LUXEMBURG
MARCO HOFFMANN

Wenn es um Luxemburg geht, denken die wenigsten an das Thema Armut. Dabei sind viele Einwohner davon betroffen oder zumindest bedroht, wie neue Zahlen vom Statec belegen. Hierzu Marco Hoffmann, Projektmanager der Caritas.

„In Luxemburg sind laut dem aktuellen Bericht ‚Travail et cohésion sociale‘ des Statec 18,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Diese Zahl ist seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen. Im Vergleich zu 2016, wo der Anteil noch bei 16,5 Prozent lag, ist dies ein Anstieg von 2,2 Prozent, ein erschreckender Wert. Statec setzt dabei als Armutsrisikogrenze für das Jahr 2017 ein Equivalenz-Einkommen pro Kopf und pro Monat von 1.804 Euro an. Wer unter dieser Grenze liegt, wird zu der Bevölkerungsgruppe gezählt, die von Armut bedroht ist (insgesamt rund 109.600 Personen).

Da der ‚Revenu d’inclusion sociale‘, kurz REVIS genannt, unter der Grenze von 1.804 Euro liegt, reicht dieser nicht aus, um die Menschen vor der Armut zu bewahren. Wenn man nun noch das vom Statec vor rund zwei Jahren ermittelte ‚Budget de Référence’ von 1.923 Euro pro Monat anführt, das angibt, wieviel eine Person benötigt, um im Großherzogtum menschenwürdig leben zu können, würde diese Zahl noch höher liegen.

Es gibt viele Punkte an denen man ansetzen kann, um Haushalte zu entlasten. Prioritär sind jedoch die Mietkosten. Caritas Luxemburg bietet in diesem Bereich einige Leistungen. Etwa die ‚Gestion locative sociale‘, eine zum Teil staatlich geförderte Maßnahme, bei der eine Organisation Wohnraum im privaten Bereich mietet und dann Personen mit geringen Einkommen zur Verfügung stellt. Obwohl die Maßnahme gut funktioniert, fehlt es aber auch hier noch an Wohnraum und interessierten Eigentümern.

Das größte Problem ist aber nach wie vor, dass Luxemburg zu wenige Sozialwohnungen hat. Wer braucht sozialen Wohnraum? Caritas Luxemburg macht folgende Überlegung: Es ist klar, dass die 109.600 Personen, die unter die Armutsrisikogrenze fallen, auf dem ersten Wohnungsmarkt nicht mithalten können. Dies entspricht rund 40.000 Haushalten, also ebenso viele Sozialwohnungen. Allerdings gibt es aktuell nur rund 5.000 Sozialwohnungen auf dem Markt. Damit ist Luxemburg Schlusslicht der europäischen Union.

Dies zeigt noch einmal, dass der Staat massive Anstrengungen im Sozialwohnungsbau leisten muss. Damit auf lange Sicht das Armutsrisiko sinkt, müsste aber noch viel mehr getan werden. Leistungen sozialer Sicherheit senken etwa das Armutsrisiko. Hierzu kann man auch den REVIS zählen, der allerdings angepasst werden müsste. Je höher das Bildungsniveau, desto geringer das Armutsrisiko. Kinderarmut liegt in Luxemburg bei 22,8 Prozent, also höher als die durchschnittliche Armutsrisikoquote von 18,7 Prozent. Alarmstufe rot!

Über alle Zahlen hinaus, muss unser Ziel eine gerechte und inklusive Gesellschaft sein, in der jeder am öffentlichen Leben teilhaben kann. Das ist aktuell bei rund einem Fünftel der luxemburgischen Bevölkerung nicht gewährleistet. Es besteht somit akuter Handlungsbedarf.“