MÜNCHEN
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Sixt legt dank Carsharing zu - „Nutzen statt Besitzen“

Sixt, viertgrößter Autovermieter der Welt, hat sein Wachstumstempo im dritten Quartal erhöht und die Prognose für das Gesamtjahr heraufgesetzt. Zwischen Juli und September legte der Umsatz um fast zehn Prozent auf 515 Millionen Euro zu, der Gewinn vor Steuern wuchs um knapp 13 Prozent auf fast 64 Millionen Euro. Auch für das Gesamtjahr erwartet Konzernchef Erich Sixt nun deutliche Steigerungen bei Umsatz und Gewinn.

Den Chef der Autovermietung Sixt, Erich Sixt , kann nach fast fünf Jahrzehnten im Geschäft eigentlich nicht mehr viel überraschen. Mit dem rasanten Erfolg des Car-Sharing in Deutschland hätte aber auch er nicht gerechnet, sagte er. Sixt will mit seinem stark wachsenden Car-Sharing Anbieter „DriveNow“ schon bald Gewinne einfahren. Das Gemeinschaftsunternehmen mit BMW entwickele sich rasant und solle in den nächsten Jahren in weiteren Städten ausgebaut werden, erklärte gestern Konzernchef Erich Sixt. „Das ist eine einzige Überraschung - ich hätte nie gedacht, dass sich das so positiv entwickelt.“ Auf operativer Basis sei das Carasharing-Unternehmen mit mittlerweile mehr als 350.000 registrierten Nutzern schon profitabel - künftig sollen auch unter dem Strich schwarze Zahlen stehen. Vor wenigen Wochen hatte „DriveNow“ in Wien den ersten Auslandsstandort eröffnet. Auch den Eintritt in den US-Markt schließt Sixt nicht aus. Sixt profitiert seit Jahren davon, dass vor allem bei jungen Menschen das eigene Auto nicht mehr so hoch im Kurs steht wie früher. „Im Moment ist das Auto noch ein Statussymbol - aber mit schwindender Bedeutung“, sagte der 70-jährige Firmenchef.

Autofahren ohne eigenen Wagen

Mehr als eine Millionen Menschen nutzen im Autoland Deutschland bereits Carsharing-Angebote. Und es werden immer mehr Fahrer, die sich ein Auto teilen. So haben auch Autohersteller wie BMW oder Daimler das Sharing-Modell für sich entdeckt. Carsharing werde aber keine Konkurrenz für das traditionelle Autogeschäft werden, so sieht es Sebastian Hartmann von der Unternehmensberatung Progenium.

Langfristig hat Wolfgang Schade vom Fraunhofer Institut jedoch seine Zweifel daran. Die Gesellschaft sei im Wandel. Wie sich die heute junge Generation entwickelt, und ob sie tatsächlich irgendwann in ein Auto investieren, weiß niemand. „2030 bis 2040 kann ich mir gut vorstellen, dass das eigene Auto zum Auslaufmodell wird“, meint Schade. Auch deswegen reagieren die Hersteller, die sich über kurz oder lang als Mobilitätsdienstleister präsentieren wollen. Den Markt wollen sie dabei gar nicht erst anderen überlassen.

Angst, dass sich die Firmen mit ihrem Angebot auf Dauer selbst die Kundschaft klauen, müssen sie offenbar nicht haben. In den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Autokäufe wieder leicht an.