ENSDORF
DPA/LRS

Zukunft der früheren Kohlegruben im Saarland: Entscheidung rückt näher

Unter verhaltenem Andrang hat gestern der Erörterungstermin um den vom Bergbaukonzern RAG beantragten Grubenwasseranstieg im Saarrevier begonnen. Knapp 150 Menschen kamen nach Ensdorf in ein eigens aufgestelltes Großraumzelt, in dem Einwendungen und Stellungnahmen behandelt werden. Der Termin ist eine wichtige Etappe im Genehmigungsverfahren zu der Frage, ob die RAG frühere Kohlegruben teilfluten lassen darf. Wie lange der Termin dauern wird, ist nach Einschätzung des Oberbergamtes des Saarlandes nicht einzuschätzen. „Er kann Tage oder Wochen dauern“, sagte Amtsleiter Heinz-Georg Schramm.

Es geht um eine historische Entscheidung. Nach dem 2012 erfolgten Ende des Saar-Bergbaus hat die RAG beim Oberbergamt beantragt, in einer ersten Phase die Gruben der einstigen Bergwerke in Duhamel und Reden bis 320 Meter unter Null volllaufen zu lassen. Bisher wird das Grubenwasser abgepumpt. In einem zweiten Schritt, der noch nicht beantragt ist, plant die RAG das Grubenwasser bis 2035 bis zur Tagesoberfläche ansteigen und in die Saar laufen zu lassen.

Eine Entscheidung werde das Oberbergamt erst nach dem Abschluss des Erörterungstermins treffen. „Ich rechne in diesem Jahr nicht mehr damit“, sagte Schramm am Montag. Wenn nach der Erörterung noch Dinge unklar seien, „werden wir von Amtswegen weiter untersuchen“. Das heiße: Gegebenenfalls weitere Gutachten in Auftrag geben. „Wir entscheiden erst, wenn wir Klarheit haben.“

6.882 Einwendungen

Im laufenden Planfeststellungsverfahren sind 128 öffentliche Stellungnahmen und 6.882 Einwendungen eingegangen. Bürger befürchten durch die Teilflutung Erdbewegungen, den Austritt von Gasen und eine Verunreinigung des Grundwassers. Bei dem Termin zur Erörterung könne „jeder Einwender“ sein Anliegen vorbringen, sagte Schramm. Zudem dürften sich auch „Betroffene“ aus dem „Betrachtungsraum“ zu Wort melden: Dazu zählten rund 600.000 Einwohner in rund 30 Gemeinden.

Zum Beispiel Beate Buhn aus Schwalbach. Sie ist nach Ensdorf gekommen, weil sie bergbaubedingte Beben früher schon in ihrem Haus erlebt hat - und um ihre Zukunft bangt. „Die RAG soll weiter pumpen und uns nicht den ganzen Dreck von da unten vor die Füße kippen“, sagte sie. Das Saarland sei mit Stollen und Gängen „unterkellert wie ein Kaninchenbau“. Man könne nicht abschätzen, was bei einem Wasseranstieg passiere. Michael Drobniewski, Leiter Grubenwasserhaltung bei der RAG, sagte, die damals entstandenen Bergschäden und Erderschütterungen könne die RAG „nicht ungeschehen machen. Wir konnten lediglich die entstandenen Schäden bestmöglich regulieren und für die Erderschütterungen um Entschuldigung bitten.“ Auf der Grundlage von Gutachten lasse sich mit Blick nach vorne aber sagen: „Dass durch den Wasseranstieg keine Verschlechterung der Situation in der Saar eintritt.“ Der Grubenwasseranstieg und seine Auswirkungen würden durch ein Monitoring überwacht werden, sagte Drobniewski. Und: In der ersten Phase können der Anstieg jederzeit angehalten werden.

18 Millionen Kubikmeter Wasser werden jährlich abgepumpt

Etliche Bürgermeister der 30 betroffenen Städte und Gemeinde waren am Montag dabei. „Wir wollen zeigen, dass wir hier unsere Bedenken nochmal geltend machen“, sagte der Lebacher Bürgermeister Klauspeter Brill (parteilos). „Wir wollen die Gefahren, die da möglicherweise auf unsere Kommunen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zukommen, nicht einfach so hinnehmen.“

Derzeit werden im Saarland jährlich knapp 18 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Gruben nach oben abgepumpt. Die Kosten dafür beliefen sich auf etwa 16 Millionen Euro im Jahr, sagte ein RAG-Sprecher. Das Grubenwasser ist Regenwasser, das in die Tiefe sickert und sich in Schächten und Strecken unter Tage sammelt.

Im rein bergrechtlichen Bereich hat es laut Wirtschaftsministerium solch ein „Massenverfahren“ noch nicht gegeben. In den 1990er Jahren aber habe es einen Erörterungstermin zur Abfallverwertungsanlage (AVA) Velsen gegeben mit rund 50.000 Einwendungen, teilte ein Sprecher mit. Da habe der Termin 22 Tage gedauert.