NIC. DICKEN

Das Spiel mit der Angst der Bevölkerung ganzer Staaten, das seit einigen Jahren durch extremistische und total fanatisierte Gruppen unterschiedlichster Couleur vorwiegend in Europa betrieben wird, zeigt Wirkung. Einerseits fühlen die traditionellen Parteifamilien, die sich stärker denn je in der Mitte des politischen Spektrums drängen und damit am linken und rechten Rand des Spektrums Freiraum für alles andere denn demokratisch gesinnte Blender schaffen, zu Reaktionen und Maßnahmen gezwungen, die sie höchst widerwillig treffen zu müssen glauben. Sie tun dies zumeist in der vordergründigen Absicht, dem Vorwurf der Untätigkeit zu entkommen, mehr jedenfalls als aus Überzeugung, dass die eingeleiteten Initiativen tatsächlich Wirkung zeigen könnten. Folgen sind die Einschränkung der individuellen Freiheiten, Barrieren für Freizügigkeit von Menschen und Handelsgütern, globale Verdächtigungen und am Ende doch ein noch breiteres Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung, die die Wirksamkeit solcher Maßnahmen daher offen in Frage stellt.

Auf der anderen Seite werden so den extremistischen politischen Gruppierungen, die mit radikalen Methoden gegen den terroristischen Radikalismus vorzugehen fordern, unaufhörlich neue Sympathisanten und Mitglieder zugeführt, zumal es immer mehr Bürgern an objektivem politischen Urteilsvermögen fehlt und die einfachsten Forderungen automatisch als die wirksamsten angesehen werden. Vervollständigt wird das Bild durch die zu allen Zeiten grassierende Unzufriedenheit bestimmter Bevölkerungskreise. Extreme Gruppierungen von rechts und links geben unverschämt vor, insbesondere durch die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsschichten die latente Bedrohung durch den Terrorismus in den Griff zu bekommen. Die Realität spricht eine ganz andere Sprache: Sowohl in Frankreich als auch in Belgien und Deutschland, um nur diese zu nennen, wurden Terroranschläge nicht durch Kriegsflüchtlinge begangen, sondern vielmehr durch Menschen, die zum Teil schon seit vielen Jahren im jeweiligen Lande leben, dessen Nationalität angenommen haben und in der Regel sehr wohl auch polizeilich bekannt waren.

Statt sich also von extremistischen politischen Gruppen wie die sprichwörtliche Sau durchs Dorf treiben zu lassen, täten die verantwortlichen Regierungen sehr wohl daran, deutlich gezielter im Auge zu behalten, was sich in hinlänglich bekannten und auch ausreichend lokalisierten Gruppen tut, statt mit enorm hohem Aufwand die ganze Bevölkerung in gewisser Weise als Geisel zu nehmen. Wirksam wäre sicher auch eine Beendigung des oft genug kindisch anmutenden, kleinlichen parteipolitischen Hick-Hacks, mit dem sich die so genannten etablierten Parteien in der Vergangenheit oft genug lächerlich gemacht haben. Parteien und Regierungen sollten aus Überzeugung und tiefem Verantwortungsbewusstsein handeln statt aus immer offensichtlicheren elektoralen Beweggründen. Dann klappt das auch mit der Überzeugung der Bürger. Und im übergeordneten Interesse sollten sich auch die Medien nicht länger mit spöttelndem Hinsehen begnügen.