LUXEMBURG
PW

Der ACL ist gegen blinden Aktionismus und verlangt stattdessen eine bessere Unfallforschung

Den Verfechtern einer unreflektierten Übernahme der Tempo 80 Regelungen in Frankreich, dort vielfach als politische Augenwischerei kritisiert, widerspricht jetzt auch der nationale Automobilclub ACL sehr deutlich. Wobei der ACL zunächst konstatiert, dass er sich nie effektiven Maßnahmen zur Senkung der Zahl schwerer Unfälle und Unfalltoten entgegenstellt hat.

Straßenzustand ist ein wichtiger Faktor

Nach Auffassung des Automobilclubs bringt es nichts im Ausland getroffenen Maßnahmen „automatisch“ zu übernehmen, insbesondere weil die Idee der französischen Regierung stark umstritten ist. Die Gegner seien der Auffassung, wer bisher Tempo 90 weit überschritten hat, wird dies auch bei Tempo 80 tun. Außerdem sollte man nicht außer acht lassen in welch unterschiedlichen Zuständen sich die französischen National- und Departementstraßen zeigen. Darin sei ein Grund für die hohe Unfallgefahr zu sehen.

Falsches Beispiel Dänemark

Die Verteidiger von Tempo 80 würden auch immer auf Dänemark verweisen - zu Unrecht. Denn dort habe man versuchsweise die Höchstgeschwindigkeit auf ausgewählten Landstraßen von 80 auf 90 Stundenkilometer herauf gesetzt. Weder die Durchschnittsgeschwindigkeit, noch die Unfallzahlen seien dabei gestiegen. Für den ACL ist das ein „exzellentes Beispiel“ dafür, dass der Straßenzustand ein wichtiger Bestandteil der Verkehrssicherheit ist. Einfache Baumaßnahmen könnten Unfallschwerpunkte entschärfen.

Mangelhafte Unfallanalysen

Der ACL erinnert noch einmal daran, dass er seit langem dafür plädiert, die Umstände jedes schweren Unfalls mit Verletzten oder Toten genau zu untersuchen und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Typisch für eine unzulängliche Unfallforschung hierzulande sei der Umgang mit dem Faktor „Unaufmerksamkeit“, der in anderen Ländern als eine der besonders häufigen Unfallursachen gilt und in der luxemburgischen Statistik kaum auftaucht - das zeige die Unzulänglichkeit der luxemburgischen Unfallanalysen. Anstelle ständig die repressiven Schrauben gegenüber den Autofahrern anzuziehen, sei der Staat gut beraten in Unfallforschung und Ausbau des nationalen Straßennetzes zu investieren.