LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Staatliche Arbeitsagenturen setzten mittlerweile auf technologische Hilfsmittel

Claude Hermann suchte einen Job. Dafür schaute er auch auf der Seite der nationalen Arbeitsagentur Pole Emploi nach. Und staunte nicht schlecht. Dort wurde ihm angezeigt, welche Unternehmen in den kommenden drei bis sechs Monaten wahrscheinlich mehr Mitarbeiter einstellen werden und deshalb für Spontanbewerbungen interessant wären. Des weiteren gab es Online-Jobmessen, auf die Hermann sich einschreiben konnte, ohne hingehen zu müssen. Ein virtuelles Vorstellungsgespräch lud zur Stärken-Schwächen-Analyse ein. Und ein Training für Bewerbungsgespräche gab ihm nach einer Sitzung Tipps für bessere Antworten, die richtige Haltung der Hände und Rat für allgemeine Antworten. Hermann war beeindruckt. Das hatte so gar nichts mehr mit dem staubigen Arbeitsamt zu tun, das er von früher kannte.

Der französische „Pôle Emploi“ ist kein Einzelfall. Immer mehr nationale Arbeitsagenturen setzten auf Technologie und künstliche Intelligenz und Big Data, wenn es darum geht, Menschen in Arbeit zu bringen. Auch Luxemburg geht diesen Weg.

„Wir entwickeln gerade ein ähnliches Tool wie die Franzosen“, basierend auf Big Data, erklärt Guy Putz. Der ehemalige Unternehmens-Chef leitet den Bereich „Service für Arbeitgeber“ bei der Adem.

Flämische Vorreiter

Zwei Mal im Jahr trifft sich Putz mit Amtskollegen aus ganz Europa, um sich auszutauschen. Diese Treffen sind institutionalisiert im Rahmen eines Netzwerkes. Das Europäische Netzwerk der öffentlichen Arbeitsverwaltungen (PES) wurde nach einer Entscheidung des Rates und des Europäischen Parlaments eingerichtet, um die Effizienz der öffentlichen Arbeitsverwaltungen (ÖAV) zu maximieren. „Die Märkte sind unterschiedlich, aber man sieht ähnliche Tendenzen wie den Mangel an Metzgern“, weiß er. Auf diesen Treffen ist er auch zur Überzeugung gekommen, dass Belgien beim Thema Technologie in der Arbeitsvermittlung besonders weit ist, insbesondere die flämische Arbeitsvermittlungsagentur VDAB. „Die sind Vorreiter“, ist Putz überzeugt.

Der VDAB hat mit der WCC Group ein Pilotprojekt gestartet, um ein besseres Matching zwischen Suchenden und Kandidaten sicher zu stellen. Dabei soll der Einsatz von künstlicher Intelligenz getestet werden. Das läuft als Profiling, bei dem Menschen nach vorgegebenen Regeln in Zielgruppen eingeteilt werden. Mit Hilfe von Datenanalyse und maschinellem Lernen sollen relevante Zielgruppen von Arbeitssuchenden ermittelt werden, die maßgeschneiderte Matchingstrategien benötigen.

Video- und Audio-CVs

Technologie hält jedoch nicht nur in Form von künstlicher Intelligenz Einzug in die Personalabteilungen und Arbeitsagenturen. Längst sind Video- und Audio-CVs auch auf großen Veranstaltungen wie dem „RTL Jobtag“ an der Tagesordnung. „Oft ist das ein erster Schritt, um Zeit zu sparen“, weiß Putz. Aber auch spezialisierte Unternehmen wie Skeeled, die sich mit einer All-in-one-Einstellungssoftware gezielt an Personaler richten, haben Kunden in Luxemburg. Skeeled beispielsweise bietet eine integrierte Persönlichkeitsbewertung und ein strukturiertes Video-Interview samt Auswertung an.

Auf der anderen Seite bleiben persönliche Begegnungen wichtig. Die Adem veranstaltet mehr und mehr Jobdays, oft branchenspezifisch. Anfang September wird ein solcher Tag für die Einstellungen im Royal Hamilius stattfinden. „Beim Jobtag für die Cloche d´Or sind über 2.000 Interessenten gekommen und rund 100 Verträge wurden an einem Tag vermittelt“, berichtet Putz.

Schulen, schulen, schulen

Er weiß, dass die Kandidaten immer weniger dem gesuchten Profil entsprechen. Deshalb suchen Unternehmen häufig nach Basiskompetenzen. Die Adem schult dann nach. „Unsere Schulungen umfassen vieles vom 3-monatigem Java-Programmierkurs bis hin zur gefragten Hilfe für Baustellen mit Kenntnissen in der Elektrik. „Arbeitsagenturen sind immer öfter Weiterbildungsagenturen“, findet Putz.

Die Adem selbst arbeitet an einem ähnlichen System wie das, mit dem die VDAB Arbeitssuchende begleitet. „Es kann dann auch Vorschläge machen, auf die die Kandidaten nicht direkt kommen“, erklärt Pütz. So schrieben viele an große Unternehmen, obgleich sehr viele kleine und mittlere Unternehmen auch suchen würden. „Oder sie denken nicht unbedingt daran, dass ein Luftfahrtunternehmen wie Luxairport auch Busfahrer oder Grosshandelsbetriebe auch Mechatroniker beschäftigen.“ Die Technologie soll dabei auch den Anstoß zu mehr Eigeninitiative und sinnvollen Spontanbewerbungen geben.

Damit die Menschen mit der Ausbildung von gestern nicht den Anschluss an den Arbeitsmarkt von morgen verlieren, hat Luxemburg unter dem damaligen Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) die „Digital Skills Bridge“ gestartet, ein Programm, dass Mitarbeiter schult. Das wurde von vielen Unternehmen begrüßt. „Im Endeffekt verschwinden durch Technologie weniger Berufe als neue geschaffen werden. Die sind aber meist höherqualifiziert“, beobachtet der Leiter des Arbeitgeber-Service. Deshalb wird im Rahmen des Programms getestet, was fehlt und wie viel nachgeschult werden muss. Ein Problem bei Schulungen kann die kritische Masse sein.

Die Adem arbeitet seit 2016 mit einem Online-Jobboard, bei dem rund 20.000 Kandidaten registriert sind. Durchschnittlich gibt es rund 4000 Kontakte pro Monat zwischen Kandidaten und Arbeitgeber durch das Jobboard. 2.457 Arbeitgeber haben aktiv Zugang dazu. Sie will die Adem in Zukunft noch intensiver begleiten, wenn es um die Suche von Mitarbeitern geht. Eines steht schon fest: Technologie wird dabei eine immer größere Rolle spielen.