LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Neue Nationalbibliothek offiziell ihrer Bestimmung übergeben

Für Monique Kieffer war der gestrige Tag zweifelsohne einer der Höhepunkte in ihrem Leben. Seit 1999 hat die Direktorin der Nationalbibliothek - wie ihre Vorgänger - dafür gekämpft, dass diese zentrale Institution für die Sammlung, Aufbewahrung, Katalogisierung und Zugänglichmachung des Wissens im Land und darüber hinaus die adäquaten Möglichkeiten bekommt, um ihre Aufgaben zu erfüllen. 20 Jahre nach ihrem Amtsantritt konnte die ausgebildete Historikerin nach jahrelanger intensiver Vorbereitung mit ihrem Team, „den Beginn einer neuen Etappe in der Geschichte der Nationalbibliothek“ im Beisein von Parlamentspräsident, Premierminister, Ministern sowie zahlreicher Politiker und Kulturschaffenden einläuten. Weshalb es so lange gedauert hat? „Vielleicht, weil in unserer Zeit, die mehr vom Spektakel bestimmt ist, grundlegendere Projekte in den Hintergrund traten“, merkte die Direktorin mit etwas Bitterkeit an.

Ende Juni 2014 war der Grundstein für das markante Gebäude gelegt worden - Lëtzebuerger Journal
Ende Juni 2014 war der Grundstein für das markante Gebäude gelegt worden

Zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte erhält eine der ältesten Institutionen des Landes - die Wurzeln gehen auf 1798 zurück - nun jedenfalls ein eigenes Gebäude, das ganz auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten wurde.

Erstmals konnten die an sieben verschiedenen Örtlichkeiten verstreuten Dienste und Lager der Nationalbibliothek in einem Haus zusammengefasst werden, das gleichwohl ein einzigartiges architektonisches Juwel auf Kirchberg ist. Der lichtdurchflutete Bau der Architekten von Bolles+Wilson aus Münster (D ) und WW+ Architectes aus Esch-Alzette, der auch das „Institut Grand Ducal“ beherbergt, bietet 24.000 m2 Nutzfläche, wovon rund 11.800 Lagerzwecken dienen.

An der Lichtgestaltung wurde besonders gearbeitet - Lëtzebuerger Journal
An der Lichtgestaltung wurde besonders gearbeitet
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Platz für Konzentration und Austausch

Über 200.000 Dokumente aller Art stehen dem Besucher sofort zur Verfügung. Es gibt Arbeitstische, Sitzecken mit Schallschutz, online reservierbare Zimmer - sogar eins, in dem Musiker sofort Partituren aus dem Archiv auf einem Klavier spielen können -, ein Auditorium, Fortbildungssäle, im Eingangsbereich findet man ein Restaurant und eine Kaffeeecke.

Akustik und Lichtgestaltung wurden offensichtlich eine sehr große Aufmerksamkeit geschenkt, genauso wie die Auswahl der Baumaterialien in einem Gebäude, das ganz nach Energieeffizienz und Nachhaltigkeitskriterien konzipiert wurde. „Der Besucher soll die vorhandenen Ressourcen so intuitiv wie möglich nutzen können“, erklärte Monique Kieffer. Aber die neue Nationalbi-bliothek ist nicht nur ein Ort, an dem Wissbegierige die Informationen finden, die sie benötigen: Sie soll auch ein Ort sein, an dem sich jeder Einwohner Luxemburgs gerne aufhält, ein Ort des Entdeckens und des gegenseitigen Austauschs. Roly Keating der Chef der „British Library“, der gestern als Ehrengast bei der Eröffnung der Nationalbibliothek geladen war, sprach von Bibliotheken als „civic spaces“, die auch und gerade im digitalen Zeitalter von großer Bedeutung seien.

Hinter Glas: Besondere Preziosen. Das älteste Dokument stammt aus dem 7. Jahrhundert - Lëtzebuerger Journal
Hinter Glas: Besondere Preziosen. Das älteste Dokument stammt aus dem 7. Jahrhundert

Hocherfreut zeigte sich Bautenminister François Bausch (déi gréng) nicht nur darüber, dass hier ein sehr umweltfreundliches Gebäude entstand, das auch noch unter dem Budgetlimit verwirklicht wurde, sondern dass das Viertel Kirchberg um ein wichtiges Element reicher sei, um es zu einem lebendigen Viertel zu machen, in dem Menschen auch gerne wohnen. Kulturministerin Sam Tanson (déi gréng) unterstrich ihrerseits die Bedeutung der neuen Nationalbibliothek auch für die Universitätslandschaft. Erst im Juli sei eine Konvention zwischen BnL und dem „Learning Center“ der Uni Belval für gegenseitige Leihgaben unterzeichnet worden. Die BnL sei ein fabelhafter Ort, um zu studieren, freute sich Tanson, die auch begrüßte, dass die Institution nun an Samstagnachmittagen geöffnet sei.

Wer mag, kann sich selbst an diesem Sonntag die neue Nationalbibliothek ansehen: Am Wochenende lädt sie nämlich zum Tag der offenen Tür von 10.00 bis 18.00.

Lëtzebuerger Journal

Die BnL in Zahlen

1,8 Millionen gedruckte Dokumente

21.036 audiovisuelle Dokumente

621.000 eBooks

390 Datenbanken

77.800 periodische Veröffentlichungen in elektronischer Form

63 digitalisierte Zeitungs- und Wochenzeitungstitel

47.800 Plakate

Ein Rechercheportal mit Zugang zu den Beständen von 87 Bibliotheken des bibnet.lu-Netzwerks

21.704 eingetragene Nutzer

43 Prozent der eingetragenen Nutzer sind Luxemburger

79.443 Eintritte (2018)

83.522 ausgeliehene Dokumente (2018)

16.234 Dokumente, die vor Ort konsultiert wurden (2018)

20.000 audiovisuelle Dokumente

38.200 m2 Brutto-Fläche im neuen Gebäude auf Kirchberg

171.600 m3 Bruttovolumen

112,1 Millionen Euro Budget für das neue Gebäude
Man kann auch an die 20.000 audiovisuelle Dokumente konsultieren - Lëtzebuerger Journal
Man kann auch an die 20.000 audiovisuelle Dokumente konsultieren
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