PATRICK WELTER

Von wegen „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Seit denkwürdigen 17 Minuten am vergangenen Freitag ist zu erwarten, dass die Trump-Regierung der Welt jetzt ziemlich heiße Brühe per Trichter verabreicht. Die Sache mit dem Trichter ist übrigens ein Vorläufer des „Waterboarding“, sie stammt aus dem 30-jährigen Krieg und wurde nach ihren Erfindern „Schwedentrunk“ genannt.

In Washington gelten jetzt Regeln, die auf dem Bau herrschen: Harter Ton und harte Bandagen. Pokern statt Diplomatie. Trumps Definition von Politik: „Ganz hoch einsteigen und dann einen Deal aushandeln!“.

Um zu wissen was da kommt, müssen wir nur 110 Jahre zurückschauen - auf Theodore „Teddy“ Roosevelt, 26. Präsident der USA von 1901 bis 1909. Teddys Büste im Oval Office aufzustellen, wie Trump es getan hat, ist ein Bekenntnis. Dessen Außenpolitik passt wunderbar zu Trumps Credo „America first“. Roosevelt verstand es als Ausweitung der Monroe-Doktrin: Auf dem amerikanischen Kontinent, hinunter bis Feuerland, haben nur die USA das Recht zur Einmischung. Angewandt hat Teddy - die Assoziation mit dem Plüschtier ist übrigens richtig - diese Politik vor allem im Hinterhof der USA- der Karibik. Schon am spanisch-amerikanischen Krieg (1898) zur Befreiung Kubas hatte er aktiv mitgewirkt. Er hatte ein Ministeramt aufgegeben, um die legendäre Reiterbrigade „Rough riders“ aufzustellen.

Trump hat mit Teddy einige überraschende Gemeinsamkeiten. Zunächst die Herkunft: Roosevelt stammte aus einer reichen Familie und besaß zeitweilig ein Privatvermögen von über 100 Millionen Dollar, bei viel höherer Kaufkraft. Ebenso wie Donald war Teddy ein ungeliebtes Kind der Republikaner. Er gehörte, obwohl schon Gouverneur von New York, nicht zum Parteiestablishment und zog die Freimaurerei der Frömmelei vor. Präsident William McKinley hatte 1900 für seine Wiederwahl aber auf Roosevelt als „Running mate“ bestanden. Zähneknirschend beugte sich die Partei. McKinley/Roosevelt gewannen, sechs Monate später wurde McKinley ermordet und Teddy rückte nach. Die Freundschaft zu den Republikanern hielt noch bis zur Wiederwahl 1905, . 1909 verlor er als Unabhängiger die Wahl.

Teddy Roosevelt hat bis heute Spuren hinterlassen, sowohl der Panamakanal als auch der Staat Panama tragen seinen Stempel. Die USA kauften unter Teddy die bankrotte Kanalgesellschaft von den französischen Eigentümern, und sorgten militärisch für die staatliche Unabhängigkeit (1903) der bisherigen Provinz Panama von Kolumbien und ließen sich gleich vom neuen Staat alle Hoheitsrechte für den Kanal abtreten. Sofort wurde der Bau mit allen Mitteln wieder aufgenommen. Roosevelt war der erste US-Präsident, der eine Auslandsreise unternahm - nach Panama.

Trump scheint Teddy Roosevelts schnelles Handeln und dessen unorthodoxes Verhalten als politisches Vorbild zu sehen. Leider hat er bei aller Bewunderung dessen berühmtesten Satz vergessen oder nicht verstanden: „Speak softly and carry a big stick; you will go far.“ Von leise Reden kann bei Donald T. keine Rede sein, das ist nicht seine Art. Er nimmt gleich den dicken Knüppel für Freund und Feind.