Da laufen die Leitungen heiß. Viele Kunden sind sehr ungeduldig“, erzählt der Chef. Er zeigt sich flexibel. Kunden können die Ware abholen oder sich beliefern lassen. Vor der Auslieferung werden die Schutzeinrichtungen auf 70 Grad erhitzt, um keimfrei beim Kunden anzukommen. Euroline erklärt das in einem Video, das auf Facebook und Youtube läuft. „Auf Facebook haben den Film 189.000 Leute gesehen“, lächelt Kellendonk.

Neben den Kunden für Schutzeinrichtungen gibt es auch noch jene, die Beschriftungen kaufen. Auch hier muss das Geschäft weitergehen. Das ist nicht immer einfach. „Trotz der vielen Aufträge hatten wir anfangs Kurzarbeit beantragt, weil beispielsweise Grafiker nicht arbeiten konnten“, erklärt er, während er an bedruckten Folien vorbeigeht. Während der Hochzeit der Krise sank der Anteil der Werbetechnik auf fünf Prozent des normalen Volumens. „Das ändert sich jetzt“, stellt Kellendonk fest. Andere Mitarbeiter hatten Familienurlaub. „Ausgerechnet in den wichtigsten Bereichen“, seufzt der Geschäftsführer. „Wir haben dann versucht, Leute, die schon aus dem Handwerk kamen, umzuschulen, weil wir dringend Fräser brauchten. Aber das lernt man nicht in einem halben Tag.“ Um Kunden schneller beliefern zu können, stellte Euroline die Bauart um. Statt zu schweißen, wird jetzt geschraubt. „Das ist wiederverwertbar und macht eine zeitaufwendige Lackierung unnötig“, argumentiert er. Plexiglas-Reste gab Euroline an Initiativen für die Herstellung von Visieren ab, die in Luxemburg in zahlreichen 3-D-Printern entstanden.

Kellendonk geht davon aus, dass das Coronavirus die Menschheit noch eine Weile beschäftigen wird. Auch wenn die Krise Euroline vor große Herausforderungen gestellt hat, ist er froh, dass er durch die kurzfristige Umstellung der gesamten Produktion die Krise gut überstanden hat und gleichzeitig einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten konnte. Und dann gibt es noch einen Effekt. „Den Bekanntheitsgrad, den wir in den letzten zwei Monaten erreicht haben, hatten wir in 35 Jahren nicht. Wir haben tausende Neukunden“, freut er sich.

www.euroline.lu