LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die Aufhebung der Beschränkungen wird mit einer konkreten Strategie begleitet

In Europa ist Luxemburg ein Musterschüler was das Testen auf mögliche Covid-19-Fälle angeht. Ausschließlich Island stehe in dieser Hinsicht noch besser dar. Doch man ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus. Die Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) stellte bei der gestrigen Pressekonferenz die Test-Strategie für die kommenden Wochen vor. Eindeutig sei von vorne herein, dass das Virus unsere Gesellschaft noch eine ganze Weile mit begleiten wird. Die Tests spielten im Rahmen der sich lockernden Regeln eine wichtige Rolle. Denn ohne Tests, Tracing und Tracking könne es keinen Weg zurück zu einer gesellschaftlichen Normalität geben.

Positive Signale

Man lege nun im Rahmen der PCR-Tests den Fokus auf einzelne Sektoren. Einen Anfang hätten hier die Altersheime gemacht. Hier seien 4.309 Personen von 5.780 getestet worden, wobei eine Infektion bei 4,8 Prozent nachgewiesen werden konnte. Auch beim Pflegepersonal wurde hier getestet: Von den 12.003 Personen wurden 5.526 getestet, wobei 3,3 Prozent infiziert waren. Der Bausektor, welcher als erster eine Lockerung erfuhr, wird ebenfalls regelmäßig getestet. Hier gibt es dann gute Nachrichten: Zwischen der ersten und zweiten Testphase im Bausektor sei es zu keinem Anstieg der Neuinfektionsrate gekommen. Dies seit vor allem mit Hinblick auf den Montag wichtig, wo über weitere Lockerungen nachgedacht wird.

Forschungsminister Claude Meisch (DP) erklärte gestern, weshalb die Forschung, allen voran die „CON-VINCE“-Studie von größter Bedeutung ist. „Wir wissen heute bereits deutlich mehr, aber noch nicht alles“, meinte der Minister. Deshalb sei es bei der Teststrategie auch wichtig, einen Fokus auf das Sammeln von Informationen zu legen. Dabei werde jedoch nicht wahllos getestet, sondern es würden Cluster definiert werden. Die Bereiche Medizin, Schule und Kinderbetreuung würden als erste dran kommen, gefolgt von Menschen, die ins professionelle Leben zurückkehren. In einer dritten Phase erst wird die Gesamtbevölkerung mit Hilfe von repräsentativen Stichproben getestet. Im Praktischen sieht das so aus, dass es eine schriftliche Einladung zu einem freiwilligen Test gibt. Aufgrund dieser Einladung wird über ein Online-Portal ein Termin vereinbart, um diesen Test dann durchzuführen.

Spürbares Präventionsparadox

Prof. Dr. Ulf Nehrbass findet indes klare Worte für das bisherige Vorgehen. „Die Regierung hat im richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen getroffen“, so der CEO des „Luxembourg Institute of Health“ (LIH). Er unterstrich weiter, dass der Weg ins „Deconfinement“ nur mit einer guten Teststrategie möglich sei. Im Moment verspüre man ein Präventionsparadox: Da die Maßnahmen gewirkt hätten, würde man deren Sinn nicht mehr unbedingt erkennen. Dennoch sind die Vorgaben wichtig, um die Zahl der Neuinfektionen gering zu halten. Denn man müsse bedenken, dass es im Moment mehr Infizierte im Land gebe als zu Beginn der Maßnahmen. „Nur zusammen können wir das ’Deconfinement‘ so sicher wie möglich machen“, sagte Prof. Dr. Ulf Nehrbass mit Verweis auf die Freiwilligkeit der Tests.

Prof. Paul Wilmes, Sprecher der Covid-19-Task-Force, erklärte, welche Infrastrukturen für die Tests bereits stehen würden. Zwischen dem 25. Mai und dem 28. Juli würden 17 Teststation in Form von Drive-Thrus eröffnen. Sie würden es erlauben, eine tägliche Testkapazität für 20.000 Personen bereit zu stellen. Jene Personen, die arbeitsbedingt am häufigsten Kontakt mit anderen hätten, würden in regelmäßigen Abständen getestet werden. Erst ab dem 1. Juni würden die repräsentativen Strichproben, welche die gesamte Population betreffen, durchgeführt.