LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Schwerer Arbeitsunfall von 2011 wurde gestern verhandelt

Immer wieder kommt es zu Arbeitsunfällen, weil in Betrieben Maschinen oder Schutzeinrichtungen defekt sind. Mitarbeiter und auch Vorgesetzte gehen dabei ein großes Risiko ein.

Am 27. September 2011 kam es gegen 8:45 auf einer Baustelle des Gebäudes „K3“ des Europäischen Rechnungshofes in Luxemburg-Kirchberg zu einem folgenschweren Unfall. Drei polnische Arbeiter befanden sich auf einer mobilen Plattform, als eine Trosse brach und die Plattform umstürzte. Die drei Arbeiter stürzten zu Boden. Einer der Männer zog sich dabei schwere Kopfverletzungen zu und erlitt schwere innere und äußere Verletzungen an der Wirbelsäule. Die beiden anderen Arbeiter wurden nur leicht verletzt.

Der Schwerverletzte trug dauerhafte Gesundheitsschäden davon. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen vor, notwendige Sorgfalts- und Sicherheitsmaßnahmen missachtet zu haben und für das Unglück verantwortlich zu sein. Zahlreiche Fragen wurden gestern vor der 7. Strafkammer gestellt. Wer trägt die Schuld bei einem Unfall? Wer trägt die Verantwortung? Wer kommt für die Kosten des Unfalls auf?

Technische Ursache immer noch unklar

Die Plattform/Hubbühne war vom Eigentümer an ein Bauunternehmen vermietet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Eigentümer der Plattform vor, das Sicherheitsseil und die Hubtrosse an ein und derselben Stelle befestigt zu haben, anstatt sie getrennt zu führen. Dem Unternehmen wird auch vorgeworfen, einen zu schwachen Laufwagen in die Hebeanlage eingebaut zu haben, wodurch eine Überbeanspruchung auftrat. Auch nach Expertenmeinung war die Anlage, Stichwort: „…erhöhter statischer Koeffizient…“ de facto unterdimensioniert.

Es gibt mehrere Theorien über die Ursache des Unfalls, jedoch könne keine bewiesen werden, sagte der Experte und Ingenieur Jean Heuschling. Auf jeden Fall sei dieses Gerät nicht dafür vorgesehen gewesen, Personen zu befördern. Auch der zweite Experte Ingenieur Romain Fisch meinte, dass keine genaue Ursache des Unfalls erkennbar sie. Fisch blieb vorsichtig in seiner Aussage: „Wir kennen die Vorgeschichte nicht, wir haben kein bestimmtes Element. Wir wissen nicht, warum der Wagen runtergefallen ist.“

Die Nebenklage äußerte sich sehr bewegt und forderte 75. 000 Euro für den schwer verletzten Mann.

Verteidigung: Menschliches Versagen

„Ich bedauere diesen Unfall zutiefst“, gab der Geschäftsführer der Betreiberfirma, Fréderic H. zu Protokoll. Der Rechtsvertreter des beklagten Unternehmens plädierte auf einen menschlichen Fehler. Die Arbeiter hätten nicht zum qualifizierten Montageteam gehört und hätten daher auch nicht auf der mobilen Plattform arbeiten dürfen, sagte der Anwalt. Eine nötige spezielle Ausbildung hätten sie nicht gehabt. Der Anwalt widersprach der Darstellung der Nebenklagen, da die Sachlage nicht genügend abgeklärt sei. Am plausibelsten sei, dass die Plattform manipuliert wurde. Eigentlich müsste der Subunternehmer, der Mieter der Hubanlage, auf der Anklagebank sitzen, meinte der Anwalt. Der Verteidiger forderte eine „faire Entscheidung“ und das könne nur ein Freispruch sein.

Für die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gibt es große Divergenzen. „Or, le problème est que la raison exacte de l’accident reste douteuse“, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Sie wollte sich bei ihrer Strafforderung auf die Klugheit des Gerichts verlassen. Das Gericht muss in der Urteilsbegründung die Kernfrage beantworten, ob die Firma fahrlässig gehandelt hat und so den Unfall verursachte. Das Urteil fällt am 7. März