Der Berliner Schüler Paul Bühre beschreibt seine Welt. Schultage, die ein Kampf um Anerkennung sind. Die zehnte Klasse, in der es die Weicheier einerseits und die „oberhammer-geilsten-krassesten Gangster-Antischul-Gruppe, in die alle reinwollen“ andererseits geht. Denn der 16-Jährige hat ein Buch geschrieben. Voraus gegangen war ein Schülerpraktikum in der Redaktion des „Zeit Magazins“, in dem er einen Text über sich und seinen Alltag geschrieben hatte, durch den ein Literaturagent auf ihn aufmerksam wurde. So ist sein Buch „Teenie Leaks - Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“ entstanden. Die Illustrationen für das Buch hat Paul Bühre selbst angefertigt. Denn er kann sich vorstellen, mal Comiczeichner zu werden. Wir haben mit dem jungen Autor über das Schreiben, Reaktionen und einen Blog gesprochen.
Wie kommst Du auf die Idee, Deine Welt Erwachsenen erklären zu wollen?
Paul Bühre Alles hat mit einem Artikel angefangen, den ich während des Schulpraktikums in der Redaktion des Zeitmagazins geschrieben habe. Ich war dort der erste Schulpraktikant und nach der ersten Woche, wo ich hauptsächlich Rechercheaufgaben hatte, sagte jemand zu mir: Paul: Schreib es doch einfach mal auf. Und das habe ich dann getan. Im Artikel ging es um mich und meiner Welt und das ist ja dann auch das Thema des Buches geworden.
Wie kam der Schritt vom Artikel zum Buch?
Bühre Ein Agent hat den Artikel im Zeitmagazin gelesen. Später hat er mich angerufen und mit mir geredet. Er meinte, ich könnte ein Buch schreiben - und ich hatte Lust dazu.
Willst Du jetzt Journalist werden?
Bühre Ich weiß es noch nicht.
Bei einer Tageszeitung geht es mir zu aktuell zu. Selbst beim Magazin geht es darum, was die Leute denken und was gerade passiert. Aber Schreiben und Ausdenken macht mir schon unheimlich Spaß.
Wie hast Du an dem Buch gearbeitet?
Bühre Ich habe es mit zwei Fingern getippt. Dabei bin ich nicht besonders schnell. Ein dreiviertel Jahr lang habe ich nach der Schule immer 2.500 Zeichen für das Buch getippt. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Es kam ganz drauf an. Manchmal gab es auch eine Explosion und ich habe ganz viel geschrieben.
Was sagen Leo und die anderen, die in dem Buch vorkommen?
Bühre Die anderen konnten es nicht glauben. Sie verfolgen meine TV-Auftritte. Bislang war ich bei TV-Total mit Stefan Raab, im Frühstücksfernsehen und NDR-Talkshow. Beim DeutschlandradioKultur war ich auch.
Bist du da der Quoten-Teenie?
Bühre Nein, ich glaube nicht, dass es den gibt. Aber ich versuche, ich selbst zu bleiben.
Was ist Dir wichtig?
Bühre Ich zeichne und male gern. Das Buch habe ich auch selbst illustriert. Gute Unterhaltung wie bei guten Serien, vor allem „Games of Thrones“ und wie geht es weitergeht.
Dann finde ich Patrick Rothfuss gut, den Autor von „Der Name des Windes“. Die Bücher werden zwar zunehmend dünner und ich weiß nicht, ob er es schafft, sie wirklich zu Ende zu bringen, weil ich das Gefühl habe, dass er sehr lange braucht. Aber er ist unglaublich gut. Gutes Essen ist mir auch wichtig, wir geben uns in der Familie damit viel Mühe. Musik mag ich auch gern. Ich spiele Gitarre.
Spielst Du noch Rugby? Im Buch erzählst du, dass Du dadurch zur angesagten Clique gehörtest.
Bühre Nein, seit zwei Jahren nicht mehr, die wurden mir zu groß. Ich bin nicht so schnell gewachsen. Jetzt mache ich Capoeira, einen brasilianischen Kampf-Tanz. Ich habe schon ziemlich viel ausprobiert. Kendo beispielsweise, aber das fand ich nicht so toll. Capoeira gefällt mir.
Warum willst Du kein Alpha sein und zu den angesagten gehören?
Bühre Das ist so anstrengend. Man muss sich immer sehr viel Mühe geben, wie man so rüber kommt. Kommt mir irgendwie sinnlos vor.
Was willst Du mit Deinem Schreibtalent anstellen? Es beruflich nutzen?
Bühre Ich will definitiv etwas Kreatives machen, etwas, was mir Spaß macht. Aber was genau weiß ich wirklich nicht. Schreiben ist ein ziemlich harter Beruf. Vielleicht auch ein einsamer Beruf. Bevor das Buch fertig ist, siehst du nichts. Bislang hatte ich Schule, da musste ich mir keine Sorgen machen, dass ich kein Geld habe.
Warum machst Du keinen Blog?
Bühre Einen Blog? Also wenn, dann müsste ich meinen Bruder fragen. Der kennt sich aus, wie man das einrichtet. Ich weiß nicht, ob ich dazu Lust habe. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Jetzt habe ich erstmal sowieso schon viel im Buch erzählt. Das reicht fürs erste.


