CLAUDE KARGER

„Die Kultur ist ein merkwürdiges Kraut. Sie wächst überall, sogar von selbst, kann sowohl Mauerblümchen wie Orchidee sein“, leitete gestern der „Wort“-Editorialist seinen Leitartikel ein, in dem er bedauert, dass man der Kultur keinen zentralen Platz in der Gesellschaft einräume. Dabei wäre das „Confinement“ noch schwerer zu ertragen gewesen ohne Bücher, ohne Filme, ohne die Musik und ohne die vielen Performances, die sich Künstler einfallen ließen, um im klamm-dröge-ängstlichen Alltag mit ihrer Kreativität zu unterhalten und Lebensfreude zu versprühen. Zeit, dass ähnlich dem vorgestrigen Tsunami zu den Restaurant-Terrassen bald ein Strom zu den Kulturstätten einsetzen kann. Der Strom zum immateriellen Kulturerbe Springprozession darf in diesem Jahr bekanntlich das erste Mal seit dem Krieg nicht stattfinden. „Der heilige Willibrord würde in seinem Grab rotieren, wenn er mitansehen müsste, welches Teufelswerk das Virus in Echternach angerichtet hat“, heißt es in einem Beitrag in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, der am Ende auf die Quelle verweist, die der Heilige einst aus dem Boden gezaubert haben soll. Sie soll „Augenleiden, Epilepsie, Ekzeme und Haarausfall kuriert haben und gut gegen Pest und Cholera gewesen sein. Doch gegen Corona scheint das Wunderwasser machtlos“. Besser ein Barrieregesten-Tee.