CLAUDE KARGER

Zwei Tage vor dem Internationalen Tag des Friedens, an dem seit 33 Jahren die Vereinten Nationen zum Waffenstillstand aufrufen und zur Beendigung des Mordens und der Zerstörung zugunsten der Schaffung von Räumen für nachhaltigen Frieden, scheint es weltweit mehr den je an Krisenherden zu wimmeln, deren grausame Bilder uns immer und überall erreichen.

Ukraine, Jemen, Libyen, Nigeria, Kongo, Sudan, Ägypten, Somalia, Tunesien, Afghanistan... 2014 gab es laut dem Friedens- und Konfliktforschungsinstitut der Universität Uppsala weltweit etwa 40 bewaffnete Konflikte, so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Knapp vier Flugstunden südöstlich von Luxemburg findet das im Frühjahr 2011 begonnene Gemetzel in Syrien, das bereits 250.000 Tote gefordert und fast 12 Millionen Menschen vertrieben hat, kein Ende. Während sich das Assad-Regime und seine Gegner weiter bekriegen, schreitet die Vereinnahmung des Landes durch die Radikalislamisten des IS jeden Tag weiter fort, trotz pausenloser Bombardements durch eine Allianz um die USA.

Letztere liefern sich dort gerade eine Machtprobe mit Russland, das an Assad als Teil der Lösung für den Bürgerkrieg festhält. Gestern hat der Kreml, der das Regime mit Waffen und Ausbildern unterstützt, sogar verlauten lassen, die Entsendung von Bodentruppen in Betracht zu ziehen, falls Assad um Hilfe rufen würde. Die USA sehen den auch durch den Iran unterstützten Präsidenten dagegen als Teil des Problems. Es steht außer Frage, dass die von Russland vorgeschlagene internationale Koalition zur Bekämpfung des IS nur zustande kommen kann und die Route zu einem nachhaltigen Frieden in Syrien nur beschritten werden kann, wenn gesichert ist, dass Assad sich nicht mit allen Mitteln an die Macht klammern wird.

Der Dialog zwischen den Ost- und den Westmächten läuft zum Glück auf Hochtouren. Hoffen wir, dass am Ende endlich eine verbindliche Lösung steht, um Syrien nachhaltigen Frieden zu bringen. Die jährliche Generaldebatte bei den Vereinten Nationen in New York, bei der sich ab kommender Woche die Staats- und Regierungschefs der Welt am Rednerpult ablösen, wäre sicher die geeignete Plattform, sie zu verkünden. Dass bei der Gelegenheit auch die akute Flüchtlingsproblematik im Vordergrund stehen muss, versteht sich von selbst. Die Welt will Regierungs- und Staatschefs sehen, die die Bereitschaft ihres Landes erklären, die Schutzsuchenden aufzunehmen!

Es braucht auch endlich Signale aus der arabischen Welt und besonders aus den bislang überaus schweigsamen reichen Golfstaaten. Und dass die USA, die nicht unschuldig sind an der Destabilisierung der ganzen Region, nur knapp 10.000 Syrer aufnehmen wollen, ist so beschämend, wie die Unfähigkeit der EU-Mitgliedstaaten, eine gemeinsame Lösung für eine Krise zu finden, deren Dringlichkeit seit Jahren (!) erkannt ist. Zäune zu errichten, die Menschen einfach an das nächste Land weiter zu reichen und in einen weiteren Teufelskreis zu schicken, hat jedenfalls nichts mit Lösungen zu tun. Man beschließe am kommenden Mittwoch beim EU-Sondergipfel endlich verbindliche Quoten und sicheres Geleit für die Schutzsuchenden. Scheitert das erneut, droht sich die Destabilisierung der EU und des Balkans fortzusetzen. Dem Frieden in Europa tut das alles andere als gut.