LUXEMBURG
SVEN WOHL

Vor 20 Jahren erschien „Diablo 2“: Ein Blick zurück auf einen Klassiker und dessen Einfluss

Klicken, Klicken und nochmals Klicken. So lange, bis die Dämonen fallen, der Held eine Stufe aufsteigt oder endlich das Schwert gefunden ist, das einen noch mächtiger werden lässt. Am 29. Juni 2000 erschien „Diablo 2“, ein Actionrollenspiel aus dem Hause „Blizzard Entertainment“. Abseits süchtigmachenden Gameplays schaffte das Spiel seinerzeit die Grundsätze zahlreicher moderner Hits.

Kaum ein Spiel wurde zur Jahrtausendwende so sehr gehypt wie „Diablo 2“. Kaum ein Monat verging, an dem das Action-Rollenspiel nicht die Cover eines PC-Spielemagazins geziert hat. Der Erfolg war dem Nachfolger zum Überraschungshit aus dem Dezember 1996 garantiert: Mehr Monster, mehr Klassen, mehr Dungeons, mehr Quests, mehr Multiplayer. Kurz: „Diablo 2“ war seinerzeit ein Spiel der Superlativen, das ausschließlich PC-Spielern vorbehalten bleiben sollte.

Klare Rollenverteilung

Die Erwartungen wurden vollkommen erfüllt. Das Spielprinzip orientierte sich am Original. Spieler müssen mit ihrer Figur Dungeons erkunden, Monster bezwingen, Level aufsteigen, um am Ende der Handlung gegen Diablo bestehen zu können. Fünf Klassen mit unterschiedlichen Fähigkeiten standen in der Basisversion zur Verfügung. Der Barbar ist ein klassischer offensiver Nahkämpfer, die Amazone bleibt mit Bogen und Speer auf Distanz und der Totenbeschwörer lehnte sich zurück und schlürft genüsslich seine Mana-Cocktails, während seine Skelette die Drecksarbeit für ihn erledigen. Die Rollen griffen ineinander wie in einem komplexen Uhrwerk, das vor allem im Multiplayer glänzte. Eine gut abgestimmte Party metzelt sich durch Monsterhorden wie ein Grizzlybär durch einen Bienenstock - nur doppelt so schnell und effektgeladen. Das Original sieht dagegen nüchtern betrachtet eher wie eine Blaupause für ein besseres Spiel aus. Die Grafik ist teilweise zu dunkel, die Steuerung zu starr und die Kämpfe zu klobig, als dass es sich heute für die jüngere Generation besonders empfehlen lässt. Wer in den 90ern seine Maus dank des konstanten Geklicke malträtiert hat, dem sei die Neuauflage bei „Good Old Games“ ans Herz gelegt: Nicht nur ist hier der Emulator hervorragend konfiguriert, sondern auch das lange als verloren geglaubte Add-On „Hellfire“ ist im Paket mit dabei.

Apropos Add-On: „Lord of Destruction“ ist 2001 erschienen und erweiterte „Diablo 2“ um weitere Klassen, Gegenstände, Söldner und ein ganzes Kapitel. Nicht nur das, es erweiterte auch die Langlebigkeit des Spiels, gab es immer neue Möglichkeiten, seinen Charakter weiterzuentwickeln. Blizzard erkannte dies früh und brachte regelmäßig neue Updates und Patches. Der letzte Patch erschien 2016 und rückblickend könnte man „Diablo 2“ als das erste „Live Service“-Spiel seiner Zunft betrachten. Denn es hielt Spieler in seinen Fängen, zum einen durch die Jäger und Sammler Mechaniken, zum anderen durch die Onlinefunktionen und neuen Updates.

Langlebig, aber nicht einzigartig

„Diablo 3“, das ganze zwölf Jahre später erschien, konnte nicht mehr den Sprung vollziehen, den der zweite Teil brachte. Bessere Grafik, ein geradlinigeres Spielprinzip, gute Anpassung an die Konsolen und ein äußerst langlebiges Spieldesign waren alle hier zu finden, doch etwas war verloren gegangen. Der desaströse Start, mit erzwungener Online-Verbindung und Auktionshaus, sorgte für viel Missmut bei den Fans. Die hatten sich nur ein hübscheres „Diablo 2“ mit mehr Inhalt gewünscht. Über die Jahre hinweg hat sich „Diablo 3“ auch in diese Richtung weiterentwickelt und seine Fans erhalten, während die Krone des Genreprimus wieder ergattert wurde.

Doch die Welt hat sich seit „Diablo 2“ weitergedreht. Nicht nur haben sich in den zwölf Jahren zwischen den beiden Teilen zahlreiche Konkurrenten aufgesetzt - „Sacred“, „Torchlight“, „Titan Quest“ und „Grim Dawn“, um nur einige zu nennen -, sondern die Mechaniken sickerten in andere Genres. Wer heute „Destiny 2“ startet, spielt eine erweiterte Version eines „Diablo 2“-First Person Shooters. Für die „Borderlands“-Reihe und „Anthem“ lässt sich ähnliches behaupten. Im Kern wurde hier kopiert, was „Diablo 2“ bis heute so spielbar macht, nämlich das Jagen von Gegnern, das Sammeln von Ausrüstung und das Steigern des eigenen Potenzials. Wie Oscar Wilde es so schön sagte: Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.