LUXEMBURG
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Einblick in den Wasserverbrauch der Industrie

Die Joghurtfabrik bleibt dem Großherzogtum zwar fern, aber die Diskussion um die Trinkwasserversorgung in Luxemburg ist dennoch damit losgetreten. Luxemburg kannte in den vergangenen Jahren vor allem im Hochsommer und während anhaltender Trockenheit Phasen der Trinkwasserknappheit. Die Knappheit erklärt sich vor allem durch eine stark ansteigende Nachfrage gekoppelt an eine Infrastruktur, die dieser nicht gerecht werden kann. In manchen Fällen wurde diese Knappheit auch mit großen Verbrauchern, wie etwa Campingplätzen oder Golfplätzen, in Verbindung gebracht. Insgeheim sind es jedoch die Haushalte, welche im Normalfall 60 Prozent der 132.000 täglich verbrauchten Kubikmeter für sich beanspruchen. 23 Prozent davon fallen an die Industrie, während neun weitere Prozent für die Landwirtschaft gebraucht werden.

Dies sind einige der Eckdaten, welche die Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) in ihrer Antwort auf die parlamentarische Anfrage des LSAP-Abgeordneten Yves Cruchten angibt. Dabei sei es schwierig, einen kompletten Überblick über die Evolution des Wasserverbrauchs der Industrie über die letzten 50 Jahre zu bieten. Jedoch habe das „Syndicat des Eaux du Sud“ (SES) festgestellt, dass nach einem Höhepunkt Ende der 1980er und Eingangs der 1990er Jahre die Nachfrage nach Wasser in der Industrie abgeflaut sei. Ein wesentlicher Rückgang sei darauf zurückzuführen, dass andere Produktionsvorgänge in der Stahlindustrie weniger Wasser verbraucht hätten. Nach diesem Rückgang sei die Nachfrage stabil geblieben und auch die Einführung eines neuen Tarifsystems im Jahr 2012 habe dazu beigetragen, dass der Konsum der Industrie gesunken sein. Insgesamt sei in allen Regionen jedoch eine Stabilisierung oder gar eine Steigerung der Nachfrage festzustellen.

Mehrere Möglichkeiten für die zukünftige Absicherung

Die „Administration de la gestion de l’eau” hat in Zusammenarbeit mit den Wasserversorgern mehrere Szenarien für die Zukunft entwickelt. So sei Luxemburg auch in Zukunft bis 2035 anfällig für Wasserknappheiten. Bei diesen Simulationen wird auch die neue Wasseraufbereitungsstation des SEBES mit eingerechnet (siehe Infokasten). Sie kalkulieren jedoch nicht die zunehmende Degradierung der Wasserqualität mit ein. Deshalb ginge man davon aus, dass das Trinkwasser des Stausees zunehmend in Anspruch genommen werden würde. Bei der zukünftigen Absicherung der Trinkwasserversorgung beschränkt man sich nicht auf die Suche und Ausschöpfung neuer Quellen. In dieser Hinsicht ist man relativ eingeschränkt, liefern die luxemburgischen Wasserläufe allgemein zu wenig. Dazu kommt eine steigende Verschmutzung, die sowohl die Oberflächengewässer wie auch die unterirdischen Quellen betrifft. Reserven, welche der Versorgung von 75.000 Einwohnern dienen könnten, sind nicht oder nur unter hohem Aufwand nutzbar, da sie von schlechter Qualität sind.

Stattdessen basiert die Versorgungsstrategie der Regierung auf drei Säulen. Die erste möchte die Qualität des Wassers bewahren, auch indem neue Wasserschutzzonen ausgewiesen werden. Die zweite Säule sieht mehr Sparsamkeit in sämtlichen Bereich vor. Als dritte Säule werden neue Wasserquellen angepeilt. Hierbei wird zum einen die Aufbereitung des Wassers der Mosel ins Auge gefasst. Zum anderen wird auch die Nutzung von unterirdischen Quellen in Betracht gezogen.